Wofür sind Österreicher bekannt? Richtig: Für ihre Gelassenheit. Der Singer/Songwriter und Radiomoderator Julian Heidrich alias Julian Le Play performt seine Songs in der halle02 in Heidelberg vor sitzendem Publikum. Dass die Zuschauer sich von der Gelassenheit der Musik dann doch etwas zu sehr anstecken lassen, zeigt sich im Verlauf des intimen und vielseitigen Konzerts.

Bereits beim Betreten der Location wird man stutzig: Vor der Bühne stehen mehrere gepolsterte Sitzbänke sowie einige runde Tonnen, auf denen Teelichter platziert sind. Die Band um den österreichischen Sänger/Songwriter Julian Le Play will es wohl sehr ruhig angehen lassen.

Das werden sich auch einige andere Besucher gedacht haben, die aus den Räumlichkeiten nebenan nach und nach zusätzliche Sitzgelegenheiten herbeischaffen. Nur ein hartgesonnener Teil von zehn Leuten bleibt hinter den 60 sitzenden Zuschauern stehen.

Geschichten aus dem Alltag

Der Sänger aus der Alpenrepublik gibt sich während seines Auftritts sehr natürlich und nahbar. Zwischen einigen Liedern erzählt er umfangreich von Tour-Erlebnissen der Band oder von einschneidenden Erlebnissen seiner Jugend, bei denen Wien eine zentrale Rolle spielt. Zu seinen Song "Vier gewinnt" soll ihn ein Toilettenmann in der Hauptstadt inspiriert haben: Dieser spielte mit Julian genau dieses Spiel um den Benutzungspreis einer kostenpflichtigen Toilette. Dabei ließ er ihn wie viele andere auch absichtlich gewinnen, nur um das Lächeln des Gewinners zu sehen. Eine herzerwärmende Geschichte, die die Zuhörer mit Applaus belohnen.

Erwartungsgemäß besteht das Publikum überwiegend aus Frauen oder verliebten Pärchen. Bei sehr emotionalen Liedern wie "Philosoph" liegen sie sich liebkosend in den Armen, während sie sanft zur Musik schunkeln. Würde der Autor dieses Artikels nicht unter dem stehenden Publikum weilen, wären ihm vermutlich für einige Sekunden auf sanfte Weise die Augen zugefallen, was gar nicht negativ zu verstehen ist. Klar, ein Julian Le Play-Konzert ist nichts für harte Jungs, hält aber einige sehr tiefsinnige Texte parat.

Kleinere technische Fehler

Beim Anspielen von "Wir haben noch das ganze Leben" hat die Stagehand die Gitarre wohl versehentlich falsch gestimmt, weshalb Julian den Song ohne Instrument beginnt und erst im zweiten Vers mit Gitarre im richtigen Tuning spielen kann. Im Song "Blue Jeans" beginnt der Gitarrist das Stück einen Halbton versetzt zum Rest der Band. Ein verzeihlicher Kommunikationsfehler.

Ansonsten spielen die Musiker exzellent: Besonders der E-Gitarrist bereichert die Stücke mit sehr melodiösen Licks. Der Drummer wechselt ständig zwischen E-Drum-Kit und dem normalen Schlagzeug bzw. kombiniert in den Songs beides miteinander.

Man sieht Julian Le Play an, dass seine Kompositionen aus dem Innersten seines Herzens kommen. Sein Gesang ist in allen Liedern authentisch und mitreißend, auch wenn das sitzende Publikum dies nur mit gelegentlichen Mitklatschen und anschließend lautem Applaus honorieren kann. Die Sitzparty passt zwar zum Musikstil, sollte aber vermutlich nur die Halle nicht so leer wirken lassen. Dieser Kompromiss geht aber auf Kosten des Elans des Publikums. Dem leider in Deutschland noch relativ unbekannten Sänger ist hierfür kein Vorwurf zu machen.

"Ich brauche euch jetzt, Heidelberg!"

Um dem entgegenzuwirken, fordert der Sänger beim Lied "Rollercoaster" den sitzenden Teil zum Aufstehen auf. Jetzt ist das Publikum – auch bedingt durch viele Mitsingparts – ein wenig präsenter. Nach seinem bekanntesten Hit "Anker" kehrt die Band wieder für eine Zugabe zurück. Hier setzen sich einige aufgrund der Ruhe des Liedes "In ein neues Land" allerdings wieder hin. Das Ganze ist doch so entspannend. Dies kann der Österreicher aber so nicht durchgehen lassen und bittet alle erneut, aufzustehen.

Das Konzert ist dennoch äußerst abwechslungsreich. Eine Cover-Version von Mias "Tanz der Moleküle" oder das Avicii-artige "Karussel" laden zum Mitsingen ein. Natürlich sind gesanglich Parallelen zum deutschen Äquivalent Philipp Poisel vorhanden, allerdings weisen die Songs eine frische Brise Lebendigkeit und Lebensmut auf, die gepaart mit dem österreichischen
Charme etwas Einzigartiges besitzt. Wenn Julian Le Play den Zuschauern dann noch anbietet, nach dem Konzert noch zum Quatschen dazubleiben, dann spricht das schon für sich. Ein Konzert, das an Intimität nicht überboten werden kann.