Passenger (live beim Southside Festival, 2014)

Passenger (live beim Southside Festival, 2014) © Achim Casper

Die Entwicklung von Passenger ist faszinierend. Früher spielte er vielleicht vor 50 Leuten in einer Bar oder einem kleinen Club. Jetzt spielt er in großen Hallen von tausenden Fans. Aber letztlich macht er nichts anderes als früher.

Gleich zu Beginn wird klar, dass ein Konzert von Passenger sich wesentlich von anderen Shows unterscheidet. Denn Passenger spielt das komplette Konzert allein. Er braucht keine Band, die Show ist "me and my guitar". Für den Rhythmus sorgen bei Bedarf die Zuschauer durch Klatschen oder Fingerschnippen.

Echte Dankbarkeit

Am Anfang erinnert er an sein letztes Konzert in Frankfurt 2013 im Gibson Club und bedankt sich für die unglaubliche Unterstützung, die so viele Zuschauer in die ausverkaufte Jahrhunderthalle gezogen hat. Diese Dankbarkeit, nach all den Jahren unermüdlicher Auftritte jetzt vor tausenden Menschen spielen zu dürfen, ist echt und kommt spürbar von Herzen.

Das Konzert startet Passenger mit dem Song "Rolling Stone". Dabei steht er wie beim ganzen Konzert allein vorne am Bühnenrand und spielt sich auf der Gitarre förmlich die Finger wund, während seine Stimme den Raum vor sich komplett einnimmt. Der Applaus danach ist dementsprechend laut und frenetisch. 

Der Mann aus Minnesota

Nachdem Passenger zuvor schon sehr aktiv mit dem Publikum kommuniziert hat, wechselt er vor dem nächsten Song in einen längeren Monolog, der den Hintergrund dieses Songs erläutern soll. Passenger hatte als starker Raucher nach einem Auftritt in Minnesota nachts den Traum von "Dancing Cigarettes". Also stand er auf und wollte Zigaretten an einer über eine Meile entfernten Tankstelle holen.

Dort traf er einen Biker mit Kopftuch, der ihm von seiner Reise von der Westküste nach New York erzählte. Es war seine letzte Reise, denn er hatte Lungenkrebs. Davon inspiriert verzichtete Passenger auf die Zigaretten, ging zurück ins Hotel und schrieb den Song "Riding To New York". Während der Performance dieses Songs ist es fast totenstill in der Halle, so gebannt sind die Zuschauer von dieser Darbietung.

Tiefe Gefühle

Nach diesem eher schwermütigen Song wechseln die Emotionen zu mehr Enthusiasmus. Denn auf das Cover von "Sound Of Silence", bei dem Passenger mit Vollgas die Finger über die Gitarre fliegen lässt, folgt "I Hate". Passenger beschwört alles das, was ihn nervt. Dazu gehört die Castingshow X-Factor, welche die Musik zerstört oder Botox, das die Gesichter ruiniert. Den Zuschauern bleibt die Rolle als Backgroundchor, der den Gesangsrefrain des "Lai-La-La-Lai" permanent wiederholt.

Richtig singen dürfen alle dann bei "Let Her Go", denn den Text seines Welthits kennen alle. Der emotionale Höhepunkt folgt aber bei "Scare Away The Dark", mit dem Passenger den Hauptblock beendet. Die Fans singen, statt Zugabe nach dem Bühnenabgang von Passenger zu rufen, die Refrainmelodie "Oh-Ooh-Oh" einfach weiter, klatschen und trampeln mit den Füßen.

Live besser als auf CD

Für die Zugabe holt sich Passenger zum Song "Whispers" seine Vorband The Once noch einmal auf die Bühne. Gemeinsam zelebrieren sie in bester Akustikmanier diesen Song, bevor Passenger wieder allein bei "Holes" stimmlich noch einmal alles aus sich herausholt, was an Kraft und Emotion in ihm steckt. Die Zuschauer singen mit und unter tosendem Beifall verlässt Passenger die Bühne, die er 90 Minuten alleine gefüllt hat.

Passenger ist einer der Künstler, die von ihren Fähigkeiten als Live-Musiker leben. Man merkt ihm an, dass er über zehn Jahre durch kleine Locations, Pubs und Bars gezogen ist. Er versteht sein Handwerk, mit dem Publikum umzugehen und seine Livestimme hat eine unglaubliche Präsenz. Auch wenn seine Songs im Radio laufen oder über andere Medien abgespielt werden, ist seine wahre Power dort nur ansatzweise vorhanden. Live ist er eine stimmliche Urgewalt.

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