First Aid Kit (Pressebild, 2014)

First Aid Kit (Pressebild, 2014) © Sony Music

First Aid Kit bezaubern nun schon seit längerer Zeit Fans und Kritiker mit ihren fantastischen Stimmen und ihrer harmonischen Folkmusik. Die beiden Schwestern Klara und Johanna Söderberg aus Schweden, die gerade mal 21 und 23 Jahre alt sind, touren im Moment mit ihrem aktuellen Album "Stay Gold" durch Europa und machten jetzt Halt im Zoom in Frankfurt.

Bekannt wurden die beiden Schwestern, die sich hinter dem namen First Aid Kit verstecken, vor einigen Jahren durch ihr Cover des Fleet Foxes Songs "White Winter Hymnal". Seitdem standen sie mit diesen schon auf der Bühne, verzauberten mit ihrer Musik auch den sonst eher kühlen Jack White, mit dem auch prompt eine Tour folgte. Doch wer die beiden schon mal alleine auf der Bühne gesehen hat, der weiß, dass sie auch ohne Unterstützung anderer Stars die Bühne mit ihren Klängen voll ausfüllen. So auch im Zoom in Frankfurt am 30. September 2014.

Seichter Einstieg

Bevor es allerdings mit First Aid Kit als Hauptact los geht, steht erst einmal der junge Brite Jo Rose aus Manchester auf der Bühne. Zuerst wundert man sich, ob der Singer-Songwriter überhaupt schon alt genug ist, um um diese Zeit noch legal auf der Straße, geschweige denn in irgendwelchen Clubs unterwegs sein zu dürfen. Mit seinem Können an der Gitarre und seinen gefühlvollen, melancholischen Liedern liefert er aber einen gelungenen, wenn auch leicht einschläfernden Einstieg. 

Zwar sind seine Songs mitsamt Lyrics etwas prätentiös und nichts wirklich Neues, doch mit seiner schüchternen Art und einem ordentlichen Schuss Sarkasmus schafft er es das Publikum von sich zu überzeugen. Auch seine mit einem Augenzwinkern vorgetragene Bitte sein kürzlich erschienenes Album "Spurs" zu kaufen, nach dem Motto er brauche das Geld doch so dringend, er sei doch bloß ein armer Musiker, kommt bei dem Publikum gut an und sorgt für einige Lacher.

Goldig und gewaltig

Stimmgewaltig geht es dann allerdings weiter, als die beiden Schwestern von First Aid Kit die Bühne betreten. Passend zu ihrem aktuellen Album "Stay Gold" sind beide natürlich ganz in Gold gekleidet und erinnern mit ihren glitzernden Gewändern und langen Mähnen stark an ABBA. Dass sie sich in diesen langen Umhängen wie so manch ein Konzertgast nicht zu Tode schwitzen im stickigen Zoom ist wirklich erstaunlich.

Mit "Stay Gold" von ihrem aktuellen Album legen sie einen gewaltigen Start hin, das Publikum ist von der ersten Sekunde an voll dabei. Als sie danach auch auf symphatische Weise das Publikum begrüßern und etwas verschüchtert ihre Deutschkenntnisse mit "Wie geht's?" raushauen, sind auch die allerhintersten Gäste verzückt von dem schwedischen Duo.

Im Vordergrund des Konzerts stehen natürlich die Lieder aus dem neuen Album, von denen sie acht der zehn Lieder spielen. Beide überzeugen dabei stimmlich auf ganzer Linie, Klara beweist auch herausragende Fähigkeiten an der Gitarre. Und spätestens als Johanna auf ihrem Keyboard in die Tasten haut und bei so gewaltigen Songs wie "Shattered & Hollow", "Cedar Lane" oder "My Silver Lining" ihre blonde Wallemähne in schönster Headbanger-Manier hin- und herschüttelt ist das Publikum am Toben.  

Laute und leise Töne perfekt getroffen

Doch nicht nur bei den lautstarken Songs überzeugen die beiden, auch die ruhigeren Songs passen wunderbar in das Set. Zur Halbzeit präsentieren die beiden eine Akustik-Version des Songs "Ghost Town" aus dem Album "The Big Black And The Blue", die für Gänsehautmomente sorgt, und auch Lieder wie "In The Hearts Of Men" von dem Erfolsgalbum "The Lion's Roar" gehen direkt ins Herz. 

Das Album "The Lion's Roar" kommt beim Auftritt der Beiden auch nicht zu kurz. Insgesamt spielen die hübschen Schwedinnen sechs Lieder von der Platte; als sie zum Schluss des regulären Sets das Titellied anstimmen, ist das Publikum außer sich vor Freude. 

Kleine Gemeinheit als Highlight des Abends

Eine kleine Gemeinheit dem Publikum gegenüber können sich First Aid Kit inmitten ihres Auftritts nicht verkneifen. Ganz unschuldig fragen sie, ob das Publikum denn schon mal von Jack White gehört habe, der ja ein echt cooler Typ sei, und mit dem sie schon des öfteren auf der Bühne standen. Und da das so eine Hammerzeit für die zwei Schwestern war, haben sie sich überlegt, eines seiner Lieder zu spielen.

Das Publikum ist außer sich und verfällt geradezu in Ekstase, als "Seven Nation Army" von den White Stripes angestimmt wird. Doch dann nach ein paar Takten die Ernüchterung. Das nehmen die beiden sich dann doch nicht raus, diesen Hit zu spielen, entschuldigen sich mit einem Lächeln bei dem etwas verwirrten Publikum. 

Für Ersatz wird aber schnell gesorgt: Mit "Love Interruption" von Whites erstem Soloalbum "Blunderbuss" liefern die beiden ein Highlight des Abends ab, das Publikum ist nicht minder enthusiastisch als bei "Seven Nation Army". Mit "Heaven Knows" folgt dann nochmals ein richtiges Gute-Laune-Lied, bevor mit sphärischen Klängen das Finale eingeleitet wird. Bei "The Lion's Roar" jubelt das Publikum euphorisch, die beiden Musikerinnen geben nochmal alles.

"Einfach genial"

Und weil's so schön war darf eine Zugabe natürlich auch nicht fehlen. Mit "A Long Time Ago" stimmen sie noch einmal traurigere Klänge an, bevor sie sich vor "Master Pretender" darüber freuen, dass sie jetzt so richtig "Badass" sind, denn der Song, der auf dem neuen Album zu hören ist, ist das erste Lied der beiden, dass die Warnung "explicit content" enthält. "Emmylou" bildet dann schließlich das harmonische Finale, und nach tosendem Applaus bewegt sich die glückliche Menge so langsam wieder nach draußen, wo endlich die ersehnte frische Luft wartet. 

Und um das Konzert mal auf den Punkt zu bringen: Besser hätte es eigentlich nicht sein können, oder in den Worten eines euphorischen Konzertbesuchers: "Die sind einfach genial die beiden!"

Setlist

Stay Gold I Blue I King Of The World I Waitress Song I Shattered & Hollow I In The Hearts Of Men I Cedar Lane I Ghost Town I My Silver Lining I Wolf I Love Interruption I Heaven Knows I The Lion's Roar ||  A Long Time Ago I Master Pretender I Emmylou

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