Kollegah & Farid Bang (live in Hamburg, 2013)

Kollegah & Farid Bang (live in Hamburg, 2013) © Falk Simon

Vollzeitmuskelprotz Kollegah zelebriert in der Halle02 in Heidelberg seine Thronbesteigung, lässt sich nicht nur von seinen Fans feiern und nimmt dabei sich selbst und das gesamte Genre des Gangsterraps auf die Schippe.

Rapmusik, besser gesagt deutschsprachiger Hip-Hop, ist zu einem Phänomen geworden. Zurzeit scheint es kein attraktiveres und erfolgversprechenderes Genre zu geben. Nirgendwo sonst scheint der Traum vom Hobby-MC zum Rap-Superstar so zum Greifen nah zu sein.

Überschätzte Nachfrage

Für Kollegah hat sich dieser mehr als erfüllt. Seine aktuelle Platte "KING" errang direkt Gold und wenig später sogar Platin in Deutschland. Auch die Ticket-Nachfrage ist enorm hoch. Mit einer Zusatzshow wurde Kollegahs Premiere in Heidelberg ein wenig vorverlegt. Allerdings bleibt die Halle02 nur zur Hälfte gefüllt – gar nicht so bosshaft...

Kolle, wie er lieblich von seinen Fans genannt wird, macht das aber nichts aus: "Gestern in Stuttgart waren es 4500 Leute, aber ich finde grad die kleinen Locations richtig geil, weil da die Stimmung besser rüberkommt", erzählt er.

Durch die vierte Wand

Bevor der Big Boss allerdings auf der Bühne steht, flimmert als Intro ein kleiner Einspieler über die Leinwand im Hintergrund, in dem der Kampf um den begehrten Rapthron veranschaulicht wird – mit Fäusten und AKs gegen ein vermummtes Einsatzkommando.

Die Leinwand ist ein fester Bestandteil der Show, sei es um mit Bildern von leichtbekleideten Frauen, Skylines, dicken Karren oder Nahaufnahmen seiner Majestät die einzelnen Tracks visuell zu untermalen oder den Unterhaltungswert mit den kleinen Filmchen zu steigern, die fast schon das Highlight der gesamten Show darstellen.

Einfallsreiche Einspieler

Dabei wird auch gerne mal die vierte Wand durchbrochen, wenn der eigene Butler Frederik – neben dem Rapper Majoe einer von Kollegahs Sidekicks – live angerufen wird und innerhalb des Films den Anruf entgegen nimmt, während er mit dem Putzen von Kollegahs prunkvollem Schloss beschäftigt ist.

Es ist schon originell, wenn man als Publikum plötzlich von dem Typen da auf der Leinwand zu Beginn einer Show gefragt wird, ob man bereit sei oder ob man am Ende noch eine Zugabe hören möchte. Die einfallsreiche Integration der Leinwand, über die Dekoration hinaus, ist Kollegah wirklich gelungen.

KING of Selbstinszenierung

Nicht nur auf der Leinwand lässt Kollegah den Boss raushängen. Mit dicker Bomberjacke, viel Bling Bling und stilechter Ray Ban protzt er sich durch den Abend – immer mit einem Augenzwinkern. Der besagte Butler darf neben dem Rappen ihm währenddessen auch mal Wasser bringen, die Bühne fegen oder eine Zigarre anzünden.

Leider sind sowohl die Ansagen ans Publikum als auch die Interaktion zwischen ihm und seinen Rap-Lakaien von vorne bis hinten einstudiert. Wie in einer schlechten Seifenoper streiten sich Kollegah und Majoe beispielsweise darüber, dass Majoe nicht jeden Track seines großen Meisters kennt. Dieses gestelzte Gelaber ist sicherlich alles andere als bosshaft. Ein wenig mehr Witz und Spontanität wären angebrachter.

Rap trifft auf Monotonie

Kollegah ist sicherlich kein schlechter Rapper und hat auch die ein oder andere clevere Zeile in petto, auch wenn man live vor allem in Double-Time kein Wort mehr versteht. Die musikalische Begleitung begrenzt sich dabei auf einen simplen, monotonen Beat. Würde man hier keine Pausen setzen, man wüsste nicht, wann der nächste Track anfängt.

Es sind eben die perfekten Beats zum Arme heben – und das über anderthalb Stunden. Ein Kollegah-Fan kann sich dabei absolut nicht beschweren. Und genau diese sind von Anfang bis zum Ende voll dabei, himmeln ihren Boss an und schreien laut die Texte mit.

Wer ist hier der Boss?!

Es liegt in der Natur des Menschen, immer besser sein zu wollen als der Rest. Im Rapgeschäft ist das nicht anders. Nur wer entscheidet, was und vor allem wer besser oder schlechter ist? Jeder will den Größten, Längsten und Schönsten haben, jeder die dickste Karre, die meisten Chicks und das dickste Bankkonto.

Im Kampf um die Krone jagt ein Superlativ den anderen. Einer ist der King, ein anderer der Boss – gerne auch mal der Bozz – oder einfach beides. Auch Kollegah baut seine Schlösser im selben Sandkasten – und benutzt sogar den gleichen Sand. Wer der Boss ist, lässt sich leicht beantworten: jeder in seiner eigenen Welt.

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