Revolverheld (Pressefoto, 2014)

Revolverheld (Pressefoto, 2014) © Benedikt Schermann

Zum Jubiläum des zehnten Bundesvision Song Contests ließen sich Stefan Raab und sein Team einige gute Neuerungen einfallen lassen, die der Sendung mehr Schwung gaben. Gekrönt wurde die Show in der Lokhalle Göttingen von einem Spitzenauftritt der Siegerband Revolverheld.

Um dem Konzept des Bundesvision Song Contests zum zehnten Jubiläum frischen Wind zu geben, wurde im Vergleich zu den Vorjahren gleich einmal einige Dinge verändert. Stefan Raab rückte als zentrale Figur mehr in den Fokus, dazu strich man die vorher übliche Co-Moderatorin und konzentrierte alles auf den Ideengeber des Wettbewerbs.

Als zweite Maßnahme wurden die früher oft zähen Einspieler über das jeweilige Bundesland durch kurzweiligere Jam-Sessions mit den Künstlern ersetzt. Raab lud dafür alle Künstler im Vorfeld in den Übungskeller seiner Hausband, den Heavytones, um mit ihnen sehr lustige und ungewöhnliche Interviews zu führen oder neue Songvariationen zu präsentieren.

Heraus kam unter anderem eine bayerische Version von R. Kellys "I Believe I Can Fly" mit Andreas Bourani oder eine Grabrede im köl'schen Dialekt aus einem Nina Hagen-Song, die Stefan Raab bei Duerer beisteuert.

Unter den Ersten sind die Letzten

Den Anfang des Wettbewerbs in der Lokhalle Göttingen machte Andreas Bourani aus Bayern. Mit seinem Song "Auf anderen Wegen" konnte er aber die Zuschauer nicht ganz so sehr begeistern wie mit der inoffiziellen WM-Hymne "Auf Uns" und landete am Ende mit 81 Punkten auf Platz sechs. Ins Mittelfeld ging es auch für das Duo Nico Suave feat. Flo Mega. Für Hamburg performen sie den Rap-Song "Gedicht" und bekamen dafür letztlich 28 Punkte und Platz zehn.

Den 15. und damit letzten Platz 2014 teilten sich mit jeweils zehn Punkten die Starter aus Brandenburg und Sachsen. Für Brandenburg ging Kitty Kat mit "Hochhaus" ins Rennen. Das Highlight der Performance war aber eher Moderator Stefan Raab. Nach dem Song von Kitty Kat kletterte er auf das Baugerüst, auf dem sie ihre Performance als Symbol für das besungene Hochhaus gegeben hatte.

Wenig Strahlkraft hatte auch der sehr ruhige Song von Sebastian Hackel für Sachsen, der mit seinen Dreadlocks vom Look her eher aussieht wie ein Reggaesänger. Er bekam seine zehn Punkte ausschließlich vom eigenen Bundesland Sachsen.

Ein alter Bekannter und die große Überraschung

Der fünfte Starter des Abends war Max Mutzke für Baden-Württemberg. Er besang das Beziehungsdrama "Charlotte" in einem energiegeladenen Funk-Soul-Song und erhielt dafür etwas überraschend nur 58 Punkte und landete auf Platz sieben.

Den optisch farbenprächtigsten Auftritt legt die Band Duerer für Thüringen hin: Sie färbten sich extra für den Bundesvision Song Contest ihre Haare. Das half ihnen aber auch nicht viel weiter, denn mit "Was gestern war" ergattern sie nur 25 Punkte und damit Platz elf.

Überraschend schlecht schnitt dann das Saarland ab. Der letztjährige Act DCVDNS, der 2013 solo den fünften Platz erreicht hatte, trat diesmal wieder an, allerdings gemeinsam mit seinen Kollegen in der Gruppe Inglebirds. 2014 scheint nicht das Jahr des HipHop zu sein, denn deren Rap-Song "Getti" erhielt nur zwölf Punkte und endete auf dem vorletzten Platz 14.

Das komplette Gegenteil der Überraschung gelang dagegen Teesy für Sachsen-Anhalt. Sein gefühlvoller Song "Keine Rosen" erhielt sensationelle 102 Punkte. Damit sprang Teesy aufs Treppchen auf Platz drei und ließ einige bekanntere Acts hinter sich.

Das geballte Mittelfeld

Die nächsten vier Acts tummelten sich am Ende alle im Mittelfeld des Wettbewerbs. Den Anfang machten OK Kid für Hessen mit "Unterwasserliebe". Sie ersangen sich 33 Punkte für Platz neun. Auf Platz 13 mit 15 Punkten landet Sierra Kidd für Niedersachsen mit "20.000 Rosen".

Sierra Kidd war in diesem Jahr der einzige echte Internetstar, der vor allem über Youtube bekannt geworden ist, nachdem 2013 gleich drei der 16 Acts beim BuViSoCo ihre Karriere auf diesem Weg gestartet hatten.

Platz acht war das Endergebnis für Maxim aus Nordrhein-Westfalen. Für den Gesangspoeten mit "Alles versucht" gab es 46 Punkte. Das obere Mittelfeld führte Tonbandgerät für Schleswig-Holstein an. Sie belegen im Endergebnis Platz fünf und holen mit 87 Punkten den höchsten zweistelligen Wert.

Zwei Gewinner und eine Bauchlandung

Hoch gehandelt wurden schon vor dem Wettbewerb Jupiter Jones und Marteria. Beide wurden am Ende dieser Rolle weitestgehend gerecht. Jupiter Jones scheint die einzige Band aus Rheinland-Pfalz zu sein, die wirklich für gute Egebnisse sorgen kann.

Schon 2011 holten sie mit Platz sechs das beste Ergebnis und diesmal steigerten sie sich sogar auf Platz zwei. Ihr Song "Plötzlich hält die Welt an" holte 124 Punkte und war der einzige Titel, der halbwegs mit dem Sieger mithalten konnte.

Marteria für Mecklenburg-Vorpommern landet am Ende auf dem oft als undankbar beschriebenen vierten Platz mit "Mein Rostock". Er verpasste mit 101 Punkten den Platz drei von Teesy nur um einen Punkt. Seine frühere Duettpartnerin Miss Platnum vom Song "Lila Wolken" erlebte dagegen einen unerwarteten Absturz. Für Berlin trat sie mit "Hüftgold Berlin" an, holte damit aber nur 16 Punkte für Platz zwölf.

Die Abräumer des Abends

Selten passte die Dramaturgie eines Abends so gut wie 2014. Die letzte Band im Wettbewerb war Revolverheld für das Bundesland Bremen. Die ließen es dann richtig krachen. An Schnüren aufgehängt wie Puppen starteten sie die Performance des Siegertitels "Lass uns Gehen".

Später schnitten einige Ladys mit übergroßen Scheren die Jungs los und die nutzen die Freiheit, um die Party direkt ins Publikum zu tragen. Der Song ist mitreißend, traf perfekt die Stimmung des Events und nistet sich wie ein Ohrwurm direkt im Gehör und und im Herz ein.

Die Folge war ein unangefochtener Start-Ziel-Sieg mit dem neuen Rekord von 180 Punkten. Die vorherige Bestmarke hielt Peter Fox mit 174 Punkten für seine Performance von "Schwarz zu Blau" 2009. Wie dominant der Sieg war, zeigt allein die Tatsache, dass zehn Bundesländer ihre zwölf Punkte an Revolverheld gaben und damit neun Bundesländer diesen Song ihrem eigenen Vertreter vorzogen.

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