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Clean Bandit (live beim SWR3 New Pop Festival, 2014) © Joy Dana Görig

Der Freitag war wie fast jeder Sommertag 2014 geprägt von Dauerregen und nicht wirklich angenehmen Temperaturen. Während die Zuschauer bei den Shows draußen und beim Locationwechsel ordentlich nass wurden, bedienen drinnen die Acts Fans aller Stilrichtungen.

Neben den großen Live-Konzerten in den drei Locations Festspielhaus, Kurhaus und Theater gibt es auch draußen jede Menge Action. Zusätzlich zu den freien Konzerten und den Live-Übertragungen der Hauptkonzerte finden auch täglich mehrere Star Talks statt. Am Freitag startet der Tag mit einem Gespräch von Pierre M. Krause mit Grace Chatto, Gründungsmitglied und kreativer Kopf von Clean Bandit.

Clean Bandit im Star Talk

Grace beschreibt die Konzertauftritte von Clean Bandit so, dass jedes Konzert ein einzigartiges Erlebnis ist, weil die Sänger permanent wechseln. Allein für das Debütalbum "New Eyes" haben 12 verschiedene Künstler den Gesangspart übernommen.

Auf Baden-Baden angesprochen landet das Gespräch schließlich bei Musikern, die schon dort gewesen waren wie etwa der Russe Peter Tschaikowsky, der für Grace mit ihrer klassischen Ausbildung als Cellistin eine Inspiration sei. Die Antwort von Pierre M. Krause dazu lautet nur: "Every Russian was here" und erntet schallendes Gelächter. Am Ende spielen die vier Musikerinnen, die in Baden-Baden am Abend im Festspielhaus auftreten, noch für die Zuschauer als Kostprobe live die Songs "Rather Be" und "Come Over".

Das Highlightkonzert von Clean Bandit 

Bei keinem anderen Konzert gehen die Zuschauer schon beim Einmarsch der Band so ab wie bei Clean Bandit. Im Festspielhaus stehen fast alle Zuschauer und klatschen sich die Seele aus dem Leib. Mit ihren Elektrobeats heizen Clean Bandit die Stimmung gleich noch weiter hoch, dazwischen fließen aber auch immer wieder andere Stilrichtungen ein. Sie mixen karibische Klänge mit einem Streichersolo, dann wieder ertönen Synthesizer wie aus den 1980er Jahren. Clean Bandit präsentieren Pop modernster Prägung, völlig frei von stilistischen Grenzen.

So werden die Oberränge zur Tanzfläche für alle Altersgruppen. Der Sound stimmt vom ersten bis zum letzten Song und stimmlich ist das Konzert perfekt. Mit ihrer aktuellen Single "Come Over" bringen sie auch für kurze Zeit die Sonne in den trüben deutschen Sommer zurück. Dazu reizen sie die Akustik im Festspielhaus voll aus. Vorne vollführt eine Sängerin ballettartige Tanzbewegungen zur Geigenmusik, im nächsten Moment geben sie wieder Vollgas mit den Beats.

Es ist ein klares Konzept zu erkennen. Zuerst heizen sie die Zuschauer mit gefühlvollen Gesangseinlagen oder Soli emotional auf, um diese angestauten Emotionen dann mit Vollgassound und Hammerbeats explodieren zu lassen. Als Zugabe lassen sie es zuerst mit einem alten Cover-Hit aus den 1990er Jahren richtig krachen. Mit "Show Me Love" von Robin S. hauchen sie einem alten Dance-Klassiker wieder frisches Leben ein. Zum Schluss gibt es als Krönung natürlich den Nummer 1 Hit "Rather Be" und so sorgen Clean Bandit noch einmal für ein kollektives Ausflippen im ganzen Saal. Dieses Konzert in dieser Perfektion war das bisherige Highlight des 20. SWR3 New Pop Festivals.

Partytime mit Nico & Vinz

Die Partyboys Nico & Vinz aus Oslo haben sich auch ohne Album eine große Fangemeinde bei den vornehmlich jungen, weiblichen Fans erarbeitet. Anders ist der Lärmpegel für die Jungs während der Show kaum zu erklären. Mit geschmeidigen Dance-Moves sorgen sie für ordentlich Alarm im Publikum. Ihren Sound haben sie aber aufgepeppt durch Soundelemente einer anderen Band. Denn das unterschwellige "Running, Running" kommt jedem Zuhörer sofort bekannt vor, der schon mal "Let's Get It Started" von den Black Eyed Peas gehört hat. Wenigstens klauen sie bei den Großmeistern der Partymusik.

Zur Megaperformance entwickelt sich "Homeless", ein Song über Afrika. Vinz spielt dazu Mundharmonika und schließlich gehen beide in ein Dance-Battle ohne "Sieger", das Nico aber laut Lärmpegel der Teenie-Girls klar gewinnt. Am Ende klemmt sich Nico noch eine Trommel zwischen die Beine und heizt mit den Trommelschlägen den Fans ein.    

Beim letzten Song stehen Nico & Vinz mit dem Rücken zum Publikum, drehen sich um, der erste Takt ertönt und der Innenraum flippt aus. Der große Hit "Am I Wrong" heizt nochmal richtig ein. Inwieweit dieses Feuer anhält, wird die Zukunft zeigen. Das Debütalbum erscheint am 7. Oktober. Ob Nico & Vinz nur ein One Hit Wonder sind oder ob sie sich etablieren können, ist noch ungewiss. Aber um sich zu etablieren, brauchen sie musikalisch definitiv noch mehr Substanz, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Im Moment werden sie vor allem von den Teenie-Girls getragen.

George Ezra, ein Konzert mit Fragezeichen

Über den Auftritt von George Ezra zu berichten ist einigermaßen schwierig. Denn hier wird die kleine Location im Theater zum kaum lösbaren Problem. Die Sitzplätze sind limitiert, die Logen für SWR-Mitarbeiter und Sponsoren reserviert und die Zahl der ausgegebenen Tickets ist unter diesen Umständen viel zu hoch. So ergibt sich daraus, dass viele Zuschauer stehen müssen und selbst dafür reicht der Platz nicht so aus, um die Bühne wirklich sehen zu können. So wird dieses Konzert mehr ein Hörerlebnis.

Am Anfang präsentiert George Ezra einen sehr entspannten Sound. Mit seiner tiefen, ruhigen Stimme spielt er seine Songs, während seine Finger über die Gitarre fliegen. Zwischendrin sorgt er immer wieder mit kleineren Anekdoten für Lacher im Publikum. Zum ESC empfiehlt er dringend Alkohol und er erzählt, wie aus einer Reise mit Interrail der Song "Barcelona" entstanden ist. Musikalisch ist das gut, bietet aber zunächst wenige Überraschungen.

So vergehen die ersten 45 Minuten, bis er erstmals ein wenig den Rocker von der Leine lässt und andeutet, wozu er wirklich fähig ist. Mit seinem Hit "Budapest" beendet er den Hauptblock, aber das eigentliche Highlight dieses Auftritts folgt in der Zugabe. Bei "Did You Hear The Rain?" liefert er stimmlich die eindrucksvollste Leistung ab und dreht endlich voll auf. Da stellt sich nur eine Frage: Warum gibt George Ezra nicht gleich so Vollgas, warum hält er sich derart zurück? Damit verschenkt er definitiv viele Möglichkeiten. Schade. 

Family Of The Year, das Konzert für die Jungs

Wieder zurück im Kurhaus steht mit Family Of The Year nun ein völlig anderes Programm an als bei Nico & Vinz. Das zeigt sich direkt bei den Zuschauern. Denn jetzt geben nicht mehr die Teenie-Girls Vollgas, sondern jetzt machen die Jungs ab 20 aufwärts richtig Alarm. Hier zeigt sich die große Stärke des SWR3 New Pop Festivals. Das vielfältige Programm bietet reichlich Abwechslung und alle Fans kommen auf ihre Kosten.

Stimmgewaltig und mit harten Gitarrenriffs präsentieren sie echten, puren Indie-Rock. Animation braucht das Publikum nicht. Die Band spielt mit purer Lust und Leidenschaft, die sich einfach so aufs Publikum überträgt. Der Auftritt ist insgesamt deutlich lebhafter und energiegeladener als der Auftritt auf ihrer Solotour Anfang des Jahres.

Während dem Konzert kündigen sie schon an, dass sie kurz vor dem Ende der Tour stehen und danach nach Los Angeles zurückkehren, um das neue Album zu vollenden. Zum Abschluss des Hauptblocks folgt natürlich der große Hit "Hero". Hier flippen die Zuschauer schon beim ersten Takt aus und dies steigert sich, als Sänger und Gitarrist Joseph Keefe am Ende den Refrain noch einmal leise mitspielt und dabei nur das Publikum singen lässt. In der Zugabe performen dann die beiden Brüder, Sänger Joseph Keefe und sein Bruder, Schlagzeuger Sebastian Keefe, gemeinsam den Song "Summergirl" unplugged, bevor am Ende auch Keyboarderin Christina Schroeter ihre Sangeskunst zeigen darf.

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