Schlossfest Mannheim (Pressefoto, 2014)

Schlossfest Mannheim (Pressefoto, 2014) © Pressestelle Universität Mannheim

Bei angenehmen sommerlichen Temperaturen und wolkenlosem Himmel bot das Mannheimer Schlossfest ein vollgepacktes Programm, dass vor allem abseits der großen Bühnen seine Facetten aufzeigte – und ein Feuerwerk gab's erstmals auch zu bestaunen.

Was gibt es Schöneres, als den Beginn des Herbstsemesters mit einer dicken Party einzuläuten? Richtig, nichts! Und weil das so ist, strömen auch dieses Jahr wieder zehntausende Besucher zum Mannheimer Schlossfest; unter ihnen Eltern, Dozenten, Professoren und natürlich viele, viele Studenten. Ob Ehemalige, Erstis oder Höhersemestrige: das Schlossfest ist ein Ort der Zusammenkunft.

Über zwanzig Locations, auf dem gesamten Campus verteilt, sollen den Drang nach Unterhaltung stillen. Von Ausstellungen, Workshops, Comedy bis hin zu Konzerten gibt es eine Menge zu sehen und zu hören. Und die Zuschauer strömten in Massen.

Slam-Schlachten im Hörsaal

Großer Andrang herrscht bereits am frühen Abend beim AStA-Poetry Slam, der von Jahr zu Jahr beliebter wird. Schon zu Beginn sind alle Plätze des großen Hörsaals in SO 108 besetzt und die Schlange der Wartenden will kein Ende nehmen. Insgesamt zehn Poeten treten gegeneinander an und slammen um die Gunst der Zuhörer. Der Sieger der jeweiligen Runde wird anhand der Lautstärke des Applauses ermittelt, stilecht mit einer Mess-App natürlich.

So gemischt wie das Alter und der Erfahrungslevel der Slammer sind auch die selbst gewählten Themen, die sie in ihren Vorträgen verarbeiten. Grenzen gibt es keine und gerade das macht einen Poetry Slam interessant. Derbe Geschichten über Spitztouren auf der Reeperbahn, wilde Partynächte und Hasstiraden gegen den Dartsport – "Wäre der Dartsport ein Essen, er wäre die Suppe aus der Mensa" – gehen einher mit kitschigen Liebesgedichten und tiefgründigen Daseinsfragen.

Nicht ohne Grund wollen sich die Besucher dieses Wort-Spektakel nicht entgehen lassen. Kleiner Hinweis an alle Nachwuchs-Slammer: mit dem Thema "Mathetest" macht ihr euch keine Freunde!

Humor so schwarz wie die Nacht

Bis Mitternacht läuft parallel zum sonstigen Geschehen auch das Programm in der Aula, welches vom Capitol Mannheim präsentiert wird und Auftritte verschiedener Comedians beinhaltet. Johnny Armstrong ist einer davon, der mit seinem tiefschwarzen Humor für einige Lacher sorgt und in seinem Programm Einblicke in sein Leben gibt.

"Hast du Kinder? Ja, ich hasse Kinder!" Der bärtige Brite nimmt kein Blatt vor den Mund: "Ich bin weder kinderfreundlich noch erwachsenenfreundlich. Ich bin einfach nur unfreundlich!". Ein sehr sympathischer Zeitgenosse, dieser Armstrong.

Hier spielt die Musik

Zu einem großen Fest gehört auch die passende musikalische Untermalung, wobei Untermalung genau der richtige Begriff ist, um den Großteil der Konzerte zu beschreiben. Zwar ist die Hauptbühne im Ehrenhof nicht gerade klein und die Location an sich für jeden Künstler, der hier spielen darf, ein Erlebnis, doch Stimmung kommt dennoch keine auf.

Viele vom ständigen Rumlaufen erschöpfte Besucher erholen sich auf den Stühlen und lassen sich von vember aus Berlin mit revolverheldschen Soft-Pop-Nummern berieseln. Auch der nachfolgende Act Joris – "wie Boris nur mit J" – hat es nicht leicht. Für ihn ist es ein "riesiges Emotionsfest", doch bei dem leisen Bühnensound halten sich die Emotionen der Zuhörer eher in Grenzen. Wie kann man nur eine Band so leise abmischen?!

Pauken und Raketen

Dabei wird Joris von einer hervorrangenden Band begleitet und präsentiert traumhafte Balladen wie "Im Schneckenhaus". Mit seiner kratzigen Stimme erinnert der Pop-Poet stark an eine softe Version von Maxim. In Anbetracht der "Lautstärke" schlägt sich Joris und Band dennoch ganz gut und wer sich zu dem Zeitpunkt im Ehrenhof befindet, kann das anschließende Feuerwerk bestaunen.

Beim Mumuvitch Disko Orkestar kommt dann auch vor der Schlossbühne echtes Konzertfeeling auf. Die Mannheimer Combo mischt Balkan Beats mit Jazzpunk-Anleihen und Hip-Hop-Elementen und macht ihrem Namen alle Ehre. So lässt es sich das Orkestar auch nicht nehmen, mitsamt Instrumenten einen Abstecher ins Publikum zu unternehmen, das mittlerweile von den Stühlen aufgestanden ist. 

Newcomer mitten im EO

Auch in diesem Jahr bietet die Popförderung Mannheim in Kooperation mit DASDING vier Newcomerbands eine Bühne im EO Café unter dem Namen: Mannheim mitten in der Nacht. Der Besucherdurchlauf ist bei den Auftritten von A Damn Eve, Hot Sushi Club, Laura Carbone und The Munitors besonders hoch. Ein regelrechtes Laufpublikum gilt es hier zu überzeugen.

A Damn Eve waren bis vor kurzem als The Wipes bekannt und gewannen als solche den Newcomerwettbewerb Rhein-Neckar. Gerade zu Beginn ihres Gigs ist der Sound noch sehr schrill und gewöhnungsbedürftig, aber mit zunehmender Dauer gewinnt die Band an Souveränität.

Indie-Rock zum Mitgehen

Hot Sushi Club aus Heidelberg spielen kraftvollen Indie-Rock und damit gelingt es ihnen, das EO ordentlich zu füllen. Kein Wunder hat die Band seit ihren Anfängen deutlich an Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke hinzugewonnen. Ihr waviger Sound zieht in der hektischen Betriebsamkeit des Schlossfests die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich.

Anschließend bringt Laura Carbone mit punkigem Alternative-Rock und dreckig-kraftvollem Gesang die Köpfe zum Nicken und Füße zum Wippen. Der Deine Jugend-Frontfrau ist ihre Bühnenerfahrung deutlich anzumerken, aber nicht nur sie überzeugt, auch ihre Band erweist sich als hervorragend eingespielte Einheit. Ebenfalls überzeugend ist das Songwriting: Carbones Lieder besitzen eine Eigenständigkeit, die man bei vielen jungen Bands vergeblich sucht.

Überraschungsgast aus Hessen

Der Überraschungsact des Abends kommt aber aus Hessen: The Munitors spielen tanzbaren und eingängigen Indie-Brit-Rock der Marke Abby, Bloc Party oder We Are Scientists und liefern eine astreine Show im EO ab. Der treibende Beat geht sofort ins Bein und die Stimmfarbe vonJulien Mauska passt wie die Faust aufs Auge zu diesem Genre.

Der einzige Wermutstropfen, den man hier anmerken könnte, wäre: vor allem global gesehen – aber auch national – klingen eine Menge Bands wie The Munitors. Dennoch sind die Hessen ein absolutes Highlight am heutigen Abend und als einer der letzten Acts ein großartiger Abschluss für das Schlossfest 2014.

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