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Jupiter Jones (live bei Das Fest, 2014) © Achim Casper

Mit neuem Frontmann Sven Lauer schlagen Jupiter Jones ein neues Kapitel in ihrer Bandhistorie auf. Doch wie schlägt sich "der Neue" live vor Publikum? Wie werden die zum Teil mehrere Jahre alten Songs mit neuer Stimme klingen? Die Antwort gab es beim Da Capo Festival in Alzey.

Es war ein Schock, nicht nur für die Fans: Nicholas Müller verlässt aufgrund einer Angststörung Jupiter Jones. "Still" sollte es dennoch nicht werden. Anstatt alle anstehenden Auftritte abzusagen und die Band aufzulösen, entschied man sich für den Weg nach vorne – für die Fans, für sich selbst und auch für Nicholas.

Wie die Faust auf's Auge

In Alzey sorgen zuvor Die Felsen aus Ludwigshafen für kollektives Mitwippen und Mitnicken. Unter hunderten von Bands wurden sie über Backstage PRO ausgewählt. Mit ihrer Mischung aus Rock 'n' Roll, Blues und Jazz-Elementen passen die fünf Jungs optimal zum Hauptact.

Die Felsen sind mittlerweile ein eingespieltes Team und vor allem spielerisch auf einem hohen Niveau angekommen. "Es ist schön, hier in Alzey zu sein, wo die Welt noch in Ordnung ist". Frontmann Tim weiß, wie man die Herzen der Alzeyer gewinnt.

Alte Songs, neue Stimme

Das Intro ertönt, die großen, dekorativen Messinglampen im Bühnenhintergrund blinken auf und Jupiter Jones eröffnen ihr Set mit "4-9-6 Millionen". Natürlich ist es ein komisches Gefühl, Klassiker der Band wie "Das Jahr, in dem ich schlief", "Auf das Leben" oder "Eine Landjugend" sowie neuere Songs wie "Still" und "Immerfürimmer" von einem neuen Sänger zu hören. 

Für die alteingesessenen Fans der Band klingt das vertraut und trotzdem ungewohnt. Sven Lauer ist sicherlich kein schlechter Sänger und ein ordentlicher Frontmann-Ersatz. Bei den punkigeren Stücken fehlt ihm allerdings etwas die Kraft – und die Reibeisenstimme eines Nicholas Müller. Wer die Originale nicht kennt, wird davon aber nichts merken.

Immer in Bewegung

Wie man mit einem größeren Publikum umgeht, hat Lauer jedoch schon drauf. Für die Zuschauer gibt es keine Verschnaufspausen. "Habt ihr Lust auf ein wenig Gymnastik!?", fragt der Frontmann. Aus der Animationskiste ist bei Jupiter Jones heute alles dabei: Scheibenwischer, Faust in den Himmel strecken, im Takt mitklatschen, Chorpassagen und ganze Refrains mitsingen oder aus der Hocke in die Luft springen. "Ich zähl bis vier und dann will ich ne Runde Massenpogo sehen!". Da packen sogar die älteren Herren ihre Dance moves wieder aus.

Auch Lauer selbst ist ziemlich agil unterwegs. Er rennt von links nach rechts, springt herum, stürmt an den Bühnenrand und steht dabei in ständigem Blickkontakt mit seinem Publikum. Während der Zugabe "Immerfürimmer" klettert er sogar die seitliche Traverse hoch. Bei Jupiter Jones ist Bewegung drin!

Crowdsurfen...oder so ähnlich

Für durstige Licht- und Tonmenschen hat die Band auch ein Mittel gefunden. Ein Mädchen aus der ersten Reihe darf mit einem Becher Bier in der Hand über die Crowd bis zum FOH surfen. So die Theorie. Nur anpacken will irgendwie keiner. Aus dem Crowdsurfing wird Crowdcarrying. Ein sehr lustiger Anblick. Wir sind eben nicht bei Rock am Ring. Der Lichtmensch hat letztlich dennoch sein Bier bekommen. Bei "Weitergehen" nimmt Lauer das Wort crowdsurfen wörtlich, schnappt sich ein Surfbrett und lässt sich von der Menge tragen. Es geht also doch!

So viel Motivation und Publikumsnähe wird natürlich dementsprechend mit großem Applaus belohnt. Jupiter Jones haben trotz der Zweifel genau die richtige Entscheidung getroffen. Das neue Kapitel kann beginnen – wenn man sich auf die neue Stimme einlassen kann. Aber neuer Frontmann hin oder her: Starke Songs bleiben starke Songs.

Setlist

4-9-6 Millionen | Kopf hoch & Arsch in den Sattel | Das Jahr, in dem ich schlief | Eine Landjugend | Rennen + Stolpern | Auf das Leben | Treppenwitz | Wir sind ja schliesslich nicht Metallica | Still | Alter Mann, wo willst du hin | Komm bloss nicht nach Bad Bentheim | Weitergehen

Zugabe: Hey! Menetekel | Immerfürimmer

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