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Jan Delay & Disko No. 1 (live beim Rock'n'Heim, 2014) © Achim Casper

Viele Acts präsentierten sich am Samstag bei Rock'n'Heim in guter Verfassung, aber wirklich großartige Stimmung wollte dennoch nur zeitweise aufkommen. Für das große Finale ist noch Luft nach oben!

Okay, ganz trocken ist es wieder nicht, aber die Wettertendenz bei Rock'n'Heim geht am Samstag klar in die richtige Richtung. Trotzdem dauert es bis zum Nachmittag, bis sich das Areal auf dem Ring wieder gefüllt hat. Manche Fans stören sich an dem Geruch von dem Rindenmulch, den die Veranstalter in die Schlammlöcher vom Vortag geschüttet haben. Aber das Gros der Rock'n'Heim-Besucher geht den Tag ganz entspannt an. Zum Auftakt lassen Architects die Gitarren mächtig krachen.

Die Broilers als Frühstücksgäste

"Ich weiß, es ist Samstagmorgen. Die meisten sind wahrscheinlich gerade erst aufgestanden", bemerkt Broilers-Frontmann Sammy Amara. Wohlgemerkt ist schon der späte Nachmittag angebrochen. Bei der zweitgrößten Punkband aus Düsseldorf hat sich der Platz vor der Evolution-Stage merklich gefüllt.

Die Mischung aus Punk, Ska, Soul und Rock, die das neue Album "Noir" prägt, scheint perfekt für ein Festival wie dieses konzipiert und kommt bei dem Publikum sehr gut an. Dem Aufruf, den Menschen, den man am liebsten hat, auf die Schulter zu nehmen, kommen trotzdem nur wenige nach.

Verhaltene Stimmung

Überhaupt hat es den Anschein, dass die Stimmung insgesamt verhalten bleibt. Vor der Bühne herrscht zwar die übliche Ausgelassenheit, doch schon im mittleren Bereich gibt man sich entspannt, gelassen aber auch ein wenig gelangweilt. Sind die Rock'n'Heimer an Tag zwei schon erschöpft? Oder liegt es daran, dass am Haupttag des Festivals bis nach 19 Uhr nur auf der großen Evolution Stage Programm läuft und es in den Umbauphasen keine Alternative gibt?

Korn steigen mit ihrem 1999er Hit "Falling away from me" in ein gutes Set ein, der Sound ist brachial und die Dynamik, die den Songs der Band zueigen sind, kann sich gut entfalten. Mit der Rückkehr von Gitarrist Brian "Head" Welch, der die Band zwischenzeitlich verlassen hatte, gelingt es Korn wieder ihren ursprünglichen Sound so auf die Bühne zu bringen, wie die Fans es sich wünschen. Die Kracher "Freak On A Leash" und "Blind" beenden ihr Set.

Großer Andrang bei Alligatoah

Parallel dazu eröffnet Sierra Kidd die Revolution Stage am heutigen Festivaltag, so dass die Besucher ab dem frühen Abend auch eine Auswahl haben. Leider kann sowohl der ostfriesische Jung-Hip-Hopper als auch die emotionslose Electronics-Show von Skrillex nicht wirklich überzeugen.

Den Durchstarter Alligatoah wollen allerdings so viele Leute sehen wie keinen anderen Act am Samstag vor der Revolution Stage. Selbst später bei Jan Delay werden weniger Besucher anwesend sein. Vielleicht liegt es daran, dass der Rapper mit der großen Klappe endlich eine Band hat und diese natürlich zu Beginn angemessen vorstellt: "Applaus für eine Dusche, einen Suppentopf und Bilder von mir!" Butler Boi Basti darf natürlich auch nicht fehlen. Wer soll dem werten Herr Alligatoah sonst die Getränke servieren?

Zedd: beeindruckende Elektro-Show

Im Anschluss verwandelt Zedd den Platz vor der Revolution Stage in einen riesigen Club. Der Kaiserslautener DJ, der mittlerweile Songs für Lady Gaga, Black Eyed Peas oder Justin Bieber – ja, wirklich – schreibt und produziert, fährt eine dermaßen beeindruckende Elektro/House-Show ab, dass man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt.

Natürlich sind die einzelnen Songs strukturell, harmonisch und melodisch berechenbar. Zedd steigert immer auf dieselbe Art und Weise, ist dennoch durch die dreidimensionalen Visuals, die Feuer- und Nebelsäulen und die perfekt einprogrammierte Licht- und Lasershow eines der Highlights an dem ansonsten relativ highlightarmen Festivalsamstag.

Grooviges mit Jan Delay

Den Abschluss bilden Jan Delay mit seiner Disco No.1. Der Hamburger mit der näselnden Stimme hat sich für sein aktuelles Album "Hammer & Michel" die Rockmusik vor die Brust genommen und diesen Ausflug mehr oder weniger erfolgreich umgesetzt. Nach wie vor ist seine Band absolute Spitzenklasse, keine Frage. Aber reicht es, auf der Basis der funkigen Alben zuvor, die Bläser durch Gitarren zu ersetzen, um eine Rockplatte zu produzieren?

Sicherlich nicht!  Von daher bleibt die Show von Jan Delay und Band altbewährt – genauso wie seine Ansagen ("Gib mir ein Disko"). Bei Songs wie "Liebe" oder "Action" steht nach wie vor der Groove im Vordergrund. Und den beherrscht die Disko No.1 samt Chefstyler Jan Delay. Somit fügen sich auch die älteren Nummern wie "Klar", "Feuer" und "Oh Jonny" problemlos in die Setliste ein. Für zwei Zugabenblöcke kehren Jan Delay und Band nochmals zurück, auch wenn sich die Zugabenrufe eher in Grenzen halten.

Auf zum Sonntag!

Dem Tausendsassa aus Hamburg und seiner exzellenten Band Disko No.1 ist da kein Vorwurf zu machen: Sie geben alles – das Problem scheint eher an der mauen Stimmung und in der nicht durchweg gelungenen Auswahl der Acts an diesem Abend zu liegen. Der zweite Tag des Festivals bleibt hinter den Erwartungen jedenfalls zurück. Für das große Finale ist noch einiges an Luft nach oben! Da sind wir mit Deichkind und Co. aber zuversichtlich.

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