Nach dem Opening durch Siggi Schwarz & Friends und die deutsche Power-Metal-Band Edguy betritt gegen 19.15 Uhr mit Billy Idol der erste der beiden Headliner des Abends die Bühne. Die rund 10.000 Besucher beim Hessentag in Bensheim stehen in freudiger Erwartung und sogar an die kleinsten Besucher in der Open Air Arena wird gedacht. Die Security versorgt einige Kids mit leeren Kisten, damit sie sich draufstellen können, um über die Absperrungen und größeren Erwachsenen sehen zu können.

Billy Idol erscheint und sofort gehen zahlreiche Hände klatschend in die Luft. Schon beim ersten Song "Postcards From The Past" wird das Zusammenspiel von Billy Idol mit seinem Leadgitarristen Steve Stevens erkennbar. Denn als Stevens zum ersten Gitarrensolo ansetzt, rennt Billy Idol sofort zu ihm, um ihn mit seinen Bewegungen zu pushen.

Fanverehrung

Im Publikum werden zahlreiche Plakate hoch gehalten. Die Verehrung für Billy Idol zeigen Texte wie "Billy My Religion". Aber auch er ist aufmerksam und grüßt die Fans, die weiter hinten stehen: "I see you".

Nach "Cradle Love" wird es wild. Denn Steve Stevens zeigt alle Seiten eines echten Rockstars. Neben der Zigarette im Mund spielt er die Gitarre hinter dem Kopf zu "Dancing With Myself". Dann vollzieht Billy Idol den ersten "Striptease" des Abends. Er zieht Lederjacke und Shirt aus, die ärmellose Weste wieder an und peitscht mit nackten Armen das Publikum in "Flesh For Fantasy". Das ist gar nicht nötig, denn diese Zeile wird von den Fans enthusiastisch zelebriert.

Die sanfte Seite von Billy Idol

Als Billy Idol ganz ohne krachende Gitarren selbst zur Akustikgitarre greift und beginnt, die Geschichte von "Ed aus Latvia" zu erzählen, ist das der Auftakt zum emotionalsten Teil seines Konzerts. Es ist das Intro zu seinem Welthit "Sweet Sixteen". So entfaltet er ganz allein eine atemberaubende Gänsehautatmosphäre, einzig erzeugt durch pure Stimmwirkung.

Die raue Stimme durchdringt den ganzen Körper jedes Zuhörers. Erst ganz am Ende treten seine drei Gitarristen zu ihm nach vorne und die vier Gitarren bringen diesen Song gemeinsam zu einem grandiosen Finale, welches mit frenetischem Applaus gefeiert wird.

Das Gitarrensolo von Steve Stevens

Zwischendurch verschwinden Billy Idol und die anderen Musiker. Sie überlassen die Bühne dem grandiosen Gitarristen Steve Stevens, der jetzt zeigt, was er aus seiner Gitarre alles rausholen kann. Mit kleineren Solos, die immer von Riesenapplaus unterbrochen werden, startet er eine Show, die zuerst eine Art Flamenco-Sound erzeugt und später in ein gewaltiges Feuerwerk der Riffs übergeht.

Rebel Yell

Gegen Ende des Hauptteils fragt Billy Idol sein Publikum: "Do You Have A Good Time?" Oh Yeah hallt es von unten - "Do You Wanna Feel Better?" Yeah - "With Rebel Yell?" Der Kultsong ist Programm, den Text singen alle mit und es bleibt beim Hin und Her zwischen Billy Idol und den Fans. Er frägt: "Do You Feel Alright?" - Sie antworten: "We Feel Alright!" und im krachenden Gewitter der Gitarren endet der Hauptblock im tosenden Beifall.

Ein Dank an Deutschland

Bevor Billy Idol sein wirklich herausragendes Konzert mit "White Wedding" und "Mony Mony" beendet, bedankt er sich auf seine Art mit den Worten: "Germany, Thank You To Make My Life So Fucking Great!" Er lässt es nochmal richtig krachen und hinterlässt begeisterte Fans, die später noch eine unerwartete Zugabe erhalten werden.

Im zweiten Teil: Bryan Adams holt sich Untersützung auf die Bühne, kann aber trotzdem nicht ganz überzeugen.

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Bryan Adams

Nach Billy Idol folgt der zweite Headliner des Abends. Von der vorherigen Show noch elektrisiert feiert das Publikum auch den Auftritt von Bryan Adams. Mit krachendem Gitarrenrock eröffnet er seine Show auf dem Hessentag 2014 mit "Run To You". Dieser Sound ist weniger akzentuiert als bei Billy Idol, dafür ist er noch geradliniger und dynamischer.

Auch Bryan Adams begrüßt seine Fans: "Guten Abend, meine Damen und Herren", bevor er sie mit "Kids Wanna Rock" sofort mitnimmt und zu enthusiastischen Wiederholungen des Refrains antreibt.

Unerwartete (alte) Bekannte

Zum Cover des Hits "C'mon Everybody" holt er sich noch einmal Billy Idol und Steve Stevens auf die Bühne. Gemeinsam rocken sie sich dann zum Highlight dieser Show, denn dieser Song ragt aus dem sonst eher glattgebügelten Programm deutlich heraus. Es ist die Lust zur Improvisation, die hier deutlich spürbar wird. Die röhrende Stimme von Bryan Adams gepaart mit der druchdringenden Kraft von Billy Idol und den Gitarren, die hier so vielseitig klingen wie an keiner anderen Stelle, lassen das sonst eher geteilte Publikum einmal gemeinsam abfeiern. 

Ein Fan als Star

Nach dieser Einlage folgt ein wirklich langer Teil, dem es an echten Highlights leider fehlt. Bryan Adams spult sein Programm ab. Alles professionell, aber es wirkt einstudiert und leidenschaftslos.

Erst als er einen weiblichen Fan als animierende Tänzerin aus dem Publikum holt, wird es wirklich heiß. Denn da beweist er Geschmack. Das Mädchen im grünen Shirt bewegt sich wahrlich atemberaubend sexy, wirft die langen Haare in den Wind und verleiht dem Song "If Ya Wanna Be Bad Ya Gotta Be Good" tatsächlich Erinnerungswert. Was ein Auftritt.

Robin Hood

Die absolute Bühnenpräsenz erreicht Adams tatsächlich immer dann, wenn er sich ohne den harten Sound allein nach vorne stellt. Nur mit Stimme und Gitarre bewaffnet singt er den großen Filmhit "(Everything I Do) I Do It For You". Jetzt trifft er auch die eher neutralen Fans und zeigt eine emotionale Präsenz, die bei vielen Songs vorher leider fehlte.

Dies wiederholt sich später bei "When You're Gone", während er dazwischen wenigstens mit Songs wie "Summer Of 69" halbwegs begeistern kann. Zum Ende spielt er noch "Heaven" und am Ende des Hauptteils "Somebody". Zu diesem Zeitpunkt verlassen bereits ungewöhnlich viele Besucher das Gelände. 

Ein lang(-weilig)es Finale

Irgendwie scheint Bryan Adams nur seine Hardcorefans wirklich zu packen. Viele andere Zuschauer sehen relativ emotionslos zu oder gehen, bevor er immerhin noch vier Songs spielt mit dem Abschlusstitel "All For Love". Seine Fans feiern mit ihm, aber die wenigen nicht einstudierten Teile des Konzerts zeigen, dass hier mehr möglich gewesen wäre.

Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Billy Idol und Bryan Adams. Die Show von Billy Idol war facettenreich, mitreißend und aktzentuiert mit vielen verschiedenen Höhepunkten. Der Sound bei Bryan Adams wirkt oft eintönig gleich und bietet deutlich weniger Variation.

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