NOFX (live beim Southside, 2013)

NOFX (live beim Southside, 2013) © Achim Casper

Nach einem kurzen Abstecher nach Berlin am 1.Mai sollte der Besuch des NOFX-Konzerts im ausverkauften Schlachthof Wiesbaden (was laut Frontmann Fat Mike auf Englisch so viel wie "I don't have a Sandwich" heißt) der krönende Abschluss eines langen Wochenendes werden. Und tatsächlich: Wie zuletzt im Sommer 2010 (damals noch im alten Schlachthof-Gebäude) hat die kalifornische Punk-Legende wieder grinsende Gesichter und schmückende blaue Flecken hinterlassen.

Als Support hatte die Truppe um Fat Mike alte Bekannte eingeladen: die schwedischen Atlas Losing Grip mit dem Satanic Surfers/Venera-Sänger Rodrigo Alfaro und die Label-Kollegen von The Lawrence Arms, die es mittlerweile auch schon über 15 Jahre gibt.

Auch das Publikum war zum Großteil eher reifer, und so konnte man einige Shirt-Motive aus seiner eigenen Jugend an nicht allzu jugendlichen Körpern erblicken: von Good Riddance über Lagwagon bis hin zum unvermeidlichen NOFX "Mons-Tour" (eigentlich darf man das Shirt der Band, die am Abend spielt, nur bei Iron Maiden tragen?).

Jello Biafra macht auf Montagsdemo

Ironischerweise war eine weitere Punk-Legende "nur" dritter Support an diesem Abend: Jello Biafra mit seiner Band The Guantanamo School of Medicine. Biafra (eigentlich Eric Reed Boucher, Jahrgang 1958), ist den Meisten wohl als Sänger der Dead Kennedys und Gründer des legendären Labels Alternative Tentacles (Butthole Surfers, D.O.A., 7 Seconds oder Neurosis) bekannt.

Die Dead Kennedys, gegründet 1978, waren neben Black Flag und den Ramones wohl die wichtigste und wegweisenste amerikanische Punk-Band. Nicht nur wegen ihrer Musik und ihren oft gesellschaftskritischen Texten, sondern auch wegen ihren bahnbrechenden Artworks und Designs. Ohne sie hätte es Bands wie NOFX nie gegeben. Seit der Trennung 1986 ist Biafra mit den übrigen Mitgliedern zerstritten und distanzierte sich bisher auch vehement von versuchten Wiederbelebungsversuchen der Dead Kennedys.

Trotzdem gab auch Biafra heute einige Hits der Dead Kennedys zum ... naja ... sagen wir mal "Besten". Ein Konzertbegleiter brachte es gut auf den Punkt: Biafra wirkte wie eine Mischung aus Dirk Bach und Quentin Tarantino während einer Kabarett-Aufführung. Auch die zahlreichen "politischen" Ansagen wären wohl auf einer verschwörerischen Montags-Demonstration besser aufgehoben gewesen.

Unpeinlich: NOFX

NOFX hingegen kamen zum Glück ganz und gar nicht peinlich, sondern wirklich sympathisch und erheiternd rüber. Angefangen vom zeremoniellen "Hissen" ihres Banners, das im Gegensatz zu den meisten anderen Bands nicht die gesamte Bühne einnahm, bis hin zur spürbaren guten Chemie zwischen den Bandmitgliedern.

Und das nach über 20 Jahren Bandgeschichte, wobei alle drei Gründungsmitglieder immer noch in der Band aktiv sind. Nicht zu vergessen der 1992 zur Band gestoßene Gitarrist El Hefe, der mit seinen ungewöhnlichen Trompeten-Einlagen dafür sorgt, dass NOFX nicht nur irgendeine melodische Punk-Band sind, sondern bis heute abwechslungsreiche und gute Alben veröffentlichen.

Willkommen in "Schwiechbaden"

Viele dumme Witze, Gelaber und Frotzeleien zwischen Fat Mike und dem frisch tätowierten Gitarristen Eric Melvin sorgten für eine heitere und ausgelassene Stimmung im Schlacthof, die sich auch auf das Publikum übertrug.  Man merkte, dass viele in ihrer Jugend die Hits wie "Linoleum" oder "Don’t call me white" lauthals mitsangen - und das auch heute noch gerne tun.

Ein wahrlich gelungenes Konzert in Wiesbaden (das von Fat Mike zwischendurch auch gerne "Scheissbaden", "Schwiechbaden" oder einfach "Berlin" genannt wurde), das uns alle noch einmal wie 16 hat fühlen lassen.

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