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© Christian Kleiner

Schon der Titel verrät feinen englischen Humor. Brillant ist am Leben der Verlierer und Kriminellen in "Brilliant Adventures" nichts. Dafür überzeugt das Stück von Alistair McDowall bei seiner Deutschlandpremiere am Nationaltheater in Mannheim mit glänzenden Schauspielern und jeder Menge Humor.

"Die haben Backsteine nach mir geworfen, Mann!" Unter Einsatz seines Lebens hat Greg sich auf den Weg gemacht zur neuen Wohnung seines Freundes. "Jetzt werden schon Häuser zu Waffen, eyh", klagt der hypernervöse Nerd (von David Müller wahrhaftig zum Leben erweckt). Aber Luke hat kein Mitleid.

Er ist seit kurzem in seine erste eigene Wohnung gezogen und will einfach nur seine Ruhe haben. Doch die lässt ihm weder Greg noch sein großer Bruder Rob, der hier den perfekten Umschlagplatz für seine Drogendeals sieht.

Geballte Ladung Schauspielkunst

Und schon ist man mittendrin in der trostlosen Welt von Greg, Luke und Rob, die im heruntergekommen Teil von Middlesbrough hausen, einer Großstadt in Nordengland. "Brilliant Adventures" heißt der Einakter von Alistair McDowall, der als Deutsche Erstaufführung am Nationaltheater Mannheim in der Regie von Robert Teufel zu sehen ist.

Eineinhalb Stunden lang bekommen die Zuschauer im Studio Werkhaus eine geballte Ladung an Schauspielkunst verpasst – mal roh und kraftvoll, mal ganz zart und liebevoll. Aber immer voller Energie.

Leben im Nirgendwo

Im minimalistischen Bühnenbild von Friederike Meisel wird die Ein-Zimmer-Wohnung von Luke zu einer Mischung aus Garage und Container, abgeladen mitten im Nirgendwo, fahl beleuchtet von einer einsamen Straßenlaterne (Licht: Damian Chmielarz).

Hier wohnt Luke, überzeugend von Martin Aselmann als genialer Versager und stotternder Erfinder einer Zeitmaschine gespielt, der sich verzweifelt von seinem übergroßen Bruder emanzipieren will. Matthias Thömmes ist dieser Rob, der seit er sieben Jahre alt ist, auf den kleineren Luke aufpassen muss, weil der Vater sich in Kneipen die Hucke vollsäuft.

Zurück in die Zukunft

Der Vater ist heute ein heroinsüchtiger Junkie, den der Sohn wie einen Hund an der Leine mit sich führt. Michael Fuchs spielt diesen Lebensverlierer mit überragender Ausdrucksstärke.

Richtig schwierig wird das Leben dieser vier aber erst, als der schmierige und psychopathische Ober-Dealer Ben (Markus Gläser) sein Hauptquartier in die winzige Sozialwohnung verlegen will und dabei die Zeitmaschine entdeckt, mit der er sogleich vielfältige Möglichkeiten für gewinnbringende Verbrechen ersinnt.

Dass etwas wirklich Schlimmes passiert sein muss, weiß Luke, als Luke 2 von morgen (Stephan Weber) über seine Türschwelle stolpert.

Verfremdung im Brechtschen Sinn

Dass "Brilliant Adventures" trotz des Elends nie rührselig wird, sondern durchaus ein Heidenspaß ist, liegt zum einen an dem kompakten Stück, in dem Alistair McDowall (1987 in Nordengland geboren) mit schwarzem Humor zu punkten weiß.

Zum anderen punktet die gelungene Inszenierung von Robert Teufel, der beispielsweise grausame Gewaltakte im Brechtschen Sinne verfremdet: ein Kampf um Leben und Tod wird zur Zeitlupenschlacht von Clone-Kriegern à la Star Wars. "Ich bin verletzt", ruft Greg – und drückt demonstrativ Kunstblut aus einem Beutel auf seinen Unterarm.

Ein Muss für Freunde von britischen Dramatikern wie Sarah Kane, Mark Ravenhill oder David Harrower und Filmen wie "Trainspotting" und "Snatch".

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