Sido (live in Hamburg, 2014)

Sido (live in Hamburg, 2014) © Falk Simon

Sido lässt in der ausverkauften Berliner Columbiahalle nichts anbrennen. Mit der halben Rap-Elite der Nation im Gepäck, tischt der ehemalige Maskenmann in seiner Heimatstadt knapp zwei Stunden lang ordentlich auf.

Schon beim Betreten der restlos ausverkauften Berliner Columbiahalle wird klar: Für sein Heim-Gastspiel hat sich Berlins einstiger Aggro-Rapper Paul Hartmut Würdig alias Sido viel vorgenommen.

Letzter Einsatz auf Erden

Mit einem auf eine riesengroße Leinwand projizierten kinoreifen Film-Intro geht es los. Dort sieht man den Hauptprotagonisten des Abends in den Klauen eines grimmigen Schuldeneintreibers, gespielt von Moritz Bleibtreu.

Das Ende vom Lied: Sido wird erschossen, landet in der Hölle und trifft dort auf den Leibhaftigen, der dem Rapper einen letzten Einsatz auf Erden gewährt – schließlich wartet ja eine rappelvolle Columbiahalle auf den gebürtigen Berliner.

Der Vorhang fällt, die Location kocht

Der Vorhang fällt, die Location kocht. Da steht er nun, auf einem Podest, während die Masse komplett durchdreht: "Höchste Zeit, dass ich mich mal wieder melde", schallt es durch die Boxen. Chapeau. Der Anfang ist gemacht.

Vier Minuten später gesellt sich eine komplette Live-Band hinzu. Bass, Schlagzeug, Piano und zwei gelernte Background-Stimmen: Alles an Bord, was nötig ist, um den klinischen Studio-Vibes echtes Leben einzuhauchen.

Aufregung und Begeisterung

Aufgeregt sei er, betont Gast-Rapper Bass Sultan Hengzt immer wieder: "Berlin ist meine Heimat. Heute ist der wichtigste Tag meiner Tour", antwortet Sido sichtlich gerührt.

Nach den ersten beiden Songs ist der ehemalige Maskenmann jedoch nicht mehr zu bremsen. Mit einem kunterbunten Potpourri aus Vergangenem und Aktuellem, sorgt der mittlerweile verheiratete Familienvater in der Folge für helle Begeisterung unter den Anwesenden.

Aggressive Hinterhof-Erinnerungen und neuzeitlicher Schmusekurs

Spielend leicht findet Sido die perfekte Schnittstelle zwischen aggressiven Hinterhof-Erinnerungen ("Fuffies Im Club", "Hol Doch Die Polizei") und neuzeitlichen Schmusekursen ("Einer Dieser Steine",  "Herz"), auch wenn sich der eine oder andere glatzköpfige Stiernacken im Publikum während der vielen eingestreuten Reife-Momente des Öfteren fragend am Hinterkopf kratzt.

Die meisten der gut 3000 Anhänger fressen dem MC jedoch aus der Hand. Einem weiblichen Fan macht Sido eine besondere Freude: Auf der Bühne darf sie ihrem Freund einen Heiratsantrag machen. Alles klappt. Romantik pur.

Die Rap-Elite der Nation feiert mit

Die gute Stimmung in der Halle sorgt auch im Promi-Bereich hinter der Bühne für hibbelige Beine, und so stürzt irgendwann die halbe Rap-Elite der Nation auf die Bühne und feiert mit Sido um die Wette. Als sich nach den Atzen, Afrob und Bass Sultan Hengzt auch noch Bushido ein Mikrofon schnappt und ein paar Reime zum Besten gibt, steht die Halle endgültig Kopf.

Daran ändert auch der eher zwiespältige Auftritt des ProSieben-Spaßvogels Joachim "Joko" Winterscheidt nichts, der sich – genötigt von seinem TV-Partner Klaas Heufer-Umlauf – mit einigen Diss-Versen nicht gerade viele Freunde an diesem Abend macht. Sido nimmt's gelassen. Klappe zu, Deckel drauf: Diesen Abend lässt er sich nicht mehr vermiesen.

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