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Im fast ausverkauften Musiktheater Rex kämpft die legendäre 1970er-Jahre Band Lake mit neuem Album, alten Stärken und treuen Fans gegen die Nostalgiefalle. Am Ende des Abends steht fest: Lake vermögen noch immer, ihre Fans glücklich zu machen.

Die Siebziger waren gut zu Lake: Deutscher Schallplattenpreis, die Bezeichnung als "Deutschlands renommierteste Rockband“ und Chartplatzierungen in den USA sind nur einige der Meriten, die sie sich damals verdienten.

Nach dem Ausstieg von Mastermind Alex Conti, einer künstlerischen Durststrecke in den Achtzigern, dem Drogentod des charismatischen Sängers Jim Hopkins-Harrison Anfang der Neunziger und diversen Umbesetzungen agieren die Norddeutschen seit 2012 wieder mit ihrem schottischen Originalsänger Ian Cussick. 2013 veröffentlichten sie ihr neues Album "Wings Of Freedom".

Vergleiche zu Steely Dan

Das steht am Freitagabend mit acht Stücken auch definitiv im Mittelpunkt, als Lake im nahezu ausverkauften Bensheimer Musiktheater Rex Halt machen. Bereits beim Opener "Passionate Eyes" wird klar, dass die Band mit Cussick künstlerisch wieder an Ihre Hochzeit in den Siebzigern anschließen kann.

Der neue Song besitzt einen perfekten Fluss, variiert gekonnt zwischen Softrock mit Jazz-Interludes und setzt auf mehrstimmigen Backing-Gesang. Nicht nur bei diesem Stück drängt sich der Vergleich zu den eingängigeren Steely Dan-Stücken auf, denen sie mit "Black Friday“ direkt huldigen.

Musikalische Perfektion

Die Ähnlichkeit stellt sicherlich einen Grund für den damaligen Erfolg in Amerika dar, als man zusammen mit den ganz großen Acts dieser Zeit auf Festivals auftrat. Am Ende des Openers baut die Band gekonnt "Pinball Wizard" ein. Das nicht nur aus Altfans bestehende Publikum ist verzückt.

Es folgt ein gut zweistündiges Programm, das vor allem mit der musikalischen Perfektion der viel bejubelten Klassikern "On The Run" und "Jesus Came Down" beeindruckt. Vom neuen Album überzeugen "Freewheeling" (eine Verneigung vor den Doobie Brothers), "Ted Nugent & The Gunner’s Blues", der ironische Seitenhieb gegen die US-Waffenlobbyisten und der filigrane Titelsong.  

Alex Conti als Herz der Band

Conti ist immer noch das Herz der Band, daran besteht kein Zweifel. Einst als "Deutschlands bester Gitarrist" gepriesen und bereits 1974 mit Inga Rumpf und Atlantis mit deutschem Progrock zu Kultstatus gelangt, hat das Hamburger Urgestein sichtlich Freude an der Reaktion des Publikums und brilliert nahezu in jedem Song.

Bassist Holger Trull und Schlagzeuger Mickie Stickdorn unterstützen Ihn dabei als Rhythmusgruppe. Beide sind "alte Hasen" mit jahrzehntelanger Studio- und Bühnenerfahrung. Es ist jedoch Ian Cussick der mit seiner unverwechselbaren Rockstimme die meisten der Anwesenden in seinen Bann zieht und gleichzeitig Rätsel aufgibt.

Lakonischer Sänger

Der fast sechzigjährige Sänger, der mit  "Like Eyes In The Sunshine“ und "Shame, Shame, Shame" weltberühmt wurde, steht wie ein Fels in der Brandung, verteilt etwas lakonisch Obst aus dem Cateringbereich an die Fans ("It’s healthy!").

Er klingt tatsächlich wie ein junger Paul Rogers, was einigen der neueren Rockstücke ein gewisses Bad Company-Feeling verleiht (z.B. bei "Night On The Town"). Auch mit "Dancing With Steve“ stellt der Routinier sein ganzes Können unter Beweis und huldigt James Brown, Ian Dury und Stevie Wonder gleichzeitig.

Fragiles Bandgebilde

Dass Cussick, generell kein Mann großer Publikumsansprachen, dabei etwas isoliert von der restlichen vierköpfigen Band agiert und auch später als einziger nicht zum heute obligatorischen CD-Signing erscheint fällt allerdings auf.

Bereits 2003 scheiterte eine Reunion mit dem "exzellenten aber exzentrischen" Sänger frühzeitig. Auch aktuelle Namenszusätze wie "Lake feat. Alex Conti & Ian Cussick" verraten ein fragiles Bandgebilde. Dennoch existieren Pläne für eine Best Of-Tour mit Cussick für den Winter 2014/2015, verriet Keyboarder und Publikumsliebling Jens Skwirblies.

Zufriedene Fans

Als Zugabe hat die Band mit Don Henleys ersten Solohit "Dirty Laundry" eine Überraschung im Gepäck und mit dieser kleinen Westcoastpop-Reminiszenz schließt sich dann auch der Kreis für Lake.

Sie lassen durch und durch zufriedene Fans zurück, die artig Ihre mitgebrachten Schallplatten von einem geduldigen Alex Conti signieren bekommen. Die Legende lebt hoffentlich in dieser grandiosen Besetzung noch lange weiter.

Setlist

Passionate Eyes | Die Just A Little | Stone Crazy | Red Lake | On The Run | Sylvia | Driving With Your Eyes Closed (Don Henley Cover) | Black Friday (Steely Dan Cover) | Night On The Town | Nineteen Sixties Man | Ted Nugent And The Gunner’s Blues |Freewheeling | Wings Of Freedom | Dancing With Steve | Jesus Came Down | Say You Will

Zugabe: Dirty Laundry (Don Henley Cover) | On The Run II

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