Jennifer Rostock (live in Hamburg, 2013)

Jennifer Rostock (live in Hamburg, 2013) © Falk Simon

Fast zwei Stunden Vollgas: Jennifer Rostock melden sich mit ihrem vierten Album "Schlaflos" zurück und legten im Wiesbadener Schlachthof eine Show aufs Parkett, die nur so vor Energie strotzte.

Als Anheizer entschied man sich für Marathonmann aus München. Deren Hardcore/Punk-Sound geht zwar gut nach vorne, doch ist nach nur wenigen Songs ein wenig die Luft raus; zu monoton, zu viel Geschrammel, zu wenig Melodie.

Um das Publikum dennoch zu überzeugen, bedienen sich Marathonmann eines altbewährten Tricks: man nehme ein bis zwei Mitglieder vom Hauptact und spiele gemeinsam einen Song. Das Ergebnis ist "Die Stadt gehört den Besten" featuring Chris am Bass und Baku am Schlagzeug – und schon klatschen alle mit. Clever! Frontmann Michi werden wir übrigens während der Show von Jennifer Rostock mehrmals wieder sehen, u.a. bei "Der Kapitän".

Wie Weihnachten

Eines haben Headliner-Shows von Jennifer Rostock gemeinsam: sie sind bis ins kleinste Detail durchdacht, sei es in punkto Dynamik oder der Einsatz von Showelementen. Auch an diesem Abend zieht der Fünfer schon zu Beginn des Sets alle Register.

Sowohl das Schlagzeug als auch die Verstärker sind mit Lichterketten versehen, die während des Intros zu "Phantombild" nacheinander aufleuchten. Statt eines Banners hängen einzelne LED-Elemente im Hintergrund, die im Verlauf der Show noch zum Einsatz kommen werden. Frontfrau Jennifer Weist erscheint auf einem Podest hinter dem Schlagzeug. 

Es werde Licht!

Schon bei "Phantombild" fällt die beeindruckende Lichtshow auf, die die ohnehin druckvollen Rocksongs von Jennifer Rostock noch druckvoller wirken lässt. Von allen Seiten strahlen die Lichtkegel der Moving Heads und weil das noch nicht genug ist, kommen auch direkt beim ersten Song die beiden Konfetti-Kanonen am Bühnenrand zum Einsatz.

Kein Wunder, dass auf so einen fulminanten Start tosender Applaus von Seiten des Publikums folgt. Jennifer Rostock sind zurück und machen damit nicht nur ihre Fans glücklich. "Es ist so geil, wieder auf Tour zu sein“, so Jennifer. Darauf erstmal einen Schnaps!

Alkohol, nackte Haut und eine Gesangs-Competition

"Manche Dinge ändern sich, andere bleiben gleich". Mit diesen Worten von Jennifer selbst lässt sich auch die Show zusammenfassen. 

Neben viel Schweiß fließt vor allem viel Schnaps, bei "Es war nicht alles schlecht" bildet die Menge einen Kreis, in dem halbnackte Männer miteinander raufen dürfen und das obligatorische Gesangs-Battle bei "Feuer" zwischen zwei Fans aus dem Publikum darf natürlich auch nicht fehlen. Unterhaltsam ist das alles auf jeden Fall.

Jennifer, die Abrissbirne

Frontfrau Jennifer ist auch die Alte geblieben. So spielt sie sich noch immer gerne an den Brüsten oder an anderen Körperteilen und bewegt sich lasziv, inklusive Pogewackel. "Für Indie zu schön, für Mainstream zu obszön", heißt es passenderweise im Song "K.B.A.G." Wie wahr, wie wahr...

Langweilig wird es mit dieser Frau zumindest nie. Doch Jennifer Weist hat nicht nur eine große Klappe, sondern auch eine ganze Menge dahinter.

Stimmbänder aus Stacheldraht

Es ist keine Übertreibung, diese Frau als eine der talentiertesten Sängerinnen Deutschlands zu bezeichnen. Ob rotzige Punknummern, treibender Elektro-Pop oder gefühlvolle Balladen: die Frau kann alles singen – da wird sogar "Wrecking Ball" in der Jennifer Rostock-Version erträglich!

Die Stimmgewalt von Jennifer beeindruckt und lässt selbst nach dem 90 minütigen Hauptset in keinster Weise nach. Natürlich machen die Jungs in der Band ihre Sache auch prima. Aber es ist ganz klar, wer hier die knappen Hosen anhat – wahrscheinlich nicht nur auf der Bühne. Darauf einen Schnaps! 

Keiner will gehen

Während dem rund zwei Stunden langen Konzert spielen sich Jennifer Rostock souverän durch ihre vier Alben und präsentieren dabei ungefähr die Hälfte ihrer aktuellen Platte "Schlaflos". Die Stimmung ist durchweg ausgelassen und das Publikum feiert den Fünfer mit Beifallsstürmen und lauten Jubelrufen.

Auch die Band hat sichtlich Spaß, holt zum Abschluss nochmal die Jungs von Marathonmann auf die Bühne und verabschiedet sich ausgiebig mit vier weiteren Zugaben, allen voran dem Titeltrack "Schlaflos", der ein letztes Mal die ganze Bandbreite von Jennifer Rostock zeigt. Chapeau und bis zur nächsten Abrissparty!

Setliste 

Phantombild | Es tut wieder weh | Nichts tät' ich lieber | K.B.A.G | Ich kann nicht mehr | Echolot | Der Kapitän | Ein Schmerz und eine Kehle | Tauben aus Prozellan | Feuer | Der blinde Passagier | Du willst mir an die Wäsche | Himalaya | Medley | Du nimmst mir die Angst | Es war nicht alles schlecht |

Zugabe: Zeitspiel | Kopf oder Zahl | Mein Mikrofon | Schlaflos

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