William Fitzsimmons: intensiv, humorvoll, bewegend

William Fitzsimmons: intensiv, humorvoll, bewegend © Verstärker

Im ausverkauften Berliner Lido sorgt William Fitzsimmons für eine fast schon beängstigende Stille unter den Anwesenden. Keiner rührt sich. Kaum einer wagt es, mit seinem Nachbarn zu sprechen. Alle sind gefangen in einem Zustand voll von Liebe, Schmerz und Hoffnung.

Es ist schon beeindruckend, wenn sich über 300 Menschen in einem Saal versammeln und sich unbewusst dazu entschließen, über eine Stunde lang so gut wie keinen Mucks von sich zu geben. Für William Fitzsimmons ist das Alltag. In einem Interview sagte der bärtige Songwriter einmal, dass er die Leute dafür bewundere, sich aber eigentlich nicht so richtig erklären könne, warum sie sich so verhalten.

Dabei liegt die Antwort doch auf der Hand, denn wie kaum ein anderer Vertreter des Lagerfeuer-Genres, verfügt der aus Pittsburgh stammende Barde über die Gabe, triefende Melancholie, bittersüße Ironie und gewitzten Charme dermaßen intensiv zu bündeln, dass man als Freund seichter Klänge gar nicht anders kann, als in einem tranceähnlichen Zustand zu verharren.

Auch im Berliner Lido konnte man am gestrigen Abend jedes Bäuerchen hören, selbst wenn der Urheber am anderen Ende des Saales stand.

Verliebte Pärchen und einsame Herzen

Als hätte eine imaginäre Kraft einen Kollektiv-Schalter umgelegt, starrten um kurz nach neun plötzlich alle Anwesenden erwartungsvoll, und körperlich scheinbar abwesend, auf die Bühne der ausverkauften Kreuzberger Location.

Da stand er: William Fitzsimmons – in eine legere Latzhose gezwängt und lediglich mit einer Akustischen im Gepäck. Mehr braucht der studierte Psychotherapeut aber auch nicht, um die Zeit für die Dauer eines Abends stillstehen zu lassen.

Kleine Geschichten lösen die Spannung

Und so liegen sich verliebte Pärchen und einsame Herzen gleichermaßen in den Armen, während  die sympathische Speerspitze melancholischen Schwermuts unter dem Gefolge ein Klang-Taschentuch nach dem anderen verteilt.

Zwischendurch wird aber auch immer mal wieder geschmunzelt und gelacht - auch das gehört zu einem William Fitzsimmons-Konzert dazu. Kleine Geschichtchen zwischen den Songs, in denen sich der Verantwortliche mit Witz und Ironie vom Trennungsschmerz befreit, sind schon seit jeher ein wichtiger Bestandteil seines Programms gewesen. So auch an diesem Abend.

"Dann braucht man keinen Kuschelbären mehr"

Die Anhängerschaft ist dankbar über jeden noch so kleinen Anflug von Glückseligkeit – eingepackt in humorvolle Anekdoten aus dem Leben eines Mannes, der weiß, wovon er spricht. I Don’t Love You Anymore, haucht Fitzsimmons leise ins Mikrofon.

Auch hier lacht die Gemeinde kurz auf; denn am liebsten würden sie ihn alle mit nach Hause nehmen und ihn jeden Abend in ihr kuscheliges Bett setzen, damit er sie behutsam ins Land der Träume singt: "Wenn man mit dem in einer WG zusammen wohnen würde, dann braucht man keinen Kuschelbären mehr. Außerdem würde man jeden Morgen mit einem Grinsen im Gesicht aufwachen", flüstert mir eine aufgewühlte Mittvierzigerin am Ausgang zu. Ich grinse nur zurück. 

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