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Die John Scolfield Überjam Band: Der kammermusikalische Gehalt ist gering © Nick Suttle

Mit seiner Überjam-Band brachte der amerikanische Gitarrist John Scofield das Publikum im fast ausverkauften Kulturzentrum dasHaus in Ludwigshafen zum Kochen. Nicht nur John Scofield, auch die Zuschauer werden sich an diesen Abend noch lange erinnern.

Die Nachfragen am Eingang verraten das Entsetzen mancher Besucher. Ein unbestuhltes Konzert bei Enjoy Jazz ist eher ungewöhnlich. Aber die Entscheidung hat ihre Richtigkeit, denn das stehende Publikum erhält erst dadurch Gelegenheit, die Musik von John Scofield richtig zu erleben.

Schon der Name seiner Band, Überjam, deutet an, dass der kammermusikalische Gehalt des Abends gering ist. John Scofield ist mit einem Power-Quartett angetreten, das aus Gitarrist Avi Bortnick, Bassist Andy Hess und Schlagzeuger Louis Cato besteht.

Stets nach vorne

Bortnick zählte bereits zur Band, die das erste Überjam-Album im Jahr 2002 einspielte. Er ist der kongeniale Partner von Scofield und auf der Bühne verantwortlich für Drum-Machine, elektronische Elemente und Rhythmusgitarre.

Gemeinsam sorgen die Musiker für stetig pulsierende Musik von hoher Intensität. Es gibt kaum Verschnaufpausen und schon gar keinen Leerlauf. Die einzige Richtung ist vorwärts. Musik, die von ihrem Groove lebt, genießt man aber weitaus besser im Stehen.

Virtuose Eleganz

Im Mittelpunkt des Konzerts steht John Scofield. Der Gitarrist ist ein Ästhet, ein Genießer. Er will keine Geschwindigkeitsrekorde an der Gitarre aufstellen, sondern strebt virtuose Eleganz an, die dennoch nie behäbig oder selbstzufrieden wirkt.

Stattdessen tritt Scofield erfreulich zurückhaltend und unprätentiös auf, was sich auch in seinen Ansagen an das Publikum zeigt. Er scherzt, das neue Album der Band Überjam Deux könne man nicht nur kaufen, sondern auch illegal herunterladen.

Geniale Übergänge

Besonders herausragend gelingen Scofield die Übergänge der teilweise sehr langen Kompositionen. Er verändert Stimmung, Tempo oder Intensität eines Stücks auf eine beeindruckend subtile Weise. Alles erscheint stets schlüssig und folgerichtig, es gibt kaum Brüche oder Misstöne.

Das wäre weniger bemerkenswert, wenn der Auftritt nicht eine große Bandbreite stilistischer Elemente böte. Natürlich spielt John Scofields Überjam Band durchgehend Jazz-Rock (oder Fusion), der aber nie altbacken rüberkommt, sondern sich aufgrund vielfältiger Ausdrucksformen als lebendiger Musikstil erweist.

Ein erinnerungswürdiger Abend

Das Publikum ist so enthusiastisch, wie man es bei einem Jazz-Konzert nur selten erlebt. Vom ersten Stück an brandet lauter Jubel auf.

Gegen Ende hallen Zugabe-Rufe durch die Halle und John Scofield scheint es ehrlich zu meinen, wenn er sagt, dass die Band von der Reaktion der Zuschauer überwältigt ist und sich noch lange an den Abend erinnern wird.

Für die Zuschauer gilt das sicher gleichermaßen. Am Ende waren doch alle froh, dass sie standen.

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