Käptn Peng (hier bei einem Auftritt in Horb) begeisterten auch das Publikum in Mannheim.

Käptn Peng (hier bei einem Auftritt in Horb) begeisterten auch das Publikum in Mannheim. © Jannik Rulitschka

In der gut gefüllten Alten Feuerwache in Mannheim konnte sich das Publikum zunächst an den Klängen von Ofrin erfreuen. Danach wurde es mystisch und fast gespenstisch, als Käptn Peng & die Tentakel von Delphi die Bühne einnahmen. Diese überzeugten mit energiegeladenen Gedichten und schwindelerregender Wortakkrobatik.

Die israelische Sängerin Ofri Brin aka Ofrin eröffnete den Abend in der Alten Feuerwache mit ihrem Jazzpopsound, der oft durch orientalisch angehauchte Klänge untermalt wurde.

Leider scheiterte der Versuch, die phantasievollen und geheimnisvollen Melodien mit deutlichem Gesang zu unterstützen, mehrfach an der dröhnenden Akkustik. Wieder einmal ein talentiertes Gesangsopfer, das vom Bass tot gehämmert wurde. 

Headbangende Haarpracht

Dabei gab sich die emotional und wild tanzende Sängerin mit ihren gefühlten 5 kg Haaren alle Mühe. Wie ein Headbanger wirbelte sie über die Bühne und ließ ihre Haare wild durch die Luft fliegen.

Dazu veränderte sie bei jedem Song die Raumatmosphäre durch neue Bildhintergründe. Die animierten Filme boten ein breites Spektrum von Gewitterblitzen bis hin zu mystischen Landschaften. 

Geister aus dem Nebel

Als Käptn Peng & die Tentakel von Delphi die Bühne betreten, bot sich dem Zuschauer zunächst ein leicht bizarres Bild: Aus dem Nebel treten fünf maskierte Gestalten. Wie schemenhafte Geister greifen sie zu ihren Instrumenten und vollziehen ihr Ritual.

Nach dem Intro werden die Masken gelüftet und die Zuschauer dazu animiert, "das Hirn rauszunehmen". Zu diesem mitreißenden Rhythmus sollen "die Menschen rotieren".

Wie eine Welle stampft dann einer der Musiker auf, der zweite Artist springt hoch und so schwappt die Hüpfwelle quer durch den Zuschauerraum. Dank nun besserer Akkustik sind die Hip-Hop Poeten auch klar und deutlich zu verstehen.

Gedichte und Wortspielereien

Mit einem Song, gewidmet dem Fähnlein Flieselschweif, werden dann "die Spielregeln besser selbst gemacht" und beim Begrüßungslied alles willkommen geheißen, was sich irgendwie reimt oder sich widerspricht so wie "Dunkelheit und Licht". 

Dazwischen folgt entweder ein Gedicht als Einstimmung auf den nächsten Song oder einfach mal 30 Sekunden Schweigen. Der Mutantensong und die Drachendressur führen im Pulikum zu Paartanzeinlagen oder zu martialischem Tanz im King Kong Gehabe.

Die Socke als Handpuppe führt einen Dialog. In atemberaubender Geschwindigkeit treffen sich Fuchs und Einhorn. Dann herrscht Springalarm zu Bitte Verzeih mir. Die Zugabe startet mit 1,2, 3, 4, Peng Peng Peng und nach eindreiviertel Stunden voller Wortakkrobatik und energiegeladenen Gedichten geht ein zufriedenes Publikum glücklich nach Hause.

Genuss für die Seele

Die Hip-Hop Poeten sind ein Ohrengenuss für die Seele. Wenn allerdings Käptn Peng & die Tentakel von Delphi eine gesunde Dosis Medizin wären, würde als Warnhinweis auf dem Beipackzettel vermutlich stehen: Der übermäßige Genuss dieser Hip-Hop Poeten kann bei konzentriertem Zuhören zu schwerem Wortsalat-Overkill mit anschließenden Kopfschmerzen führen.

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