Alien Anatomy bei Mitten in der Nacht

Alien Anatomy bei Mitten in der Nacht © Beril Yilmam

Das Herbst/Wintersemester 2013 hat begonnen und was gibt es schöneres, als diesen Start mit einer ordentlichen Feier einzuläuten? Beim Schlossfest Mannheim am 7. September 2013 zeigte sich, dass die Universität und ihre Räumlichkeiten auch hervorragend als Konzertlocations dienen können.

Neben diversen wissenschaftlichen Vorträgen und mehreren Kunstgalerien lag der Fokus beim Schlossfest 2013 vor allem auf der Musik. An zahlreichen Locations in der Universität selbst und auf dem Universitätsgelände präsentierten sich bekanntere Künstler sowie Newcomer.

Nach der offiziellen Begrüßungsrede durch u.a. Prof. Dr. Ernst-Ludwig von Thadden, dem Rektor der Universität und dem Auftritt des College Jazz Orchestra, der hauseigenen Bigband, legte der Rapper Muso auf der Hauptbühne im Ehrenhof los, den einige der Anwesenden wahrscheinlich bereits vom Mannheimer Stadtfest kannten.

Flow vs. Lyrics

Der Bereich vor der Bühne war übrigens bestuhlt, sodass sich viele seinen Auftritt lieber im Sitzen angesehen haben. Durchaus nachvollziehbar, war Musos 30-minütige Show doch relativ unspektakulär. Den Songs fehlte es – im Gegensatz zu den Versionen auf Platte – live an Fülle, an Druck bzw. an Energie.

Auch Musos Flow ging vermehrt verloren. Zu oft hechelte er dem Beat hinterher oder reimte einen Tick davor. Doch Muso hat natürlich auch seine Stärken: So kann er mit seinen Rap-Skills zwar nicht mit der Konkurrenz wie u.a. Casper und Co. mithalten, doch auf der textlichen Ebene kann er das definitiv.

Dennoch: Bei dem Hype um seine Person hätte man einfach mehr erwarten können. 

"Mitten in der Nacht"-Bands begeistern im EO

Gegen 20 Uhr startete auch das Café EO sein Programm mit der alljährlichen Konzertreihe "Mannheim – mitten in der Nacht", bei der sich vier aufstrebende Newcomerbands den Schlossfestbesuchern präsentieren durften.

Aus über 400 Bewerbern bei Backstage PRO fiel die Wahl dieses Jahr auf Alien Anatomy, Dreimillionen, AMIE und Bourbon Seas – ein musikalisch abwechslungsreicher Mix. Alle vier Bands überzeugten mit soliden Auftritten.

Starke Stimmen

Das Zusammenspiel sitzt, die Kommunikation mit dem Publikum gelingt. So wird ausnahmslos bei jedem Act viel geklatscht, getanzt und mitgesungen. Vor allem die Frontmänner und Frontfrauen beeindrucken mit ihren stimmlichen Fähigkeiten, die weit über die Selbstverständlichkeit eines sauberen Gesangs hinausgehen.

Dreimillionen aus Frankfurt beweisen an diesem Abend trotz ihrer jungen Bandhistorie am meisten Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert. Das liegt zum einen am besonders markanten Gesang von Sänger Yanni, der eine beachtliche Range in den höheren Lagen besitzt – auch wenn sich die Stimme ab und zu überschlägt.

Mit der Entscheidung, auf Deutsch zu texten, liegen Dreimillionen ebenfalls richtig. Die Texte haben Hand und Fuß, besonders tiefgründige Zeilen werden mehrfach wiederholt und setzen sich leicht in den Köpfen der Zuhörer fest. Songs wie Halt dich an mir fest oder Melodie lassen erkennen, dass diese Band großes Potential hat.

Campusradio ließ den Rektoratshof rocken

Während die vier Bands im EO Vollgas gaben, witzelte Comedian Abdelkarim auf der Hauptbühne im Ehrenhof über Bushido und seine Gangsterrap-Kollegen. Im Anschluss sangen elf ehemalige Castingteilnehmer/innen um ihr Leben und der Singer/Songwriter Jonathan Kluth präsentierte seine Songs souverän vor tausenden Zuhörern.

Wer jedoch nur zwischen dem EO und der Ehrenhofbühne pendelte, verpasste das erstklassige Programm bei den anderen Locations.

So zeigte das Campusradio Rhein-Neckar ebenso einige Künstler im Rektoratshof der Universität. Sonic Avalanche aus Karlsruhe war einer der Acts. Die Band spielte bereits letztes Jahr beim Schlossfest – allerdings im Arkadentheater.

Diesmal brachten sie mit ihrem Indie/Alternative-Rock den gut besuchten Rektoratshof zum Tanzen – und meine Güte grooven die Jungs! Bald erscheint ihr drittes Album, woraus es auch einen musikalischen Vorgeschmack zu hören gab.

In der Welt von Mine

Während sich die vier Karlsruher durch ihre Set groovten, versammelten sich am späten Abend einige der Besucher in der bestuhlten Aula und erlebten ein ganz besonderes Konzert.

So minimalistisch wie nötig und doch so ergreifend wie möglich, erschaffte Mine zusammen mit Sebastian Kraus am Schlagzeug und Martin Haller an der Gitarre große deutschsprachige Popmusik, teilweise mit klassischen, teilweise mit Blues-Elementen.

Dabei nutzte die Singer/Songwriterin gekonnt Loops ihres eigenen Gesangs und baute so mitunter drei bis vierstimmige Chorpassagen, die sich in die gefühlvollen Popsongs einbetteten. Das Trio schaffte es mit Leichtigkeit, das Publikum zu verzaubern und in seinen Bann zu ziehen.

Das war schon fast eine Art Kontrastprogramm zu dem ganzen "Krach" auf den anderen Bühnen und eine angenehme Abwechslung, die am Ende mit tosendem Applaus und Standing Ovations angemessen gewürdigt wurde. Man kann nur hoffen, dass diese Künstlerin schon sehr bald kein Geheimtipp mehr sein wird!

Pünktlich zu den ersten Regentropfen endete das abwechslungsreiche Konzertprogramm des Mannheimer Schlossfest 2013 dann auch schon, welches mit der SWR3-Party im Schneckenhof seinen Abschluss fand. Jetzt heißt es an der Uni wohl wieder: pauken statt Party...

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