Das MS Dockville Festival ist anders. Es gibt viele Punkte, in denen es aus der üblichen deutschen Festivallandschaft heraussticht und die es zu einer fast einzigartigen Institution machen. So wundert es nicht, wenn das verhältnismäßig junge Festival, das 2007 erstmals stattfand, schon in wenigen Jahren seine Besucherzahlen von 5000 auf ca. 20000 vervierfachen konnte.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zunächst einmal ist das Dockville kein reines Musikfestival, sondern stellt den Abschluss eines mehrwöchigen Kunstfestivals dar. In den Wochen zuvor können Besucher auf dem Gelände zahlreiche Installationen bewundern, die auch größtenteils noch während des Musikfestivals stehen bleiben.

Wo die Schafe grasen

Bereits eine Woche vorher wird das Gelände auf Tanzfestigkeit beim schon legendären Vogelball geprüft. Doch das Dockville verbindet nicht nur Kunst und Musik, sondern auch Stadt und Land. Seine Heimat hat es mitten im Hamburger Hafengelände, auf der Insel Veddel, in einem Areal, in dem normalerweise Schafe grasen.

Dieser grüne Fleck liegt wiederum an Rand des Stadtteils Wilhelmsburg auf einer Insel umringt von Wasser- und Getreidespeichern und ist dank öffentlichem Nahverkehr und bestens organisiertem Pendelbusverkehr in weniger als einer halben Stunde vom Hamburger Hauptbahnhof zu erreichen.

Anreise über Wasser

Doch die beste Anreise erfolgt nicht auf dem Landweg: Festivalbesucher, die bereit sind einen kleinen Aufpreis zu bezahlen, konnten in diesem Jahr erstmals per Boot anreisen. Eine kleine Barkasse bringt sie direkt von den Landungsbrücken in St. Pauli an den neuen Anlegekai am MS Dockville Gelände.

So kann man das erste Wegbier mit Blick auf riesige Frachtschiffe, Schleusen und Trockendocks genießen und sich gleich schonmal ein paar Dockville-Künstler aus den blechernen Schiffslautsprechern anhören. Außerdem umgeht man auf diese Weise stundenlange Wartezeiten am Einlass.

Was im vergangenen Jahr noch reibungslos funktionierte, ist in diesem Jahr zu einem der wenigen Kritikpunkte geworden. Vermutlich liegt der Grund für dieses Problem in der Verlegung des Einlasses. Durch die diesjährige Internationale Gartenausstellung nebenan ist das Dockville zwar um ein wenig Infrastruktur (z.B. der erwähnte Anleger) reicher, musste aber auch seinen Einlass neu planen. Das ist offensichtlich nicht vollständig geglückt.

weiterlesen im zweiten Teil: Warum die Band Haim zurecht beliebt ist, die perfekte Mischung aus Licht und Ton bei den Foals und der Höhepunkt am Samstag.

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Überzeugende Folk-Pop Newcomer

Wer Zugang zum Gelände erhalten hat, kann dort Newcomer wie die jungen Liverpoolerinnen von Stealing Sheep oder die international besetzte Berliner Band Mighty Oaks erleben. Beide Bands sollten sich Folk-Pop-Fans merken.

Gerade die Mighty Oaks konnten mit ihrem Song Just One Day schon einen kleinen Sommerhit landen und begeistern schnell des wachsende Publikum vor dem "Maschinenraum", der drittgrößten Bühne des MS Dockville Festivals.

Der große Haim-Hype

Auf der Hauptbühne, die stilecht "Großschot" genannt wird, geht es kurz darauf mit den Elektropoppern von Fuck Art, Let's Dance weiter, bevor am frühen Abend die kalifornischen Mädels von Haim zeigen dürfen, warum sie zur Zeit als einer der heißesten Newcomer gehandelt werden.

Selten wurde eine Band aufgrund einer einzigen EP schon so gehypt wie die drei Schwestern. Auch wenn der Sound größtenteils zu wünschen übrig lässt, so kann man doch den eindeutigen Einfluss der elterlichen 70er-Rock Plattensammlung im Hause Haim heraushören.

Vor allem, wenn sie dreckige Gitarrensoli rausschmettern, die man auf den ersten Blick gar nicht erwarten würde. Aber auch die 80er und moderne Sounds sind bei Haim zu finden. Noch so eine Band, die man in Zukunft noch oft im Radio oder auf der gepflegten Indie Party hören wird. Zu recht.

Schwärmen mit den Lumineers

Während nun auf der "Vorschot", der zweitgrößten Bühne, Bratze und Publikumsliebling MC Fitti der Menge die Bässe um die Ohren knüppeln, versetzen kurze Zeit später auf der Hauptbühne die Durchstarter The Lumineers die riesige Menge in gemütliche Schunkelstimmung. Zum Mitsingen müssen sie bei ihrem Hit Ho Hey jedenfalls nicht mehr bitten und der Rest ihrer Setlist lädt ebenfalls zum kollektiven Unterhaken und lauten "Hach!"-Seufzern ein.

Als dann zum Schluss Sänger Wesley Schultz samt Gitarre die Bühne verlässt um mitten im Publikum seine letzte Zugabe zu spielen, fehlt eigentlich nur noch das Lagerfeuer zur Perfektion der Folk-Romantik.

The Foals: Großartige Mischung aus Licht und Sound

Nach kurzer Pause steht auch schon der nächste Pflichttermin auf der Großschot an: die Foals zeigen, warum sie jedes Recht haben, an diesem Abend die Headliner-Position zu bestimmen. Eine perfekte Mischung aus Licht und Ton ergießt sich ins begeisterte Publikum. So schließt an diesem Abend eine großartige Liveband das Programm der Hauptbühne ab und lässt das ohnehin schon glitzernde und in Konfetti getauchte Publikum tief beeindruckt bis verzaubert zurück.

Alle, die jetzt noch können, dürfen sich beim Set des Berliner DJs Alle Farben zu fluffigem Techno austoben. Oder auf dem gemütlichen Dancefloor Butterland zu den Beats von Jenne Grabowski und Onra die Wiese plattstampfen.

Das Highlight des Samstags: Woodkid

Der nächste Tag bietet schon früh einige Gründe, sich wieder aufs Festivalgelände zu begeben, auch wenn die Nacht auf einer der Dancefloors oder in den Bars von St. Pauli vielleicht eher etwas kurz geraten ist.

Woodkid, der in New York lebende Franzose Yoann Lemoine, sorgt für das Highlight des Festivalsamstags. Er machte sich zunächst als Videokünstler u.a. mit Musikvideos für Lana del Rey oder Katy Perry, bevor er selbst auf die Bühne stieg. Eine gute Entscheidung.

An diesem Abend merkt man, dass sowohl musikalisch als auch visuell ein absoluter Perfektionist ist. Dramatische Trommeln, Lemoines zarte, einzigartige Stimme und schwarz-weiße Bilder von riesigen Kirchen und Rauchwolken fügen sich zu einer perfekten Show zusammen.

weiterlesen im dritten Teil: Der verregnete Sonntag gehörte den Hamburgern und Isländern.

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Der Sonntag gehört den Hamburgern

Der dritte Tag des Dockville gehört traditionell den Hamburgern. Zumindest zu einem großen Teil ist das Line-Up aus Hamburger Bands gemacht. So eröffnen die Indierocker von This Void die Vorschot und begrüßen die ersten Sonntagsgäste und die Sonne auf dem Gelände.

Auf der neu eingerichteten Bühne "Klüse" übernehmen die Electric Ocean People die erste Schicht und verzaubern ihr Publikum mit sphärisch-elektronischen Klängen zum Blick auf den Hafen. So fängt der letzte Festivaltag eher gemütlich an, bevor Miss Li auf der Hauptbühne wie eine besessene Hippiebraut im schwarz-silbernen Glitzerumhang ihre Show abzieht. Dem Publikum gefällt's und feiert Miss Li, bis sie sich zu einer Zugabe überreden lassen kann.

Regentänze im Wolkenbruch

Während auf der Hauptbühne die sympathische Dänin Agnes Obel ihre experimentelle und äußerst gelungene Mischung aus Pop und Klassik darbietet, richten viele Zuschauer ihre Handykameras zunehmend auf die beeindruckende Wolkenfront, die sich dem Dockville nähert.

Was zunächst harmlos beginnt, entpuppt sich als alles überflutender Wolkenbruch. Agnes Obel bleibt nichts anderes übrig, als ihr Set schnellstmöglich zu beenden und ihren Konzertflügel sicher unter einer Plane verstauen zu lassen. Dem Publikum bleibt nur die Flucht oder der Regentanz.

Zum Abschluss lustige Isländer

Viele entscheiden sich trotzig für zweiteres und springen zur Hamburger Elektrogröße DJ Koze wie wild durch die Pfützen. Den Abschluss auf der Hauptbühne bilden in diesem Jahr FM Belfast, die für Kakkmaddafakka eingesprungen sind.

Zwar regnet es noch immer und das Publikum scheint durch die Nässe stark geschrumpft, doch geben die lustigen Isländer alles um die gute Laune zurück zu bringen. Und spätestens bei ihrem Ohrwurm, der wahrscheinlich jetzt noch einigen Festivalbesuchern im Kopf herumschwirrt, haben sie es geschafft.

Damit ging ein gelungenes Dockville Festival zu Ende, das jedes Versprechen gehalten hat und auch der Fortbestand 2014 auf dem altbewährten Gelände wird bereits als gesichert gemeldet. Es können also bald die ersten Early-Bird-Tickets gesichert werden. Wir sind uns sicher: das Line-Up wird sowieso wieder erste Sahne.

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