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Die Ärzte spielten als Headliner bei Rock'n'Heim am Freitag © Johannes Rehorst

Premiere am Hockenheimring: Zum ersten Mal findet hier an diesem Wochenende das Rock'n'Heim-Festival statt. Zum Auftakt feierten die Besuchermassen bei strahlendem Sonnenschein am Freitag die Ärzte, rockten mit Volbeat und tanzten mit Franz Ferdinand. Und das war erst der Anfang.

Wenn ein Festival an einer Rennstrecke in der regnerischen und abgelegenen Eifel funktioniert (nennen wir es Rock am Ring), warum dann nicht in der sonnigen und warmen Rheinebene? So dachte Konzertveranstalter Marek Lieberberg und bereits am Freitag zeigte sich: Manchmal sind eben die einfachsten Ideen die Besten.

Das simple Grundprinzip von Rock'n'Heim sieht so aus: Zwei gleichgroße Bühnen verbunden durch eine Foodmeile. Auf der einen Bühne wird gerockt, auf der anderen getanzt. Rund um die Rennstrecke am Hockenheimring wird gezeltet. Das Publikum nahm das Konzept sofort an. Am Freitagabend strömen die Zuschauer bei sonnigem Sommerwetter in Massen zu den Shows.

Rumalbern mit Bonaparte

Als eine der ersten Bands traten Bonaparte auf. Sie bieten vom Intro bis zum Abgang eine Show, die konsequent dem KISS-Prinzip (keep it simple & stupid) folgt. Alberne Verkleidungen, alberne Gestalten, die eine Art Happening simulieren, immer der gleiche Beat und als Abwechslung eine schlechte Aerobic-Instruktion im 80s-style. Dann als atemberaubenden Höhepunkt nackte Brüste. Und als Steigerung dessen eine mit roter Farbe beschmierte nackte Frau. "Haste Töne?" würde ein Berliner ironisch dazu anmerken.

Und richtig, Bonaparte stammen aus Berlin, wären also durchaus in der Lage verbal mit dem Publikum zu kommunizieren - eine Option, die sie allerdings nicht wählen. So rocken sie die Fans in Bühnennähe, während die Mehrheit im Schatten, Erfrischung oder Entspannung sucht. Es steht ja auch noch einiges an.

Pogo mit den Ärzten

Mit einer weiteren Band aus Berlin, aber wie es sich für Bälina jehört ganz und gar nicht auf den Mund gefallen, folgt dann der erste Höhepunkt des Festivals: Die beste Band der Welt in ihrem 30. Jahr – Die Ärzte. Wie Farin, Bela und Rod es schaffen mit jeder Platte und Tour wieder neue, junge Fans zu gewinnen, ist unheimlich. Mit Wie es geht und 2000 Mädchen erobern sie das mittlerweile mit mehreren zehntausend Besuchern gut gefüllte Festivalgelände vor der Evolution Stage im Sturm.

Die alten Fans freuen sich darüber, dass sie die Texte noch kennen, die jungen singen sie lauthals mit. Die legendären Ansageduelle zwischen Farin und Bela haben auch nach drei Jahrzehnten noch nichts von ihrem Charme eingebüßt. In der Mitte ihres knapp zweistündigen Sets gibt es einen kleinen Stimmungshänger, verursacht durch eine wenig spektakuläre Songauswahl aus den letzten beiden Alben.

Spätestens mit Schrei nach Liebe geht die Post dann richtig ab und die Staubwolke, die durch die Pogoinseln losgetreten wird, nimmt bedrohliche Ausmaße an. "Heute Nacht hustet ihr euch in den Schlaf", kommentiert Farin trocken. Zwei ausgiebige Zugabenblocks bieten dann dem Publikum eine dankbar angenommene Einladung zur Hitparty einschließlich einer Syltgitarre für den Klassiker Westerland.

Rocken mit Volbeat

Die sich anschließenden Erfolgsmetaller von Volbeat müssen schon mit einem leicht reduzierten Publikum vorlieb nehmen, treten aber mit dem Willen an, die Zuschauer zu rocken. Vor der Evolution Stage recken die zum Großteil männlichen Besucher ihre Fäuste gen Himmel: Band-T-Shirts und Tattoos und schüttelnde Köpfe prägen das Bild.

Neben ihre eigenen Hits spielen sie auch teilweise sehr kurze Coverversionen von Judas Priest bis zu Rammstein. Ihre Till Lindemann-Gesangs-Imitation konnten sie wohl bei einigen Konzerten der vergangenen Wochen perfektionieren, als sie als Vorband von Rammstein fungierten. Die begeisterte Anhängerschaft bejubelt die geradlinige, professionelle Rockmusik der Dänen.

Andere Zuschauer sind inzwischen zur Revolution Stage gegangen, wo Robert DeLong eine unterhaltsame One-Man-Performance für alle diejenigen bietet, die den Rockgitarren mittlerweile überdrüssig sind. Ulkigerweise ist er wesentlich lauter als die Rocker auf der Hauptbühne. Dafür ist der Sound auch besser, wie auch die Luft, denn der Untergrund im Publikumsbereich ist nicht staubig, sondern gepflastert.

Tanzen mit Franz Ferdinand

Anschließend sind Franz Ferdinand für ein Mitternachtskonzert angekündigt, eine sehr gute Wahl, wie sich herausstellen wird. Vor knapp 10 Jahren mit der Devise angetreten "die Mädchen zum Tanzen bringen zu wollen" zeigen sie im Vorfeld der Veröffentlichung ihres vierten Albums, mit welcher Selbstverständlichkeit sie dieses Ziel immer noch erreichen.

Weibliche wie männliche Fans tanzen begeistert zu den Rhythmen des Quartetts aus Glasgow, das abwechselnd ihre bekanntesten Songs vom ersten Album (Take Me Out, The Dark of the Matinée, Michael) und neueres Material bietet. Es ist krachend laut, aber der Sound ist perfekt und die Stimmung famos.

Als Absacker wird dann auf der großen Bühne noch der Film Planet der Affen: Prevolution gezeigt, eine zum Festival-Plakat passende Wahl, die dadurch, dass an alle Besucher Affen-Pappmasken verteilt wurden, eine sehr spezielle Szenerie ergibt. Viele Besucher machen sich derweil auch schon zu den Campingplätzen auf, denn das Wochenende ist noch lang.

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