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Melt!-Festival 2013 Impressionen © Stephan Flad

Zwei durchgefeierte Nächte, schmerzende Füße, müde Körper – am Sonntag machte sich langsam Urlaubsstimmung breit, war doch das Härteste geschafft und wird der letzte Tag des MELT!-Festivals sowieso traditionell eher zum Entspannen genutzt. Bevor der harte Alltag in den nächsten Tagen alle wieder mit seinen kalten Klauen umschließen wird, bewahrten u.a. Atoms For Peace und Flying Lotus die Besucher noch ein paar letzte Stunden vor der Realität.

Die Katerstimmung macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass die Massen erst zu sehr später Stunde auf das Festivalgelände kommen. So ist die riesige Main Stage noch recht spärlich besetzt, als der Londoner Ghostpoet, unterstützt durch eine Band, am frühen Abend seinen unverwechselbaren verschwommen-groovigen Sprechgesang in den Abendhimmel schickt.

Eigentlich ein Act, dessen Wirkung sich erst in einem schummrigen, kleinen Club entfaltet, passt sich der Sound durch die Liveband erstaunlich gut an das Setting an und trotz brütender Hitze, gleißendem Sonnenlicht und riesiger Bühne verlieren die Songs nichts von ihrer Intimität. Den Schattenplatz nicht hergeben wollend, bestaunen danach viele auch die 21-jährige Charlie XCX und werden dabei verzückt von einer wild herumspringenden Britin, die mit ihren entzückenden Pop-Balladen eine extrem abgeklärte und verrückte Performance bietet.

Sonnenschutz rules

Währenddessen beginnen Riton vs. Mark Ronson ein dreistündiges DJ-Set und ziehen einen Großteil der versprengten Besucher unter das gewaltige Zelt der Gemini-Stage, dass vor der Sonne schützt. An die Abriss-Party von Disclosure können die beiden zwar nicht anknüpfen, dennoch bringen sie die Massen angesichts der Hitze und der vielen Konzerte, die bereits in den Knochen stecken, erst mit einem Techno-, dann mit einem HipHop-Set ordentlich zum Feiern. Ähnliches kann man von Simian Mobile Disco behaupten, die etwa zur gleichen Zeit an der Big Wheel Stage die schwitzenden, nassen Körper in Wallung bringen.

Im Intro-Zelt feiern zur gleichen Zeit Archive ein Jahr vor ihrem 20-jährigen Bestehen bereits ihr Jubiliäum und lassen noch einmal die auf dem Melt! 2013 so selten gehörten Gitarren los. Hatte Peter Doherty tags zuvor mit den Babyshambles noch den „Fuck Forever“-Lebensstil abgefeiert, sind es Archive, die der Welt nun wütend und zornig „Fuck You“ entgegen schreien.

Der Boden bebt

Falls derweilen nach dem gestrigen Gig von Two Fingers noch etwas vom Soundsystem der Main Stage zu gebrauchen gewesen sein sollte, zerstört Flying Lotus zum Sonnenuntergang hinter einer transparanten Leinwand auch den letzten Rest an brauchbarem Equipment.

Selbst die massiven Konstrukte auf dem Gelände erzittern ehrfürchtig und vermutlich mit ein wenig Melancholie unter dem Bassmassaker, dass den Boden von Ferropolis zum Beben bringt, wie es zuletzt die Kohlebagger des alten Tagebaus vermochten. Mit der hereinbrechenden Dämmerung ist man nun auch nicht mehr der Gnade der Sonne und des eigenen Elektrolyt-Haushaltes ausgesetzt, und so füllt sich der raumgreifende Platz vor der Main Stage mit den frisch eingetroffenen Melt!ianern. Am Ende bebt, tanzt und jubelt alles.

Atoms for Peace

Bombastisch und episch – das beschreibt auch gut den Auftritt des absoluten Höhepunkts des Melt!-Festivals 2013: Atoms For Peace.

Treibend und komplex erschafft die wortkarge Supergroup um Radiohead-Frontmann Thom Yorke, Red-Hot-Chilli-Peppers-Bassist Flea und Produzent Nigel Goodrich epische, elektronische Klangwelten und unterlegt diese mit einer beeindruckenden Lightshow, die den Zugang zur einer neuen Welt gewähren, in der Fleas affektiertes Bassspiel die Körper zum Zucken bringt und Thom Yorkes jaulende Stimme der Seele die Schönheit der melancholischen Traurigkeit erklärt.

Das Melt!-Festival bedankt sich am Ende des Sets mit einem Feuerwerk und beendet damit nicht nur die diesjährige Ausgabe in Ferropolis, sondern mit Sicherheit auch das in allen Belangen heißeste Melt! aller Zeiten.

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