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MUSE (Waldbühne Berlin, 14.07.2013) © Philipp Karadensky

Feuer, Nebel, Licht und Songs aus anderen Universen: Muse zogen am 14. Juli 2013 in der Berliner Waldbühne alle Register.

Es ist kurz vor 8, als sich die Herren von Biffy Clyro ein letztes Mal vor der rappelvollen Waldbühne verneigen. Mit freien Oberkörpern, tropfnassem Haupthaar und Schwielen an den Fingern winken die Schotten ins weite Rund. Die Masse bedankt sich mit lautem Applaus.

Während viele der Anwesenden noch die Melodien von majestätischen Arenarock-Fünfminütern à la Biblical, Bubbles oder Black Chandellier vor sich her summen, schieben unzählige Stagehands auf der beeindruckenden Bühne der Waldbühne reichlich Equipment von A nach B. Der Boden wird gewischt, ein gläsernes Piano wird auf die Bühne gerollt und auf dem kleinen Podest in der Mitte des Innenraums schiebt sich eine koffergroße Metalkonstruktion an die Oberfläche.

Aus dieser schießt, eine knappe halbe Stunde später, ein zehn Meter hoher Feuerball in den Berliner Abendhimmel – der Beginn eines über zweistündigen Ohren- und Augen-Infernos sondergleichen.

Muse lassen Worten Taten folgen

Mit unzähligen LED-Wänden, meterhohen Nebel- und Feuersäulen und einem mittig positionierten Laufsteg bestückt, bei dessen Anblick selbst eine Heidi Klum vor Neid erblassen würde, präsentiert sich das urige Amphitheater wie eine Basisstation gerade gelandeter Außerirdischer:

„Wir wollen für die Outdoor-Konzerte unbedingt noch einen draufsetzen“, berichtete Muse-Barde Matthew Bellamy vor einigen Wochen. Der Opener Unsustainable schallt noch keine drei Minuten aus den überdimensionalen Boxenwänden, da lassen der Sänger und seine drei Mitstreiter den großspurigen Worten bereits Taten folgen.

Überall funkelt, raucht und blitzt es

Während sich die Ohren an einem brillanten Gesamtsound und einem Frontmann in Hochform erfreuen dürfen, haben die Augen Schwierigkeiten, all das Gebotene abzuspeichern. Überall funkelt, raucht und blitzt es.

Die knallroten Jeans des Falsett-Fetischisten Bellamy, der mit Lichtdioden übersäte Bass seines Kollegen Christopher Wolvstenholme, die dreigeteilte Videoleinwand und ein halbes Dutzend schwarz lackierte Quadrate, die rings um die Bühne wahlweise Feuer oder Nebel in die Atmosphäre schießen: Muse fahren ordentlich auf.

Technisch einwandfrei

Reizüberflutung? Absolut. Und dennoch schaffen es die Briten, jedem auch noch so kritischen Beobachter ein Dauergrinsen ins Gesicht zu zaubern. Denn trotz all des präsentierten Protz und Glamour, vergessen die Verantwortlichen auf der Bühne zu keiner Zeit des Happenings, um was es eigentlich geht – nämlich um die Musik.

Technisch einwandfrei und unterstützt durch eine erstaunlich klare Akustik, präsentieren sich die Bombast-Rocker in absoluter Höchstform.

Berlin ist hin und weg

Songs wie Supermassive Blackhole, Madness, Survival oder das abschließende Starlight, wuchten an diesem Abend mit derselben emotionalen Kraft durch die Arena, wie im heimischen Wohnzimmer. Berlin ist hin und weg. 18.000 Menschen schreien, klatschen und feiern.

Am Ausgang reibt sich ein  Mädchen die Augen, während sich die Mama im Bellamy-Shirt zu ihr runterbeugt: „Alles ok, mein Engel?“ Die schmächtige Schulanfängerin hebt den Kopf: „Ja, war total cool. Nur meine Augen tun ein bisschen weh.“ Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.

Setliste: Muse am 14.07. auf der Waldbühne Berlin

The 2nd Law: Unsustainable | Supremacy | Panic Station | Supermassive Black Hole | Bliss | Resistance | Interlude | Hysteria | Animals | Knights of Cydonia | Monty Jam | Feeling Good | Follow Me | Liquid State | Madness | Time Is Running Out | Stockholm Syndrome | Unintended | Guiding Light | Undisclosed Desires | The 2nd Law: Unsustainable | Plug In Baby | Survival | The 2nd Law: Isolated System | Uprising | Starlight

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