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Archive (live in Karlsruhe, 2012) © Achim Casper

Wenn Archive ein Konzert geben, so freuen sich vor allem die Freunde sphärischer bis wahnwitziger Klangwelten vor der Bühne. Vor kurzem veröffentlichten sie ihr sage und schreibe achtes Studioalbum "With Us Until You're Dead". Am 30. Oktober präsentierten sie es ihren Berliner Fans im Rahmen eines epischen Konzerts im Kreuzberger Huxleys.

Archive sind keine Band. Sie sind ein Kollektiv! Auf diesen Unterschied bestehen beiden Masterminds hinter der Gruppe, Danny Griffiths und Darius Keeler, die Archive vor mehr als 15 Jahren ins Leben riefen. Tatsächlich ist der Begriff "Kollektiv" vielleicht wirklich zutreffender, trafen doch zahlreiche Mitmusiker während der unterschiedlichen Phasen zur Gruppe und verließen diese wieder.

Ganze Welten aus Klang

Dennoch gibt es seit einigen Jahren ein Kernteam, das ständig wächst. Viele Bands wechseln auf der Bühne ständig die Instrumente, um einen optimalen Klang zu erreichen. Archive können genau das auch mit dem Gesang tun: Ganze vier Sängerinnen und Sänger gehören zur Zeit zu ihrem Kollektiv.

Die Musik bewegt sich stets zwischen TripHop, Psychedelic und Progrock – doch das beschreibt Archives Stil nur unzureichend. Wichtig ist: sie bauen ganze Welten aus Klang, erzählen Geschichten und lassen emotionale Gewitterstürme aus den Lautsprechern auf ihr Publikum los.

Auf jedem Archive-Konzert ist gleich klar: die Gruppe nimmt ihre Musik sehr ernst. Hier wird nicht groß geredet, es gibt keine Starallüren, keine selbstherrlichen Posen. Die bis in die kleinste Soundnuance perfektionierte Musik steht im Vordergrund. So auch beim Konzert im Berliner Huxleys. Hier präsentieren die Briten erstmals ihr neuestes Werk With Us Until Your Dead und ihr neuestes Mitglied Holly Martin.

Archive finden den perfekten Sound

Mit einem lauten Glockengeläut beginnt die Show des Londoner Musikkollektivs, als riefen sie zum Gebet. In puncto Intensität kommt das nun folgende Konzert allerdings eher einem fanatischen Sektenritual als einem christlichen Gottesdienst nahe.

Archive lassen sich wie immer sehr viel Zeit beim Aufbau ihrer Stücke. Der Opener Wiped Out startet langsam und bedächtig. Sänger Pollard Berrier singt voller Bedacht dramatische Worte ins Mikrofon. Der letzte Ton des Stücks ist sogleich der erste des folgenden: You Make Me Feel, zu dem Sängerin Maria Q die Bühne betritt, die schon seit Beginn der Band immer wieder am Mikrofon zu finden ist.

Die Bühne ist in ein düsteres Licht getaucht. Alles wirkt sehr feierlich. Archive sind wieder einmal gekommen, um den perfekten Sound zu finden und zu feiern. Genau das tun sie auch. Und zwar in mit einer Kraft und einer Ausstrahlung, die sonst vielleicht nur noch Bands wie Radiohead auf die Bühne zu zaubern vermögen.

Berliner Publikum begeistert

Dazu gehört natürlich jede Menge Dramatik. Lieder wie Fuck You, das beim begeisterten Publikum besonders gut ankommt, lassen aus jedem Wort pure Abneigung sprechen. Eine angenehme Überraschung bieten Archive auch mit dem Dauerliebling Again, das sie unplugged darbieten.

Aber auch neue Stücke wie Violently, in dem erstmals Neuzugang Holly Martin, zum Hauptmikrofon greift. Trotz ihrer eher zarten Erscheinung wächst ihre Bühnenpräsenz mit jedem gesungenen Ton. Schnell kann sie zeigen, dass die junge Sängerin, die locker die Tochter der anderen Archive-Musiker sein könnte, einen Platz im Kollektiv in Ehren halten kann.

Archive schaffen es an diesem Abend nicht nur, die Energie und Emotionalität, die sie in ihren Songs transportieren durchgehend zu halten, sie steigern sich sogar zunehmends. Am Ende des gut zweistündigen Konzertes bleibt vor allem eine Emotion: Begeisterung.

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