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Smoke Blow (live in Karlsruhe, 2012) © Johannes Rehorst

Am 20. Oktober 2012 spielten Smoke Blow, Tyson und Pascow im Rahmen von Smoke Blows "Last Tour On Earth" im Substage Karlsruhe. Seit 15 Jahren tollt das Rudel Kieler Höllenhunde nun quer durch die Republik und zog in dieser Zeit mittels zahlreicher ausgiebiger Tourneen eine Spur der Verwüstung von der Küste bis ins tiefste Bayern. Aber irgendwann ist halt auch mal Schluss - man wird ja schließlich nicht jünger.

Aber ein standesgemäßer Abgang muss schon her, denn in diesen 15 Jahren wurde ein ganzer Haufen loyaler Fans herangezüchtet, und die sollen eben auch für ihre Treue belohnt werden. Und so macht sich der Kieler Sixpack derzeit wieder daran, die Abrissbirne auf der finalen "Last Tour on Earth" noch einmal an ausgewählten Lokalitäten zu schwingen. Am vergangenen Samstag beispielsweise im Karlsruher Substage.

Support: Tyson

Verstärkung erhalten sie dabei von den Kieler Kollegen Tyson, die den Karlsruher Konzertabend eröffnen. Eine gute halbe Stunde haben sie die Aufgabe, Bühne und Publikum mit schnellen, hardcorelastigen Songs, stellenweise mit einem klar erkennbaren Stoner-Einschlag, auf Betriebstemperatur zu bringen. Wenn sie das Rad dabei auch nicht wirklich neu erfinden, der Auftritt ist solide und die Songs sind präzise gespielt – mehr allerdings leider auch nicht.

Auch das zum frühen Zeitpunkt noch spärlich vertretene Publikum sieht das ähnlich. Die Kluft zwischen der riesigen Substage-Bühne und den ersten Reihen bleibt die gesamte Zeit des Auftritts unüberbrückt. Auch wenn sich Tyson wirklich Mühe geben, der Funken will irgendwie nicht so richtig überspringen.

Support: Pascow

Ganz anders die Situation eine halbe Stunde später bei der zweiten Vorband des Abends. Pascow demonstrierten eindrucksvoll, warum die persönliche Einladung von Letten & Co., den Abend zu eröffnen, völlig gerechtfertigt ist: Während Muff Potter bereits das Zeitliche gesegnet und sich Jupiter Jones inzwischen von ihren Punk-Wurzeln völlig entfernt haben und lieber Deutsch-Poprock machen, sind Pascow mit ihrem deutschsprachigen Punkrock nach wie vor dem Underground verbunden und wirken dabei alles andere als unglücklich.

Das wird auch im inzwischen weit besser gefüllten Substage geschätzt, wo rasch ein kleiner Moshpit ensteht und bei Songs wie Trampen nach Norden oder Lauf, Forrest lauf! eifrig mitgebrüllt wird. Basser Flo verdient gleich in zweierlei Hinsicht Respekt: Zum einen, weil er trotz blutiger Hand den Gig tapfer durchhält und zum anderen, weil er es tatsächlich schaffte, binnen eines einzigen Pascow-Songs eine Basssaite zu wechseln und sogar noch die Schlussakkorde mitzuspielen. Insgesamt ein positiver Auftritt des Vierers aus der Pfalz.

Last Gig in Karlsruhe? Smoke Blows Auftritt im Substage

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Und dann ist es endlich so weit: Die vielzitierte Kieler Dampfwalze Smoke Blow schickt sich an, ein letztes Mal das Substage zu überrollen. Die Publikumsdistanz schrumpft rasch auf Null, nachdem die Toxic Twins von Kiel – Jack Letten und MC Straßenköter – die Mikros beinahe mehr im äußerst textsicheren Moshpit platzieren als selbst zu singen und alsbald auch mal eine Runde mitmischen.

A propos selbst singen: Die Cover-Ausbeute in der Setlist ist an diesem Abend recht hoch – nicht nur das obligatorische Rebel Yell haben die Jungs im Gepäck, nein, auch Schinkengott Danzig wird mit Mother gehuldigt und Black Sabbath müssen bei Sabbath bloody Sabbath dran glauben, wobei sich hier offenbart, dass an Letten leider kein Ozzy verlorengegangen ist.

Dafür klingen die eigenen Songs umso räudiger und authentischer, trotz oder vielleicht auch wegen suffbedingter Heiserkeit. Kentucky, Greif Hellhammer, Fabrizio und Gerrard liefern den gewohnt breiten Sound, der keine Gefangenen macht und verwandeln damit das Substage spätestens jetzt in einen Hexenkessel.

Dass die Kieler keine Kinder von Traurigkeit sind, offenbart sich spätestens in der GG-Allins-Hommage von Letten, auch wenn diese, Gott sei dank, ergebnislos bleibt – mehr sei hier nicht angedeutet. Eine knappe Stunde später ist der Spuk vorbei. Zurück bleiben verschwitzte aber glückliche Fans, die sichtlich froh darüber sind, noch einmal in den Genuss ihrer Kieler Lieblinge gekommen zu sein.

Was kommt nun?

Jetzt bleibt eigentlich nur die Frage offen: was werden sie treiben nach ihrem finalen Konzert im Dezember in der Kieler Pumpe? Wird Letten den Kindergärtnerjob an den Nagel hängen und doch noch Unterhosen-Model? Talent ist jedenfalls zu Genüge vorhanden, das Karlsruher Publikum weiß das zu bezeugen. Greif Hellhammer wäre vielleicht ein Kandidat für "Let’s Dance" – so wie er mit seinem Bass über die Bühne tänzelt, stünden die Chancen gut, dass Lamby die Bestnoten zückt.

Kurzum: Man wird sie vermissen, diese Jungs. Denn welche Band gibt schon nach zwei schweißtreibenden Zugaben noch eine Runde Gummibärchen aus? Womit auch für MC Straßenköter der richtige Altersjob gefunden wäre: Süßwarenonkel.

Setlist Smoke Blow, 20.10.12, Karlsruhe

Sick Kid '85 / March on to Victory / Bleeding / Unbroken / Dark Angel / Bruce Lee Coverband / Dancing with the Dead / 777 Bloodrock / Alligator Rodeo / Mother (Danzig-Cover) / Police Robots / Mexico / Sweetwater / Criminal / Sabbath, bloody Sabbath (Black Sabbath-Cover) / Summer of Betrayal / Rebel Yell (Billy Idol-Cover)
Zugaben: Junkie Killer, Le Mans

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