Robert Plant, John Paul Jones und Jimmy Page beim "Celebration Day" 2007. Fotostrecke starten

Robert Plant, John Paul Jones und Jimmy Page beim "Celebration Day" 2007. © Warner Music

Die Kinoaufführung des Led Zeppelin-Konzertfilms "Celebration Day" am 17. Oktober in bundesweit ausgewählten Lichtspielhäusern zeigte eine Band, die riesigen Spaß daran hatte, gemeinsam auf der Bühne zu stehen und sich gleichzeitig der Einmaligkeit des Ereignisses bewusst war.

Mit der Ankündigung einer Reunion für das Ahmet Ertegun Tribute Concert am 10. Dezember 2007 brachen Led Zeppelin alle Rekorde: Mehr als 20 Millionen Ticketanfragen gingen für die 20.000 Plätze in der Londoner O2 Arena ein. Für viele Fans wurde ein Traum wahr, denn einen gemeinsamer Auftritt der drei überlebenden Led Zeppelin-Mitglieder hatte es seit den 1980ern nicht mehr gegeben – und die damaligen Versuche endeten im Desaster.

"Celebration Day"

Am gestrigen Abend erhielten Zuschauer in aller Welt die Gelegenheit, das Konzert nachzuerleben. Kurz vor der Veröffentlichung der Doppel-Blu-Ray/DVD/CD Celebration Day wurde der Konzertfilm in ausgewählten Kinos gezeigt. Darunter befand sich Ludwigshafen, wo sich zahlreiche, vornehmlich ältere männliche Led Zeppelin-Fans einfanden, um den Konzertfilm auf der großen Leinwand zu erleben. Obwohl die Aufführung als ausverkauft galt, gab es zahlreiche freie Plätze. Was da wohl schiefgelaufen ist?

Wenig schief lief beim eigentlichen Film, der erfreulich direkt und schnörkellos das Konzert präsentiert. Im Mittelpunkt stehen Bassist/Keyboarder John Paul Jones, der ansonsten gerne vergessen wird, Gitarrist Jimmy Page und Sänger Robert Plant sowie Jason Bonham, der seinen verstorbenen Vater, Schlagzeuger John Bonham, würdig vertritt. Der Film folgt ihnen aus angemessener Nähe und ist doch nie aufdringlich. Das Publikum tritt vornehmlich als gewaltige Kulisse aus Lärm, Händen und mitfilmenden Handys in Erscheinung.

Spaß und Schweiß

Was sogleich auffällt, ist die große Nähe der Musiker auf der Bühne. Wenn Jones nicht gerade Keyboards spielt, halten sich Plant, Page, Jones und Bonham im Abstand von wenigen Metern auf, lächeln sich gegenseitig an und scheinen eine unglaubliche Menge Spaß zu haben. Plant gibt den Zeremonienmeister und wenn er spricht, fragt man sich, wie es dieser englische Gentleman vom Lande auf die Bühne geschafft hat. Aber wenn er singt, dann ist er ein anderer, aus einer vergangenen Zeit, die aber immer noch nachwirkt. Das gilt besonders für Jason Bonham, der seinen hart lebenden Vater früh verlor und der nun an dessen Stelle sitzen darf.

Während Jones und Plant die Anstrengung nur nach und nach anzumerken ist, rinnt Page der Schweiß in Strömen, so dass sein weißes Hemd nach kurzer Zeit vollständig durchnässt ist und am Körper klebt. Geblieben ist seine unverkennbare, weit zurückgelehnte Gitarrenpose, ein ikonisches Bild der Rockmusik. Sein strähniges weißes Haar erinnert hingegen kaum noch an die gewaltige schwarze Mähne, hinter der er sich früher zu verstecken schien. Schon nach kurzer Zeit ist es völlig durchnässt und wild zerstruppelt.

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Faszination Bandsound

Die Faszination mit der Musik von Led Zeppelin ist auch deshalb ungebrochen, weil die Band den unglaublichsten Bandsound verkörperte, der hundertfach kopiert und doch nie erreicht wurde. Keiner anderen Band gelang es, einen so gigantischen Sound zu erfinden und dabei dennoch elegant, schlüssig und präzise zu klingen. Wo tausende Metal-Bands dumpf daherdonnern, sind Led Zeppelin sowohl gewaltig als auch geschmeidig.

Trotz der verflossenen Jahre ist noch viel übrig vom klassischen Led Zeppelin-Sound. Die Band hat sich entschlossen, die Zuschauer mit schierer Wucht zu überwältigen – und das funktioniert. Es fehlen auch nicht die ruhigen Momente, die es früher in Led Zeppelin-Konzerten gab, die Wechsel der Dynamik und der Intensität, aber grundsätzlich treibt die Band die Musik unglaublich nach vorne.

Keine Fortsetzung

Natürlich hat sich einiges geändert. Page ist nicht mehr der Gitarrenvirtuose früherer Tage, Plants Stimme ist nicht mehr so flexibel und ausdrucksstark. Das macht aber nichts, weil Freude und Enthusiasmus alle Bedenken einfach hinwegfegen und die verbliebenen Fähigkeiten genug sind, um diesen Abend zum Erlebnis zu machen. Celebration Day zeigt, was Led Zeppelin noch gemeinsam zu leisten imstande sind – mit etwas Nachbereitung im Studio.

Es ist dennoch gut, dass sie es bei diesem einen Konzert bewenden lassen und nicht anschließend auf Welttournee mit Ticketpreisen ab 200 Euro gegangen sind. Seit Jahrzehnten werden sie mit Angeboten überschwemmt, es wäre so leicht gewesen, der Versuchung nachzugeben. So bleibt der Auftritt in London 2007 ein besonderes Ereignis, Erinnerung und würdiger Abschluss einer Karriere, die Rekorde sprengte.

VÖ im November

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