Tina Dico ist mit ihrem neuen Album "Where Do You Go To Disappear?" auf Tour. Fotostrecke starten

Tina Dico ist mit ihrem neuen Album "Where Do You Go To Disappear?" auf Tour. © Jonatan Gretarsson (Quelle: Bang On PR)

Im nicht ganz ausverkauften Huxleys verzaubert Tina Dico mit alten Hits und reichlich Material ihres neuen Albums "Where Do You Go To Disappear" ihre Berliner Anhängerschaft. Einziger Wermutstropfen: die Saalbestuhlung.

"Was ist das denn hier", fragt sich ein beleibter Herr vor mir beim Anblick von hunderten Stühlen, die sich an diesem Abend in den Innenraum des Berliner Huxleys verirrt haben. Die Protagonistin des Abends mag es wohl eher gemütlich, und so präsentiert sich die sonst eher für ausufernde Hüpforgien bekannte Location als komplett bestuhlte Ruheoase für Freunde seichterer Klänge. Die kommen auch ab Punkt 21 Uhr voll auf ihre Kosten, denn das walisische Singer/Songwriter-Duo Paper Aeroplanes zupft und säuselt sich in der Folge durch gut ein Dutzend gemütliche Dreiminüter und erntet nach knapp einer halben Stunde Spielzeit verdienten Anstandsapplaus der Anwesenden.

Wie ein unnahbares Cowgirl der Neuzeit

Das Huxleys ist zu diesem Zeitpunkt bereits gut gefüllt und die sitzenden Lauscher werden auch nicht allzu lange auf die Folter gespannt. Um viertel vor Zehn entert Tina Dico unter tosendem Beifall und mit klassischer Bandbesetzung im Schlepptau die Bühnenbretter und präsentiert sich in silberner Glitzerhose und dunkler Bluse sogleich als Blickfang auf dem weitläufigen Podest. Mit ihrem stacksigen Auftreten und eher gefühlstoten Ansagen wirkt die blonde Dänin zunächst wie ein unnahbares Cowgirl der Neuzeit. Es dauert eine Weile, ehe sich die leicht aufgesetzte Stimmung auf der Bühne verflüchtigt und der Funke zum Publikum überspringt.

Helgi Jonsson übernimmt die Rolle des zweiten Hauptdarstellers

Das liegt vor allem an Islands Songwriter-Juwel Helgi Jonsson, der Tina Dico während dieser Tour sowohl am Keyboard, als auch am Mikrofon zur Seite steht. Charmant und mit reichlich Humor gesegnet, übernimmt der schmächtige Mann aus Reykjavik zunehmend die Rolle des zweiten Hauptdarstellers und sorgt mit lustigen Zwischenbemerkungen, gehaltvollem Background-Gesang und unorthodoxen Posaunen-Künsten für reichlich grinsende Gesichter in der Halle.

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Doch auch Tina Dico bringt sich nach anfänglicher Steifheit mehr und mehr in den Abend ein und beweist während des Songs You Wanna Teach Me To Dance gar ihre Tanzkünste: "Ich kann eigentlich gar nicht tanzen", entschuldigt sich die Sängerin. Die mittlerweile aufgetaute Fanschar sieht das allerdings anders und bejubelt jeden einzelnen Hüftschwung Dicos.

Bewegungsfeindliche Organisation

Natürlich versetzen vor allem ältere Songs die Anhängerschaft in Ekstase, aber auch neuere Stücke wie The Time Of Our Lives oder You Leave You Learn werden vom Publikum frenetisch gefeiert. Nach gut anderthalb Stunden hat das stimmgewaltige Treiben ein Ende und hunderte Hauptstädter verlassen dick eingepackt die Location, um sich vor den Toren noch der einen oder anderen Diskussionsrunde zu stellen. Thema: die Saalbestuhlung. Der allgemeine Tenor: ein gelungener Abend, der ohne bewegungsfeindliche Organisation vielleicht noch ausgelassener hätte verlaufen können. Das kann man so unterschreiben.

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