Es mag eine Weile her sein, dass "Gimme Tha Power" in deutschen Discos hoch- und runterlief. Jedenfalls hießen Discos damals noch Disco und nicht Club, und Molotov hatten ihr erstes Album draußen. Ungefähr sechs Alben später standen sie nun in Karlsruhe auf der Bühne des Substage.

Ein beachtlicher Teil der spanischsprachigen Bevölkerung Nordbadens hatte sich bereits frühzeitig auf dem Gelände des alten Schlachthofes eingefunden. Hispanisches Gebrabbel allerorten, fast wie im Urlaub: Karlsruhe, ein Vorort von Mexiko City. Eine Vorband war leider nicht vorgesehen, dafür brauchte man nicht allzu lange zu warten bis sich die vier Jungs von Molotov fast heimlich auf die Bühne stahlen. Vier Mal St.Pauli-Button-Jeans-Weste mit breitem Vollbart-Grinsen, einmal mit Gitarre, einmal mit Drums, der Rest mit Bassgitarre und für jeden ein Mikrofon. Zunächst schien noch irgendwo ein Besenstil im Radlager zu klemmen, und nur sehr zaghaft nahm der Abend an Fahrt auf.

Erst ein Griff in die Schatzkiste mit den Perlen von früher ließ den Funken überspringen: Chinga tu Madre von 1997. Jenes erste Album ¿Dónde jugarán las niñas? ist und bleibt eben der wahre Zündstoff dieser Truppe. Das Eis war gebrochen und die Menge jubilierte, auch wenn der Sound nicht ganz so knackig kickte, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte. Der ausgelassenen Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch. Gekonnt, schelmisch und schmissig vereinten Tito, Mickey, Paco und Randy schiere Härte mit beckenbodengymnastischen Grooves, punkiges Geschrabbel mit lateinamerikanischem Flair, Humor und Lebensfreude mit harscher Kritik am System.

Mehr oder auch weniger bekannte Hits wie Gimme Tha Power, Voto Latino oder Frijolero waren ebenfalls schnell zur Hand. Wie eingestreut wirkte da das neuere Songmaterial, das vom Publikum wohlwollend angenommen wurde. Der eigentliche Ausraster des Abends kündigte sich durch kurze Anspielungen bereits im Vorfeld an, wenn irgendwo im Hintergrund ein leises "Pu-to! ...Pu-to!" zu vernehmen war, oder auf einmal ganz kurz die berüchtigten Beatbox-Sounds erklangen. Bis Sänger Tito irgendwann die geradezu erlösenden Worte skandierte: "Que, muy machino? A muy machino? Marica nena, mas bien putino...!". Brillenträger hatten es in diesem Moment jedenfalls nicht gerade leicht.

Für eine ausgiebige Zugabe waren sich die Herren natürlich nicht zu fein. Zum großen Finale baten los de Molotov ihre weiblichen Fans auf die Bühne, die die Show zu den Klängen von Baila Rica Nena würdevoll und angemessen zu Ende brachten. Klatschnass geschwitzt und überglücklich wurde das vereinte Volk gegen 23 Uhr wieder nach Hause entlassen. Um es in ihren eigenen Worten zu sagen: "El Tito y el Huidos jamás seran vencidos!" (Sinngemäß: Tito und Huidos forever.)