Die aus Irland stammende Sängerin Wallis Bird ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Durch einen längeren Aufenthalt in Deutschland, der mit einem Auslandssemester an der Popakademie verbunden war, konnte sie mittels zahlreicher Auftritte und ihrer EP Branches Untangle an Aufmerksamkeit gewinnen. Nach eigenen Angaben fühlt sich Wallis Bird in Deutschland besonders gut aufgehoben und hat hier so etwas wie ein zweites Zuhause gefunden. Grund genug für sie, der neuen Heimat London kurzzeitig den Rücken zu kehren und erneut ein Konzert in Deutschland zu geben.

Mittlerweile ist Wallis bei dem Major Island/Universal gelandet und bekam die Möglichkeit, ihr neues Album Spoons in den legendären Abbey Road Studios aufzunehmen. Stetige Begleiter und fester Bestandteil ihrer Band sind die Brüder Michael Vinne am Bass und Christian Vinne am Schlagzeug, beide ebenfalls ehemalige Studenten der Popakademie Baden-Württemberg. Ort des Geschehens ist diesmal das wunderschöne Schloss Herrnsheim. Mit viel Mühe und Arbeit wurde aus dem Hof des Schlosses ein beachtenswerter Veranstaltungsort, der sich besonders gut für Live-Bands zu eignen scheint.

Los geht es pünktlich gegen 20 Uhr und eröffnet wird das Konzert von Fiach, einem guten Freund von Wallis. Nur ausgestattet mit einer Gitarre, trockenen Witzen und einer herausragenden Stimme kann dieser bereits ab dem ersten Song überzeugen. Musikalisch irgendwo zwischen M. Ward und Iron and Wine angesiedelt, präsentiert er souverän seine Folk-orientierten Songs. Einige CD-Verkäufe am gemeinsamen Merchandise-Stand mit Wallis sind ihm somit sicher.

Nach einer kurzen Pause betreten Wallis Bird und Anhang hoch motiviert die Bühne. Ein weiterer fester Bestandteil der Band ist Aoife O’Sullivan, die auf der Bühne mit einer E-Viola oder durch gelegentliche Gesangseinlagen ergänzt. Der Hof ist gut gefüllt und Wallis bedankt sich bei allen Anwesenden für ihr zahlreiches erscheinen, denn auf den Plakaten war – offenbar noch etwas ungewohnt für die Irin – einzig und alleine sie selbst als Haupt-Act angekündigt. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass Wallis zu Beginn ihres Auftritts etwas nervös und angespannt wirkt. Doch auch im späteren Verlauf der Show sollte dies nicht komplett verschwinden. Gespielt werden alle Hits der bereits veröffentlichten EP und natürlich neue Songs von Spoons. Schon nach wenigen Takten fällt die großartige Arbeit der Gebrüder Vinne ins Auge. Vor allem Christian überzeugt durch sein sensibles Schlagzeugspiel. Es fällt sehr dynamisch aus und liefert eine treibende Energie ab. Die Pausen zwischen den Songs werden dazu genutzt, das Publikum mit kleinen Geschichten bei Laune zu halten. Fraglich ist, ob so etwas auf einer riesigen Bühne funktioniert. Wallis Bird selbst sticht durch ihre Stimme sowie ihr exzessives Gitarrenspiel hervor. Beides wurde in den letzten Monaten offensichtlich noch besser und fordert gegen Ende sogar etwas Blut. Wie es sich jedoch für eine richtige Irin gehört, kann auch eine grobe Verletzung am Finger die Musikerin nicht davon abhalten eine ausdauernde Zugabe zu geben.

Alles in allem war dies ein solides Live-Konzert und die Erwartungen an das Album sind erneut gestiegen. Wallis Bird ist definitiv in der Lage Herzen für sich zu erobern, sei es musikalisch oder durch ihre charismatische Ausstrahlung.