Schlachthof, Wiesbaden – ein, wie sich später heraus stellen wird, phantastisches Konzert steht bevor: The Faint und Bright Eyes begeistern ihr Publikum mit einer gelungenen Mischung aus sehr unterschiedlichen Musikstilen. Dass die beiden Bands trotzdem so gut harmonieren, liegt wohl daran, dass sich die Besetzungen kaum unterscheiden.

The Faint treten auf die Bühne und versprühen ein Gefühl wie bei einer Zeitreise. Die 80er leben wieder; in ihren Outfits, ihren Frisuren, in ihrer Attitude und in ihren Bewegungen. Die Musik ist eine gewagte, aber gelungene Mischung aus Elektro-Beats, der dunklen Seite des New Wave und Rockelementen. Interessant ist die Synthese aus Streichern (eine Geige und ein Bass (?)) und Synthie-Sounds. Nicht nur ihre Musik ist ganz groß, sondern auch die Wirkung auf das Publikum. Die Musik wirkt wie eine Droge – aufputschend tanzbar. Das Publikum möchte sie nicht gehen lassen und „nötigt“ sie zu einer zweiten Zugabe. Nach gut einer Stunde genehmigt sich die Band und ihrem Publikum eine 15minütige Verschnaufpause, um neue Kräfte für Bright Eyes zu sammeln.

Begründet durch die Tatsache, das Bright Eyes eigentlich eine wechselnde Kombo von Musikern mit der Konstante ihres Frontmannes Conor Oberst ist, verwundert es nicht, dass eigentlich The Faint aufs Neue auf der Bühne stehen. Beide Bands kommen eben aus Nebraska und sind bei dem Indie-Label Saddle Creek unter Vertrag. Der Schnitt zwischen den beiden Bands scheint anfangs hart, was nicht zuletzt an dem gewaltigen Schlagwerk zweier Drumsets liegt, doch nach 1, 2 Songs versteht das Publikum diesen Cut. Poetisch-traurige Weltschmerz-Country-Folk-Songs passen eben doch zu dem Depeche Mode-Sound von The Faint. Das Conor Oberst nicht von ungefähr das Cover etlicher Musikzeitschriften ziert, beweist er durch sein musikalisches Multitalent. Mal spielt er Gitarre, ein anderes Mal sitzt er am Keyboard und am Sythezieser. Seine Stimme ist klar und wunderschön, seine Texte aussagekräftig. Der 1980 geborene Conor kann sich ohne Bedenken in die Reihe der talentiertesten Singer-Songwriter einreihen. Besonders gelungen ist die Mischung der Songs, die nicht nur aus den beiden konträren aktuellen Alben „I´m wide awake, it´s morning“ und „Digital ash in a digital urn“ stammen. Folk-Fans, ebenso wie Alternative-Fans kommen auf ihre Kosten. Conor wirkt in seinem schwarzen Outfit, seinem knabenhaften Gesicht und seiner Schüchternheit einfach so charismatisch, dass man (frau) kaum die Augen von ihm abwenden kann und jeden Augenblick mit ihm genießt. Er lebt für die Musik und seine Songs und das merkt man deutlich. So erinnert das Ende des Konzerts an das Erwachen aus einem schönen Traum, an den man immer wieder mit Sehnsucht und einem Lächeln zurückdenkt.