Zum vierten Mal stellt Deutschland eine europäische Kulturhauptstadt. Die frühere Karl-Marx-Stadt lädt unter dem Motto "C the Unseen" ein, bislang Ungesehenes zu entdecken. An der Eröffnungsfeier nahmen fast 80.000 Besucherinnen und Besuchern teil.
Einzigartiges Kulturprogramm
Rund zwei Millionen Besucherinnen und Besucher erwartet die Stadt im Laufe des Jahres. Zu den Programmpunkten zählen unter anderem eine große Ausstellung des Malers Edvard Munch über das Thema "Angst" und ein Kunstpfad "Purple Path", der die Stadt mit den umliegenden Orten verbindet.
Ein besonderes Highlight des Kulturprogramms wird eine Marathonstrecke sein, die mit Musik von Klassik bis Elektro zur längsten Bühne der Welt verwandelt werden soll. Zudem werden Garagen zu Orten des sozialen Austauschs und Erfindungsreichtums umfunktioniert.
Chemnitz habe einen ganz anderen Ansatz als frühere Kulturhauptstädte, verkündet der Programmgeschäftsführer Stefan Schmidtke: "Das Programm kommt von den Menschen aus Chemnitz und der Kulturhauptstadtregion, ihren Initiativen und ihren Ideen."
Die Stadt wolle sich als lebendige und vielfältige Stadt mit Narben und Brüchen zeigen, betont Oberbürgermeister Sven Schulze. "Sie werden hier keine Hochglanzbroschüre vorfinden."
Wer Chemnitz nicht kennt hat viel verpasst
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ermutigte die Besucherinnen und Besucher während der Eröffnungsfeier dazu, die Stadt zu erkunden. "Wer Chemnitz bisher nicht gesehen hat, wer es nicht kannte, der hat bereits viel verpasst."
Zehntausende haben den offiziellen Start in das Kulturhauptstadtjahr gefeiert. Die Bühnenshow am Karl-Marx-Monument begeisterte die Menge mit Acts wie Bosse, Paula Carolina, Omar Massar und Fritz Kalkbrenner.
Bunter Protest gegen rechte Demo
Am Eröffnungstag haben Rechtsextreme gegen Chemnitz als Kulturhauptstadt demonstriert, doch nicht ohne Widerstand. An der Demo der rechtsextremistischen Kleinstpartei Freie Sachsen nahmen laut Polizei knapp 400 Menschen teil. Wegen "ausländerfeindlicher Gesänge und Rufe" werde nun wegen Volksverhetzung ermittelt.
Die Gegendemo zählte mit rund 1000 Menschen jedoch deutlich mehr Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die sich für eine Stadt mit Weltoffenheit, Vielfalt und Respekt untereinander einsetzten.
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, betont:
"Ich freue mich sehr darüber, dass wir in diesem Jahr eine europäische Kulturhauptstadt in Deutschland haben. Chemnitz wird sich als weltoffene und bunte Kulturstadt zeigen und legt besonderen Wert auf eine breite Partizipation der Bevölkerung.Genauso soll und muss Kultur sich zeigen und sich damit auch gegen Versuche, Diversität und Vielfalt in der Kultur einzuschränken, zur Wehr setzen."



