Torsten Walker

Torsten Walker © Frank Robert

Als Booker hinter der Bühne. Als Musiker auf der Bühne. In der Kneipe am Kicker. Bei Konzerten im Publikum. Für seine Leser im Blog. Für die Hörer im Radio. Torsten Walker war eine musikbesessene Szenegröße und ein toller Mensch, geschätzt für sein musikalisches und politisches Engagement. Am 30. Juni verstarb er im Kreise seiner Familie und Freunde im Alter von nur 52 Jahren an Krebs.

Torsten Walker war über mehrere Jahrzehnte hinweg ein fester Bestandteil der Musikszene im Rhein-Neckar-Delta. Stets präsent, nahbar, emotional, humorvoll, hilfsbereit, immer fair und ständig aktiv. Den Mannheimer Underground hat er mit seinem Wirken nachhaltig geprägt.

Doch Torstens Schaffen begrenzte sich nicht nur auf seine Stadt. Die mittel- bis süddeutsche DIY-Szene achtete und schätzte ihn für seine Arbeit. Seine Vernetzung reichte von Frankreich bis Berlin.

Musiker, Aktivist und Netzwerker

Sein untrügliches Gespür für gute Musik zeichnete Torsten aus. Doch beim reinen Musikhören blieb es für ihn nie, auf keiner Ebene. Es ging ihm immer um die Sache als solche. Er saugte Sounds auf, sammelte alles Wissen zu Bands und Musikern und war getrieben davon, all dies Anderen zu präsentieren und sie mit seiner Leidenschaft anzustecken.

So buchte er Bands wie The Ex, The Notwist oder oder die bis heute nicht aus dem deutschen Punk-Undergrund wegzudenkenden Guts Pie Earshot auf die legendäre Bühne des alten JUZ – damals inmitten der Mannheimer Quadrate in O4,8 gelegen, ganz zentral, und genau da gehörten diese Klänge hin.

Als Musikblogger und Radiomacher setze er dies später fort. Auf seiner Website RRRsoundz analysierte er die Musik ins Detail. Er blieb immer auf der Suche nach dem interessanten Unbekannten. Natürlich trieb es Torsten auch selbst ans Instrument. Unvergessen die Zeit, als er Bassist von "Party Killing Service" war, einer Crossover-, Post Hardcore- und Alternative-Band.

Die Band spielte Gigs und Festivals sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Und vor Ort in Mannheim machten sie Locations klar, von denen vorher niemand dachte, dort jemals solche Töne hören zu können. Das Band-Logo PKS klebte weiß-auf-schwarz als Aufkleber in jeder Kneipe der Region und wer über Musik aus Mannheim sprach, kam um diese Gruppe nicht herum.

Hinzu kamen schon früh in den 1990er Jahren viele weitere Kollaborationen und musikalische Konstellationen wie "Abenteuer unter Tage", "Klanghaus", "Schachtfest", "Blockhaus LU" und das AZ Heidelberg, um nur einige zu nennen. Torsten ist Gründungsmitglied des Polit-Kollektivs "ASV Jungbusch".

DJ und Musikreisender

Torsten war oft im Old Vienna in Mannheim anzutreffen, wo er eher Milchkaffee als Bier trank. In anderen Szenekneipen wie dem Contra'N, dem Blau, Zum Teufel, der Nachtschwärmerboutique und dem Einraumhaus legte Torsten als Live-DJ auf. Auch bei den Brückenaward-Aftershows spielte er seine Sets.

Das obige Foto zeigt Torsten 2017 bei DJ-Vorbereitungen am Einraumhaus c/o (Aufnahme: Dagmar Eckhardt).

Aber so gern er in den Mannheimer Szene-Locations verweilte, so sehr blieb er stets er auch ein manischer Besucher von Konzerten und Musikfestivals, nach denen er regelrecht forschte, immer auf der Suche nach Neuem, Unbekanntem, Interessantem. Durch Reisen nach England, Belgien und in die Niederlande lebte er diesen Drang aus. Oft brach er auch zu längeren Trips auf, um seine liebsten Bands auf Tour zu begleiten.

Notwist begleitete er als Megafan unzählige Mal auf Gigs und blieb ein stetiger Unterstützer. Ende der 90er Jahre war Torsten für die Weilheimer sogar kurze Zeit als Gastmusiker unterwegs. Auch zu Motorpsycho unterhielt er als Fan und ständiger Gigbegleiter eine enge Beziehung. Eine Zeit lang war er offizieller Blogger und Archivar der Band und pflegte auch privat Kontakt zu den Norwegern. Ihm unvergessen war eine gemeinsame Silvesterfeier in einer Blockhütte im norwegischen Trondheim.

Blogger, Radiomacher und Musikanalyst

Aufgrund seiner Krankheit zog sich Torsten ab 2015 immer mehr aus dem Nachtleben zurück und konzentrierte sich auf seine Radiosendung "RRRsoundz" beim bermudafunk (Sendungsarchiv bei mixcloud) mit demselben Sendungsbewusstsein, das ihn schon immer ausgezeichnet hat.

Der Aufwand für seine musikjournalistischen Recherchearbeiten, Auswertungen und Präsentationen betrug in der Woche zwischen 20 und 30 Stunden! Dies stemmte er neben seiner Arbeit als Gestalter und Techniker in einer Mannheimer Agentur. Bis zum Schluss. So gut es ging.

Auf seinem Blog umschrieb er seinen Antrieb so:

"Nach zehn Jahren Pause festgestellt, dass ‚World Police and Friendly Fire‘ (und noch so einiges was seitdem passiert ist) mich aus dem Tal begleitet und nicht etwa der Mönch, der Holzfäller oder der Samurai (auch nicht der Dieb oder der Koch). Die eigene Rezeptionsgeschichte im Zeitraffer neu aufbereitet und jetzt wieder da angekommen, wo ich schon einmal war: alles geht, zuweilen auch am DJ-Pult."

Nun lässt uns Torsten alleine auf unserem weiteren Weg, die beste Musik zu entdecken und für die "Leidenschaft Musik" zu 100 % zu leben. Er hat's vorgemacht. Von Köln nach Kaiserslautern über Mannheim nach Freiburg/Schopfheim bis Basel – die Trauer ist groß.

Abschied

Torsten Walkers Nachlass, der tausende Platten, CDs und sein Equipment umfasst, wird nach seinem Willen verkauft. Sein Wunsch war, dass der Erlös an die Deutsche Krebshilfe geht. Weitere Infos dazu werden bald hier bekannt gegeben.

Die Beisetzung findet am 17. Juli 2020 um 11 Uhr auf dem Waldfriedhof in Mannheim-Gartenstadt statt.

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