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EinTanzHaus (2017) © Lys Y. Seng

Am 30. September eröffnet das EinTanzHaus in der Trinitatiskirche in den Mannheimer Quadraten. Das Programm für die ersten drei Monate lässt Großes hoffen, zumal sich das Innere des Gebäudes geradezu spektakulär präsentiert.

In Windeseile hat das Organisatorenteam die Mannheimer Trinitatiskirche im Quadrat G4 zu einem multikulturellen Veranstaltungsort umgerüstet. Ein vielversprechendes Programm soll sowohl zu einer Aufwertung des Viertels führen als auch das künstlerische Leben der Stadt Mannheim befruchten.

Ambitioniertes Unterfangen

Aufgrund der demographischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte mangelte es der ansässigen evangelischen Glaubensgemeinde zusehends an aktiven Kirchengängern. Für die leerstehende Kirche wurde daher 2015 eine Ausschreibung über eine potentielle Zwischennutzung für die nächsten fünf Jahre gestartet.

Die künstlerischen Leiter, Daria Holme und Éric Trottier, gewannen mit ihrem Konzept des EinTanzHauses den Wettbewerb und gaben sich die vergangenen zwei Jahre alle Mühe, ihre Vision in die Realität umzusetzen. 

Die Kirche in neuem Glanz

Dabei wollten die Initiatoren des EinTanzHauses ihre Pläne eigentlich an dem räumlichen Konzept des Mannheimer Einraumhauses am Alten Messplatz ausrichten. Angesichts der Mühe, die das Künstlerduo bei der Raumgestaltung der Kirche bis heute an den Tag gelegt hat, kann man diesen Umstand nur als Glücksfall bezeichnen.

Das Interieur des Sakralbaus wird durch die ca. 200m² große Bühnenfläche zu neuem Leben erweckt, ohne seine spirituelle Ausdrucksstärke einzubüßen. Durch das Anbringen der alten Kirchenbänke in der Zuschauertribüne trägt das Mobiliar zum bewussten Erhalt der sakralen Erbsubstanz des Gebäudes bei. Das Ergebnis ist ein fast überwältigend schöner Innenraum.

Eine neue Gemeinde

In Analogie zum Messdienst wurde bei der Raumkonzeption bewusst die Nähe von darstellenden Künstlern zum Publikum gesucht. Die maximal 200 Besucher genießen von jedem Punkt hervorragenden Blick auf die ungewöhnlich große Bühne.

Auch für die Künstler bietet das Konzept viele Vorteile, da sie ganz auf Tuchfühlung mit dem Publikum agieren. Durch die ausgestattete Fußbodenheizung als auch dem Einsatz von LED-Strahlern präsentiert sich das neue Gemeindehaus modern und zukunftsorientiert.

Zahlreich unterstützt

Um die Kosten für das Projekt zu stemmen, wurde das EinTanzHaus von verschiedenen Seiten gefördert. Die Evangelische Kirche investierte mehr als eine Million Euro, um das Gebäude grundlegend zu überholen. Die Stadt Mannheim beteiligte sich mit einer Investitionsförderung von 150.000€ und stellte weitere 50.000€ für den Betrieb in den ersten Monaten bereit.

Weiterhin trugen Zuwendungen der Baden-Württemberg Stiftung und von LOTTO Baden-Württemberg zur Umsetzung des Projekts bei.

Äußerst reichhaltig

Das vorläufige Programm präsentiert sich als Mischung aus Kursprogramm und Tanzveranstaltungen, zu denen noch einzelne musikalische Events treten. Das Kursprogramm beinhaltet tagsüber Profitraining, kreativen Kindertanz, Yoga, Breakdance und zahlreiche andere Angebote.

Abends finden dann Tanzveranstaltungen bzw. Konzerte statt, die sich in den ersten drei Monaten auf die Wochenenden konzentrieren.

Highlights im Oktober

Der Startschuss fällt am 30. September. Dann können sich interessierte Bürger bei der großen Eröffnungsfeier ab 18 Uhr zu einer Tanzgala auf dem Vorplatz des Kirchengeländes einfinden, die mit einem eintrittsfreien Live-Konzert ab 20 Uhr weitergeführt wird. 

Am 6. Oktober beginnt dann das eigentliche Rahmenprogramm mit der Wiederaufnahme des Bühnenstücks "E.G.O." von EinTanzHaus-Mitgründer Trottier, bei der vier Tänzer essentielle Lebensfragen choreografisch zur Schau stellen. Die Inspiration für das Werk liegt dabei in Slavoj Zizeks Werk "How To Read Lacan".

Ab dem 15. Oktober wird das EinTanzHaus zur Brutstätte. Mit "KnockKnock" wird einerseits ein Kinderstück aufgeführt, wobei man sich beim interaktiven Diskurs in "Brüten" mit dem künstlerischen Schaffensprozess auseinandersetzen wird. 

Ein besonderes Schmankerl stellt der Auftritt von Keiko Shichijo im Rahmen des EnjoyJazz Festivals dar. Bei der Neuinterpretation des armenischen Priesters und Folklorekomponisten Komitas Vardapet wird das La_Trottier Dance Collective zum Klavierspiel der japanischen Pianistin einen interessanten Spagat zwischen Piano-Jazz und improvisierter Körperkunst präsentieren. 

Hier geht's zum gesamten Programm des EinTanzHauses.

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