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Supercopy (2017) © Supercopy

Das Supercopy - Internationales Samplingfestival geht nach seinem Erfolg im Jahr 2015 in die zweite Runde. Künstler aus drei Kontinenten behandeln Chancen, Grenzen und Machtverhältnissen im Rahmen der kulturellen Globalisierung.

Beim Supercopy Festival vom 5. Mai bis zum 20. Mai 2017 spielt Migration eine zentrale Rolle. Was lässt sich von kultureller Migration für die zeitgenössische Ästhetik und Ethik des Kopierens lernen?

Ausgehend vom Sampling in der Hip-Hop-Kultur geht Supercopy 16 Tage lang auf eine Weltreise durch verschiedene Felder der Kunst, Wissenschaft und politischen Ökonomie.

Die Idee hinter dem Supercopy - Samplingfestival

Bereits 2014 hatte Sören Gerhold, Geschäftsführer der Alten Feuerwache, die Idee im Café der Alten Feuerwache eine kleinere Veranstaltung zu dem Thema Sampling zu machen. Schnell stellte sich heraus, dass das Thema so umfangreich ist, dass es gleich für ein ganzes Festival reicht. Gemeinsam mit Festivalleiter Matti Kunstek wurde ein umfassendes Programm geschaffen, das für die Ausgabe 2017 noch einmal bedeutend erweitert wurde.

Hinzugekommen sind außerdem neue Förderer wie das Goethe-Institut und Partner wie Port25. Aus dieser Zusammenarbeit ist ein interdisziplinäres Festivalprogramm entstanden. An 16 Tagen werden insgesamt 30 Veranstaltungen an den fünf Veranstaltungsorten Alte Feuerwache, zeitraumexit, Port25, Odeon Kino und Kurzbar stattfinden.

Während der Fokus im Jahr 2015 mehr auf dem Bereich Copyright lag, ist das Festivalprogramm 2017 stärker auf internationale und kulturelle Unterschiede des Kopierens ausgerichtet. Das Festival befasst sich nun nicht mehr nur mit Musik, sondern auch mit Film, Fotografie, Performances und Kunst.

Einige Highlights aus dem umfangreichen Programm

Mit einem Festivalprogramm, das sich über 16 Tage erstreckt, hat Supercopy 2017 einiges zu bieten. Da das Pogramm einer Wundertüte voller Konzerte, Ausstellungen, Vorträgen, Workshops, Filmvorführungen gleicht, haben wir euch nur einige Highlights herausgesucht.

Musikalische Highlights

Für eines seiner legendären Live-Sets kommt am 6. Mai die US-amerikanische Sampling-Legende und einer der einflussreichsten Hip Hop-Produzenten DJ Jazzy Jeff in die Alte Feuerwache. Als "Digger“ sucht er außerdem nach Samples und deren Herkunft. Zusammen mit Will Smith gewann er 1987 als DJ Duo Jazzy Jeff & The Fresh Prince den ersten Grammy Award in der Kategorie Rap – mit einem Song, der offensichtlich gesampled war.

Ein anderes Highlight in der Alten Feuerwache ist der Besuch von Musikjournalist Falk Schacht am 14. Mai. Als Talk-Gast wird er über Musik und das Thema Sampling sprechen. Später lüftet er bei einem Vortrag auch ein 20 Jahre altes Samplinggeheimnis, nämlich woher der legendäre DJ Premier seine Sounds "klaut“. Damit ist er der Erste, der den Ursprung der Samples finden konnte.

Eine Besonderheit im zeitraumexit ist die Performance "Arirang – Wo ist Nordkorea?" von Christine Chu. Am 12. Mai kombiniert sie biografisch-dokumentarische Fragmente mit Tanz und Musik zu einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit der bewegten Lebensgeschichte ihres in Nordkorea geborenen Vaters und nähert sich so ihren eigenen Wurzeln. Dabei werden Weltgeschichte und individuelles Schicksal auf intensive Weise verknüpft. Das titelgebende koreanische Volkslied "Arirang" dient als musikalisches Leitmotiv und steht sowohl für die Sehnsucht nach Heimat als auch für die Entfremdung von ihr.

Das Programm im Programm – Madrassa Collective 

Ein Programm im Programm stellt der BAZAR des Madrassa Collective dar. Vom 9. bis zum 14. Mai wird das internationale Kurator/innen-Kollektiv ein eigenes Programm bei zeitraumexit präsentieren. In Lesungen, Filmen, Diskussionen und Performances greift Bazar mit Förderung des Goethe-Instituts die Themen kultureller Aneignung unter den Vorzeichen weltweiter Migration auf.

Ab dem 19. Mai gipfelt dies in der Abschlussausstellung Supercopy – Worldcopy im Port 25. Bis zum 2. Juli werden 20 Künstler, vier davon vom Madrassa Collective, in verschiedenen Gattungen ihre Kunst vorstellen. Das grundsätzliche Thema dabei ist natürlich das Kopieren.

Auch der Port25 bietet ein Rahmenprogramm, so wird zum Beispiel Ende Juni der Philosoph Florian Arnold einen wissenschaftlichen Vortrag zu dem Thema halten ob das Kopieren von Kunst notwendig ist, um ein Original zu schaffen.

Diese Filme werden gezeigt

Im Odeon Kino werden während des Festivals zwei Filme gezeigt, "Das Glücksdorf – Double Happiness" am 16. Mai und "Crumbs" am 18. Mai. Für den Titel ihres ersten Dokumentarfilms wählte Ella Raidel den Begriff "Double Happiness", denn dieser beschreibt in der chinesischen Kultur jenes Glück, das sich automatisch verdoppelt, wenn zwei Menschen beschließen für immer miteinander zu leben.

Ausgehend von der Tatsache, dass das österreichische Dorf Hallstatt in China zumindest in Teilen maßstabsgetreu nachgebaut wurde, wirft Raidel einen sehr präzisen Blick auf fernöstliche Land und behandelt an diesem Beispiel das Verhältnis von Tradition, Moderne und Zukunft.

Abgeschlossen wird das Festival mit einer After Festival Party am 20. Mai in der Kurzbar. Hier wird Haltsmaulwurf aus Heidelberg zusammen mit anderen DJ Sets von Festivalbeteiligten auflegen.

Das Mannheimer Erbe der Weltkulturen – Die Ausstellung

Begleitend zum Supercopy Festival findet auch die Ausstellung "Das Mannheimer Erbe der Weltkulturen" statt. Vom 8. Mai, über das Ende des Festivals hinaus, bis zum 4. Juni wird die Ausstellung im zeitraumexit zu sehen sein.

Als erste Stadt hat Mannheim eine eigene Liste ihres kulturellen Erbes erschaffen. 96 Beiträge von Objekten, Traditionen und Orten in der Stadt sind mittlerweile in der Liste enthalten. Das Mannheimer Erbe der Weltkultur wird in einer Ausstellung in den Räumen von zeitraumexit und im Rahmen von Stadtführungen der Öffentlichkeit präsentiert. Die Führungen finden an vier Samstagen im Mai und Juni zu Fuß oder mit dem Rad statt. Die Führung bietet neben Hintergrundinformationen zum Projekt und den einzelnen Mannheimer Stätten der Weltkulturen kulinarische Kostproben und performative Beiträge, was einen neuen Blick auf die Stadt mit sich zieht. Die Führungen enden bei der Ausstellung im zeitraumexit.

Symposium "Lebendiges Kulturerbe"

Doch was hat das Kulturerbe jetzt eigentlich mit Sampling zu tun? Einen Zusammenhang zeigt das Symposium "Lebendiges Kulturerbe – unter den Vorzeichen globaler Mobilität". Um das kulturelle Erbe in der Diaspora zu bewahren, spielen Kopien eine bedeutende Rolle innerhalb der verschiedenen Lebenswelten.

Das "Lebendige Kulturerbe" hinterfragt: Was ist echt, was verfälscht, was ist schützenswert und was bedeutet kulturelle Identität in einer globalisierten Welt? Aneignungs- und Identifikationsprozesse sind komplexe, grenzüberschreitende, kulturübergreifende sowie kreative Ausdrücke, die unser kulturelles Erbe in einer globalisierten und mobilen Welt neu denken, umdenken, transferieren, weitergeben und erschaffen lassen.

Supercopy vereint

Das Supercopy vereint auf interdisziplinäre Art und Weise die verschiedenen Kunstbereiche des Samplings. Das Besondere ist, dass die einzelnen Veranstaltungen miteinander verbunden sind und nicht nur zum Nachdenken über das Kopieren anregen, sondern auch kulturelle Unterschiede ansprechen. Dies wird unterstrichen durch die internationalen Mitwirkenden des Festivals. Von Afrika über Amerika nach Europa – die Künstler stammen aus verschiedensten Kulturkreisen und bieten so die unterschiedlichsten Sichtweisen zum Thema Sampling.

Die Veranstalter des Supercopy Festivals erklären, dass es auch für die nächsten Jahre noch viel Stoff zum Thema Sampling und Kopieren gibt, zum Beispiel in der Mode oder Architektur. Sie planen das Festival weiterhin alle zwei Jahre auszurichten. Auf eine Fortsetzung darf man sich also freuen.

Supercopy - Internationales Sampling Festival 2017

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