Umo Jazz Orchestra (live in Hamburg, 2015)

Umo Jazz Orchestra (live in Hamburg, 2015) © Rainer Merkel

An der musikalischen Qualität des Elbjazz Festivals in Hamburg gab es nie einen Zweifel, aber die finanzielle Lage des Jazzfestivals zwingt die Veranstalter, 2016 zu pausieren und 2017 einen Neuanfang zu wagen. Mitverantwortlich dafür: das Wetter.

Kurz vor Weihnachten kam die Hiobsbotschaft: Es wird im Jahr 2016 keine siebte Ausgabe des Elbjazz Festivals geben. Das Festival mit Spielorten rund um den Hamburger Hafen hatte nie die angestrebten Zuschauerzahlen erreicht. Geschäftsführerin Tina Heine sprach von Verlusten in Höhe von einer Million Euro, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hätten.

Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft des Festivals führten nun dazu, dass Festivalgründerin Heine ihres Postens enthoben wurde. Die Geschäftsleitung übernehmen die Konzertveranstalter Folkert Koopmans (FKP Scorpio) und Karsten Jahnke, die bisher Gesellschafter gewesen waren.

Neustart mit neuem Konzept

In einer Pressemitteilung kündigen die Veranstalter an, das Elbjazz Festival weiterentwickeln zu wollen und 2017 mit einem überarbeiteten Konzept neu zu starten. Jahnke, der gegenüber dem Hamburger Abendblatt davon sprach, dass mindestens 8000 Zuschauer pro Tag nötig seien, um schwarze Zahlen zu schreiben, möchte weniger Bühnen bespielen und für kürzere Wege sorgen.

Sicher waren einige Besucher zu Recht frustriert, wenn sie nach längerer Barkassenfahrt vor mittlerweile überfüllten Konzertlocations warten mussten. Doch das Festival hat weniger ein Entfernungs- als ein Wetter-Problem.

Hamburg im Mai = Regen

Dass das letzte Maiwochenende im Norden mit großer Wahrscheinlichkeit ein meteorologisches Desaster bietet, hätten die Festivalmacher nach den Jahren 2013 und 2014 erkennen müssen. Doch auch 2015 stand der Termin – und offenbarte mit Dauerregen und Temperaturen unter 10°C einen neuen Tiefpunkt. Insofern ist Jahnkes Idee begrüßenswert, mehr Indoor-Bühnen aufzubieten.

Allerdings will der Konzertveranstalter im selben Atemzug auch die Zahl der Bühnen reduzieren und sich auf das Blohm&Voss Werftgelände konzentrieren. Damit gefährdet er den in der Pressemitteilung angepriesenen Status als "unverwechselbares Entdecker-Festival". Denn auch wenn Blohm&Voss mit seinem Industriecharme ein einzigartiger Schauplatz ist, so fanden viele der spannendsten Konzerte in den kleinen Spielorten statt. Die Mitternachtskonzerte in der St. Katharinen-Kirche oder die Jamsessions im Bauch des Frachters MS Stubnitz verliehen dem Elbjazz seinen Charme.

Rückschlag für die Hamburger Jazzszene

Die Absage des 2016er-Festivals ist ein Nackenschlag für die ohnehin darbende Jazz-Szene in Hamburg. Zwar gibt es in der Hansestadt kleine Clubs wie Golem, Birdland oder Hafenbahnhof, die Newcomern regelmäßig eine Bühne bieten, aber im Gegensatz zu Städten wie Berlin oder Köln finden etabliertere Acts wie Nils Wogram oder Phronesis hier nicht das 200-300köpfige Publikum vor, das sie verdienen.

Ob die Festival-Finanzierung 2017 einfacher wird, steht in den Sternen. Sponsoren werden nach der Zwangspause verunsichert sein, und es ist keineswegs gesichert, dass die Kulturbehörde den Zuschuss für das Festival von zuletzt 100.000 auf 200.000 Euro erhöhen wird, wie von den Organisatoren erhofft.

Bleibt die Frage des Wetters. Was spricht eigentlich dagegen, das Festival im stets deutlich angenehmeren Juni stattfinden zu lassen?

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