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© Daniel Nagel

Das Kreativwirtschaftszentrum C-HUB im Mannheimer Stadtteil Jungbusch nimmt nach und nach handfeste Formen an. Was zurzeit noch ein Rohbau ist, wird im März 2015 seine Tore öffnen. Wir haben uns das Gebäude genauer angesehen und berichten über den neuesten Stand der Dinge.

Schon im Juli gab die Stadt Mannheim erste Details zum Kreativwirtschaftszentrum C-HUB im Jungbusch bekannt, nun gab es bei einem Presserundgang Gelegenheit, den Rohbau, der schon bald eine Andockstation für Kreative und junge Unternehmen sein soll, näher zu erkunden. 

Reduktion auf das Wesentliche

Ingo Pelchen von Hartwig Schneider Architekten gewährte zusammen mit Kulturbürgermeister Michael Grötsch, Stefan Grether von der Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim, Frank Zumbruch, dem künftigen Leiter des C-HUB und weiteren Verantwortlichen Einblick in das Gebäude gewährt, erläuterte Grundprinzipien und Ziele des Projektes und beantwortete Fragen.

Schlüsselelement bei der Gestaltung ist laut Architekt Ingo Pelchen vor allem eins: die Reduktion auf das Wesentliche. Ohne unnötigen Schnickschnack ist das Gebäudekonzept sparsam und flexibel, um dem industriellen Charakter der Umgebung zu entsprechen, aber auch um die Konzentration auf das Wichtigste zu lenken, nämlich die kreative Arbeit und den kreativen Austausch.

Kreative Hafenmeile

Der Standort für das Kreativwirtschaftszentrum wurde bewusst gewählt. Entscheidend für die Wahl des Jungbuschs war nicht nur die besondere Atmosphäre des Ortes oder die gute Lage direkt am Verbindungskanal, sondern vor allem die Tatsache, dass sich das Zentrum städtebaulich und strategisch hervorragend in die Umgebung einfügt

In den letzten Jahren kristallisierte sich der Jungbusch immer mehr als kreatives Zentrum der Stadt Mannheim und als Anlaufstelle für Künstler heraus. Kleinere Unternehmen, aber auch größere kulturelle Einrichtungen wie die Popakademie oder der Musikpark haben sich hier niedergelassen, das C-HUB mit seinem wirtschaftlichen Fokus erscheint als perfekte Ergänzung.

Auch äußerlich passt sich das C-HUB an den industriellen Charakter der Umgebung an. Allein schon durch seine Höhe und seine prägnante Struktur steht das Gebäude in direktem Bezug zu den Industriedenkmälern Kauffmannmühle und Speichergebäude, auch farblich soll es mit diesen in Bezug treten.

Raum zum Atmen

Ein offener Werkstattcharakter zählt zu den Grundprinzipien bei der Planung und Umsetzung des C-HUB. Die Wände sind aus blankem Beton und können von den Mietern frei gestaltet werden. In der allseitig einsehbaren Erdgeschosszone befindet sich der Eingangsbereich die Verwaltung und Showrooms, die als Läden oder Werkstätten genutzt werden können.

Aber auch in den oberen Geschossen wird der kreative Austausch zwischen den einzelnen Parteien gefördert: Kommunikations- und Pausenbereiche laden zum kommunikativen Miteinander ein. Versetzbare Trennwände, ein modulares Heizungssystem und Hohlraumböden ermöglichen, auf die Bedürfnisse der Mieter flexibel zu reagieren. Die kleinstmögliche Büroeinheit beträgt 25qm.

Die deckenhohen Fensterflächen sorgen für lichtdurchflutete Arbeitsplätze, lassen sich aber auch mit einem außenliegenden Sonnenschutz vor zu großer Sonneneinstrahlung schützen. Über einen begehbaren Sims lassen sich die Fensterflächen vergleichsweise leicht reinigen. Dazu gibt es Besprechungsräume mit besonderen Deckenelementen, die für eine bessere Akustik sorgen.

Gastronomie und Galerie

In der Lagerhalle, dem zweiten Baukörper des Projekts, wird auch ein gastronomischer Bereich und ein Veranstaltungsraum für die öffentliche Gemeinschaftsnutzung des Zentrums vorhanden sein. Der 475qm große Ausstellungsraum im Obergeschoss wird die städtische Galerie beherbergen. Ein unterirdischer Verbindungsgang ermöglicht es, zwischen beiden Gebäuden zu wechseln.

Die denkmalgeschützte Vorderseite der Lagerhalle blieb erhalten, während der restliche Teil des alten Gebäudes weder erhaltenswert war noch aufgrund seiner Baufälligkeit erhalten werden konnte.

Planung in weiser Voraussicht

Doch auch bei einem planmäßig so ausgereiften Projekt gibt es natürlich Probleme. So ist die Parksituation im Jungbusch allgemein sehr schwierig und auch Mietern und Besuchern des Kreativwirtschaftszentrum dürfte die Parkplatzsituation einige Sorgen bereiten. Stellplätze sind lediglich auf dem fünf Minuten vom Gebäude entfernten Parkplatz am Neckarufer vorhanden. Angesichts der Größe des Gebäudes scheint diese Lösung nicht optimal zu sein. Eine stets hochwassergefährdete Tiefgarage wollte die Stadt aber nicht bauen.

Allgemein scheint man aber aus Problemen bei vorherigen Projekten dieser Art gelernt zu haben. So weist der benachbarte Musikpark bauliche Mängel auf, die eine Generalsanierung des Gebäudes in den nächsten Jahren notwendig machen. Das C-HUB scheint einige dieser Fehler zu vermeiden. Es sind zwei Fahrstühle vorhanden, Heizung und Kühlung entsprechen modernen Standards und die Fenster kann man tatsächlich auch öffnen.

Allgemein verspricht das Projekt einiges. Doch gerade durch die Ansiedlung im Jungbusch darf man einiges vom C-HUB erwarten. Junge Unternehmen dürfen sich über eine neue Anlaufstelle freuen, Anwohner über die kulturelle Erweiterung des Viertels, und bereits niedergelassene Unternehmen auf interessante Zusammenarbeit mit dem neuen Zentrum.

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