Ende der 1990er Jahre bricht die Familie des sechzehnjährigen Jay aus Kuala Lumpur in den Süden Malaysias auf, um Haus und Land des verstorbenen Großvaters zu übernehmen. Die dazugehörende Farm ist jedoch längst verfallen, und die Obstplantage leidet unter der anhaltenden Dürre. »Ein Streichholz genügt, und das Land geht in Flammen auf«. Jay soll sich auf Geheiß seines strengen Vaters um die Plantage kümmern, obwohl es aussichtslos scheint. Dabei hilft ihm Chuan, der Sohn das Farmvorstehers, zu dem Jay sich unmittelbar hingezogen fühlt.
In »Der Süden« (Luchterhand, Übersetzung: pociao und Roberto de Hollanda) erzählt Tash Aw leise und eindringlich von schwulem Begehren und von Familie als Schauplatz gesellschaftlichen Wandels: Jays traditioneller Vater bleibt in alten Strukturen verhaftet, während die Mutter um ihre Unabhängigkeit ringt. Die älteren Schwestern wollen dagegen studieren, und Jay lebt seine Homosexualität, die in Malaysia unter Strafe steht, selbstbewusst aus.
Tash Aw wurde als Kind malaysischer Eltern in Taiwan geboren und wuchs in Kuala Lumpur auf. Seine Romane waren dreimal für den Booker Prize nominiert, wurden in 23 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Moderation: Yael Inokai Deutsche Lesung: Uğur Taşbilek
Mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien
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