Wie lässt sich Gegenwart erzählen, wenn sie sich längst in viele Wirklichkeiten aufgespalten hat? Marius Goldhorn, Literaturpreisträger der deutschen Wirtschaft 2026, liest aus »Die Prozesse« – einem Roman, der genau dort ansetzt: in den Übergängen zwischen analog und digital, zwischen politischer Lage und persönlichem Empfinden, zwischen Nähe und Kontrollverlust.
Wir bewegen uns in ein Brüssel der nahen Zukunft. Klimakrise, geopolitische Spannungen, virtuelle Räume – alles ist gleichzeitig da, überlagert sich, verschiebt Wahrnehmungen. Mittendrin: zwei Figuren, deren Beziehung ebenso fragil ist wie die Welt, in der sie sich bewegen. Goldhorn erzählt leise, präzise, oft lakonisch und gerade deshalb mit großer Sogwirkung.
Die szenische Lesung wird gemeinsam vom Autor Marius Goldhorn und dem Schauspieler Max Gindorff vom Berliner Ensemble gestaltet. Durch das Zusammenwirken beider Stimmen wird der Text szenisch erfahrbar und eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf seine sprachlichen und inhaltlichen Ebenen.
Im anschließenden Gespräch mit der Autorin Enis Maci (Preisträgerin Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2019) spricht Marius Goldhorn über den Entstehungsprozess des Romans, um das Schreiben über Gegenwart und Zukunft sowie um die Frage, wie Literatur komplexe Wirklichkeiten fassen kann, ohne sie zu vereinfachen.
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