Sea Girls

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Sea Girls, Köln

Jan.
22
2020
Mittwoch, 22. Januar 2020, 20:00 Uhr
MTC, Zülpicher Str.10, 50674 Köln

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Was braucht es heutzutage, damit junge britische Lads das Gefühl haben, unbedingt eine Band gründen zu müssen? Fragt man die vier Jungs der Sea Girls, so sind es die folgenden Zutaten: Akute Langeweile in den Dörfern rund um Leicester, wo sie aufwuchsen sowie das Gefühl, in den Klassik- und Jazz-Gruppen, die die Schule bietet, falsch aufgehoben zu sein. Außerdem den Wunsch, zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen zu wachsen, gemeinsam größer zu werden, als das alle Vier alleine könnten. Und zu guter Letzt, sich Shows anderer Bands anzuschauen und mit einer gewissen Chuzpe überzeugt davon zu sein: Das können wir auch. Wenn nicht gar besser.
Mit diesen Attributen und Eindrücken ausgestattet, gründeten sich die Sea Girls 2015 aus den vier Musikern Henry Camamile (Gesang, Gitarre), Rory Young (Gitarre), Andrew Dawson (Bass) und Oli Khan (Schlagzeug) – und stiegen in weniger als 18 Monaten vom neuen Geheimtipp auf zu einer Band, die mit ihren brillanten Indie-Hymnen von bald allen Gazetten und Radioshows als „das nächste große Ding“ beschrieben wurden. Beweise? Hier: Allein in diesem Jahr befanden sich die Sea Girls unter den „Tips for 2019“ in Time Out, „Ones to Watch“ in Independent, Metro und It\'s All Indie, unter den „Top 100“ des NME, auf der „Hype List“ von Dork und nicht zuletzt auf der höchst renommierten Liste BBC Sound of 2019 Poll – und dies nicht nur als einzige Band (auf einer Liste, auf der sonst nur Solokünstler stehen), sondern obendrein als ein zum damaligen Zeitpunkt noch ungesignter Act.

Gleiches gilt fürs Radio, zahlreiche der berühmten BBC-DJs gaben sich unmittelbar als Fans aus, ihre aktuelle Single „Damage Done“ - zugleich die erste, die sie im Rahmen ihres Multi-Record-Deals mit Polydor veröffentlichten – wurde von Radio-Legende Annie Mac umgehend zur „hottest record of Radio 1“ deklariert.

Nun gut, was man auch weiß, ist dies: Die Hype-Maschine der UK-Musikindustrie funktioniert schon seit Jahrzehnten einwandfrei und oft erwiesen sich diese derart gehypten Acts mittelfristig als Luftpumpen. Mit den Sea Girls, die mittlerweile gemeinsam nach London zogen und ihren Namen auch beibehielten, nachdem sie herausfanden, dass sie sich nach einer Nick Cave-Textzeile benannten, die sie schlicht falsch verstanden hatten, wird dies nicht passieren.
Beleg für diese Behauptung liefert jede einzelne Show des Quartetts: Es ist eine Mischung aus Schweiß und Tränen, Melancholie und Euphorie, Coming-of-Age-Lyrik und gesellschaftlicher Allgemeingültigkeit, überragend mitreißenden Riffs im Wechselspiel mit einer subtil von hinten treibenden Rhythmusgruppe – und eben diesen bereits erwähnten, hymnischen Melodien, die jeden kleinen Club ebenso in Wallung, ja Rage versetzen, wie es die Sea Girls voraussichtlich schon in wenigen Jahren mit großen Stadien tun werden. Und dies alles eben nicht nur in ihrer Heimat Großbritannien, wo die Shows und Hallengrößen sich von Tour zu Tour in der Kapazität geradezu verdoppeln. Sondern ebenso bereits im Ausland – und auch bei uns, wie etwa die atemberaubend umjubelten Konzerte auf dem diesjährigen Haldern Pop oder erst unlängst beim Reeperbahn Festival belegen.

Mit nunmehr bislang drei EPs und rund einem Dutzend Singles im Rücken, die allesamt bereits zu solchen Fan-Favoriten avancierten, dass es bei manchen Konzerten fast schwer wird, die Band zwischen dem viele Hundert Stimmen starken Chor noch zu hören, die jede einzelne Textzeile mitschreit, sieht die Zukunft für die Sea Girls entsprechend rosig aus. Und all das ist nur der Anfang – noch ist nicht einmal ein Album von ihnen erschienen, die Unterschrift unter ihrem ersten Plattenvertrag noch nicht mal richtig trocken. Da kommt also noch viel mehr – mehr Shows, mehr Songs, mehr von allem. Und wer sich mit seinem Geschmack dem Indie verschrieben hat, wird ohne jeden Zweifel in den Sea Girls eine neue Lieblingsband finden. Von daher ist der Besuch ihrer vier anstehenden Deutschland-Shows zwischen dem 22. Januar und dem 4. Februar dringend zu empfehlen: In einem derart intimen Rahmen wird man die Sea Girls danach nie wieder zu sehen bekommen. Das ist ein Versprechen.

Location: MTC

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