Info
„Maik demonstrates an honesty and generosity in his writing and trumpet playing that gives the listener a glimpse into an inspired inner world.” — Chris Cheek
„Maik Krahl repräsentiert die aktuelle Spitze der deutschen Jazztrompeter seiner Generation. Seine musikalischen Wortmeldungen bereichern mich und lassen mich mit Vorfreude in die Zukunft eines gesamten Genres blicken, das es immer geben wird. Großes Kompliment!“
— Till Brönner
Titel und ihre programmatischen Botschaften: In das Motto von Maik Krahls neuem Album könnte man eine Menge hineininterpretieren. Regen bringt immer Segen, nicht nur in der Landwirtschaft. Der Boden, die Erde und die Menschen ziehen neue Kraft, Pflanzen gedeihen, alles beginnt wieder von vorne. Das Gegenteil von „Rain, Flowers and New Beginnings“ wäre demzufolge: Dürre, verwelkte Blätter und letzte Abschiede. Mag niemand. Deshalb will Krahl den positiven Aspekt diesmal unbedingt in den Vordergrund stellen. Seine Botschaft in unruhigen Zeiten ist klar: Es gilt, kühlen Kopf und Ruhe zu bewahren, die Angst durch viele kleine, positive Aspekte und Situationen zu verscheuchen, dem allgemeinen Wahnsinn keine Chance zu geben.
Es sind neun kompositorische Perlen, die er offenlegt. Sie beschäftigen sich mit den typischen kleinen Situationen des Alltags, den Nebensächlichkeiten, die der 35-jährige Trompeter mit dem Pianisten Constantin Krahmer, dem Bassisten Jakob Kühnemann und dem Schlagzeuger Fabian Rösch plötzlich in den Mittelpunkt rückt. Dabei geht es um die kleinsten Erscheinungen, die uns begleiten, ohne dass wir ihnen einen Namen geben. Ein Lichtreflex auf einer Fensterscheibe etwa, ein Vogel, der kurz auf einer Stromleitung sitzt, die Schatten einer Wolke auf einem Feldweg. Blue Dots Descending könnte die Bezeichnung für jene blauen Punkte sein, die langsam durch unsere Wahrnehmung sinken – Erinnerungen, Hoffnungen oder bloß die Farbe eines frühen Sommerabends, die sich unmerklich auf die Seele legt.
Das Leben schwingt selten große ...Mehr anzeigen Reden. Meistens führt es einen One Way Dialog mit uns. Es stellt Fragen, ohne Antworten zu erwarten. Es antwortet, ohne gefragt worden zu sein. Der Winter ist kein dramatischer Einschnitt, sondern ein Zensor, der alles Überflüssige aus dem Text der Landschaft streicht. Die Bäume geben ihre Blätter ab wie alte Geschichten, die längst auserzählt sind. Die Felder verstummen. Die Farben ziehen sich zurück und überlassen der Welt ein sparsames Vokabular aus Grau, Weiß und dem tiefen Blau früher Dämmerungen.
Dann gibt es die Wochen, in denen die Welt ihre Ernsthaftigkeit verliert. Nachbarn sitzen länger draußen, Kinder lachen und selbst der Himmel scheint weniger beschäftigt. Eine Happy Silly Season beginnt – jene glückliche, etwas alberne Zeit des Jahres, in der ein Eis auf einer Parkbank wichtiger erscheint als jede Schlagzeile und ein Gespräch über nichts zum Höhepunkt des Tages werden kann. Red Wine and Colorful Glasses erzählt von Abenden, an denen ein Glas Wein genügt, um den Sorgen die Schärfe zu nehmen. Und von der Erkenntnis, dass Schönheit oft eine Frage des Lichtes ist. Breathe. Atmen. Die unspektakulärste und wichtigste aller Tätigkeiten. Ein stilles Kommen und Gehen. Vielleicht liegt gerade darin ihre Größe. Das Leben hält sich nicht mit Paukenschlägen aufrecht, sondern mit tausenden kleinen Atemzügen, die niemand zählt.
Wer aufmerksam hinsieht, entdeckt, dass nicht alles ein Wettlauf sein muss. No Pace, No Race ist fast schon ein Gegenentwurf zum Alltag. Die Amsel kennt keine Produktivität, der Löwenzahn keinen Terminkalender. Rain fällt auf Dächer, Asphalt und Gärten. Er zwingt uns, langsamer zu werden, aus Fenstern zu schauen, die Tropfen auf den Scheiben zu beobachten, wie sie Wege suchen und wieder verschwinden. Regen ist die höflichste Form von Vergänglichkeit.
Dann der Titelsong Flowers and New Beginnings: Ein Trieb zwischen Pflastersteinen. Die erste Blüte an einem Busch, den man längst aufgegeben hatte. Das Leben beginnt erstaunlich oft dort, wo wir glauben, sein Ende gesehen zu haben. The Journey of Serenity schließlich könnte die Reise der Gelassenheit sein. Sie führt nicht über Ozeane oder Gebirge, sondern durch Küchen, Gärten, Bahnhöfe und stille Wege am Abend. Wer ihr folgt, entdeckt, dass das Glück selten laut auf sich aufmerksam macht. Es sitzt auf einer Fensterbank, wartet im Duft von Kaffee oder versteckt sich in einem kurzen freundlichen Nicken zwischen zwei Fremden.
Maik Krahl hat all diese Gedanken in Töne gegossen – in seinem mittlerweile längst unverwechselbar erzählerischen, bildhaften und doch groovenden Kompositions- und Instrumentalstil. Das Nebensächliche, das Übersehene spielt bei ihm die Hauptrolle. Und dabei ist tatsächlich etwas Großes entstanden. So etwas wie sein persönliches Meisterwerk.Weniger anzeigen