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Der Leipziger Komponist Herman Berlinski (geboren 18.8.1910 in Leipzig, gestorben 27.9.2001 in Washington) verbrachte die ersten knapp 23 Jahre seines Lebens in Leipzig. Er studierte Musik am Konservatorium und wurde in vielfältiger Weise durch das Kulturleben der Stadt geprägt. 1933 musste er fliehen: Über Polen führte ihn der Weg zunächst nach Frankreich, wo er seine langjährige Leipziger Freundin Sina Goldfein heiratete. 1941 gelang ihnen im letzten Moment die Flucht in die USA. Hier fand er als Organist, Chorleiter, Musikwissenschaftler und Dozent ein vielfältiges Wirkungsfeld. Als Organist erwarb er sich auf zahllosen Konzertreisen einen Namen. Berlinski hinterließ ein umfangreiches kompositorisches Schaffen. Neben 12 Orgelsinfonien gehört die Vertonung der Freitagabendliturgie „Avodat Shabbat“ zu seinen Hauptwerken. Diese Komposition von 1958 erlebt am 27.9.2026 in der Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofes ihre deutsche Erstaufführung. 1981 besuchte Herman Berlinski gemeinsam mit seiner Frau erstmals nach seiner Flucht wieder Leipzig.
Im Kolonnadenviertel befanden sich bis 1938 die beiden größten Synagogen Leipzigs. Sie gaben Juden verschiedener Richtungen eine religiöse Heimat. Während an den liberalen „Tempel“ in der Gottschedstraße heute 140 bronzene Stühle erinnern, befindet sich am ehemaligen Standort der Ez-Chaim-Synagoge ein Parkplatz. Sie war die größte orthodoxe Synagoge Sachsens und gab Tausenden Juden Halt und Orientierung, die Ende des 19. Jahrhunderts vor den Pogromen in Osteuropa geflohen waren. Sie waren ohne Aufenthaltstitel weitgehend rechtlos. In der Synagoge wurde in ihrer Muttersprache Jiddisch gepredigt. Berlinski, Nachfahre polnischer Juden, besuchte die Jugendgottesdienste der Ez-Chaim-Synagoge und gab den Kindern des legendären Kantors der Synagoge, Nahum Wilkomirski, Klavierunterricht.
Inzwischen erinnert der Notenspur Leipzig e.V. mit einem Banner an der Hauswand des Nachbargebäudes, das eine Innenansicht der Synagoge zeigt, sowie ...Mehr anzeigen einer Klanginstallation (die für dieses Konzert abgestellt wird) mit originalen Tonaufnahmen des Kantors Wilkomirski an die Ez-Chaim-Synagoge.
Im Gedenken an den Leipziger Komponisten Herman Berlinski singen und spielen Eileen Wokan (Sopran), Eszter Bessenyői (Flöte) und Benedikt Schäfer (Cello) ein Kurzkonzert.Weniger anzeigen