Michael Ackermann (Bild 2015)

Michael Ackermann (Bild 2015) © MA

Ende September findet in Mannheim das Internationale Kurzfilmfestival BermudaSHORTS statt. Wir sprachen mit Michael Ackermann von der FilmCommission Rhein-Neckar über das bevorstehende Festival und die Filmwirtschaft in der Rhein-Neckar-Region.

regioactive.de: Was genau ist die FilmCommission Rhein-Neckar?

Michael Ackermann: Die FilmCommission Rhein-Neckar ist ein Projekt des Vereins Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar mit Sitz im Kulturamt der Stadt Mannheim und besteht seit 2004. Seit 2008 gibt es einen hauptberuflichen, festangestellten Mitarbeiter, das bin ich. Wir bieten kostenlose Beratung und Vermittlung für Filmschaffende innerhalb aber auch außerhalb unserer Region. Außerdem ist es unsere Aufgabe, die gesamte Film- und Bewegtbild-Branche der Region zu fördern. Das beinhaltet strategische und konzeptionelle Überlegungen oder Kooperationen. In den letzten Jahren haben wir zudem sehr viel Nachwuchsarbeit betrieben, dazu zählen beispielsweise Festivals wie das Girls Go Movie Festival oder das Kurzfilmfestival Zum Goldenen Hirsch.

regioactive.de: Zählt Netzwerkarbeit auch zu euren Aufgaben?

Micheal Ackermann: Ja. Wir sind zum Beispiel gerade dabei, ein Netzwerk für Filmbildung zu gründen, dafür haben wir auch eine Clustermanagerin, Kathrin Lämmle, die Leiterin des Girls Go Movie Festivals. Außerdem organisieren wir nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Filmcamp mit der LMK Rheinlandpfalz. Wir unterstützen aber auch Workshops , wie die der unabhängigen Filmakademie von Marc Reisner oder auch im Rahmen von Festivals. Wir möchten den Teilnehmern den Unterschied zwischen bewegter Kommunikation, Musikvideos oder Corporatevideos erklären und ihnen bewusst machen, dass es ein langer Prozess ist, bis man sich das nötige Know-how und Expertenwissen angeeignet hat, um an einer tatsächlichen Filmproduktion mitwirken zu können. Eine solche Produktion erfordert ein breites Detailwissen im Bereich Ausstattung, Aufnahmeleitung, Produktionsleitung, Licht, Kamera, was bedeutet, dass man sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisieren muss.

regioactive.de: Du bist der einzige festangestellte Mitarbeiter der FilmCommssion, aber wie sieht dein Team aus?

Micheal Ackermann: Zur Zeit habe ich eine Volontärin, die aber hauptsächlich für das diesjährige BermudaSHORTS Festival zuständig ist. Im Grunde bin ich Einzelkämpfer, so wie die meisten im Kulturamt.

regioactive.de: Reichen deine Aufgaben auch in den Bereich der Wirtschaftsförderung hinein?

Michael Ackermann: Wir fungieren als Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Kultur. Ich berate bei Existenzgründungen, bin Mitglied bei Start im Quadrat und betreibe Standortmarketing, zum Beispiel bei der Berlinale in Zusammenarbeit mit der FilmCommission Hessen.

regioactive.de: Wie bist du zu dieser Position gekommen?

Michael Ackermann: Ich habe in Mannheim Medien und Kommunikationswissenschaft studiert und mich insbesondere im Bereich Bewegtbild wohlgefühlt. Nach meinem ersten Praktikum wurde mir schnell klar, dass ich in diesem Bereich bleiben möchte. Ich habe mein Studium in Amerika beendet und dann zwei Jahre in Los Angeles im Bereich Development gearbeitet. Als ich zurückkam, wollte niemand etwas von meinem amerikanischen Filmkenntnissen wissen, davor haben die Deutschen immer noch Angst. Ich habe mich mit Corporate Videos und EPKs selbstständig gemacht. Zusätzlich habe ich bei größeren Produktionen auch mal eine Aufnahmeleitung gemacht. Einige Seiten der Selbstständigkeit fand ich ziemlich ernüchternd, zum Beispiel die Zahlungsmoral mancher Auftraggeber. Deshalb habe ich 2007 beschlossen, nach einer Festanstellung zu suchen und habe mich bei der FilmCommission beworben.

regioactive.de: Mannheim hat in Baden-Württemberg ja eine Art Sonderstellung und wird oft in die Peripherie abgedrängt. Daraus resultiert eine recht enge Zusammenarbeit mit dem Land Hessen. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg?

Michael Ackermann: Mit der FilmCommission Hessen besteht schon seit 2008 eine sehr gute Zusammenarbeit und inzwischen gibt es in Rheinland-Pfalz ein Film- und Medienforum, das ähnliche Aufgaben unternimmt. Mit Hessen veranstalten wir jedes Jahr einen Empfang im Rahmen der Berlinale, der inzwischen eine richtige Insiderveranstaltung geworden ist mit 250 nationalen und internationalen Gästen. Darüber hinaus arbeite ich sehr eng mit dem Offenen Kanal oder der Landeszentrale für Medien und Kommunikation in Ludwigshafen zusammen. Im Sommer organisieren wir zum Beispiel ein weiteres Filmcamp für 10 bis 15 junge Filmemacher, die schon mal etwas mit Film gemacht haben sollten, aber keine allzu hohen Qualifikationen vorweisen müssen. Im letzten Jahr haben wir den gesamten Produktionsablauf begleitet, diesmal möchten wir uns eher auf die Drehbuchentwicklung fokussieren, um gezielt zur Steigerung des Know-hows beizutragen.

regioactive.de: Welche Probleme sehen Sie bei solchen Projekten?

Michael Ackermann: Ein großes Manko in unserer Region ist, dass wir keine akademische Ausbildung im Bereich Film bieten. Wir habe eine gute Basis im semiprofessionellen Bereich, gerade in der bewegten Kommunikation, also Industrie- und Werbefilm und auch Musikvideos, hat sich viel getan, aber für große Produktionen fehlt uns das Auftragsvolumen. Filmschaffende finden hier nicht unbedingt genügend Arbeit, um zu überleben, sie müssen meist auf größere Standorte wie Stuttgart, München oder Berlin ausweichen.

regioactive.de: Unserer Region fehlt also in erster Linie die technische Ausstattung für größere Produktionen?

Michael Ackermann: Die technischen Mittel sind das geringste Problem, es geht tatsächlich um das Know-how. Uns fehlen auf allen Gebieten Experten (Produktions- oder Herstellungsleiter, Aufnahmeleiter, DOP (Director of Photography), Oberbeleuchter etc), die man für größere Produktionen einsetzen könnte.

Im zweiten Teil stellt Michael Ackermann einige Film-Projekte vor, die im Jahr 2015 in der Rhein-Neckar-Region verwirklicht werden.

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regioactive.de: Kannst du auf die Produktionen, die du erwähnt hast, näher eingehen? Was genau steht 2015 für unsere Region an?

Michael Ackermann: Anscheinend zahlt sich dieses Jahr die Werbung für den Standort aus; zum ersten Mal haben wir 10 überregional relevante Produktionen in der Region. Da wäre zum einen eine deutsch-amerikanische Koproduktion mit einem Arthouse/Independent-Film, der „Morris aus Amerika“ heißt. Es ist die Geschichte eines kleinen Jungen und wird hauptsächlich in Heidelberg spielen. Außerdem kommt eine Dani Levy-Komödie nach Mannheim, produziert von X-Filme, die z. B. schon Cloud Atlas produziert haben. Zudem hat sich eine ARD Degeto Produktion angekündigt, es soll eine Serie mit dem Titel „Hotel Heidelberg“ entstehen. Zunächst sind zwei neunzigminütige Folgen geplant, wenn es erfolgreich ist, können es aber durchaus mehr werden. Dazu gibt es einen SWR Mehrteiler, der in der Pfalz spielt und einen weiteren SWR Film mit Regisseur Andreas Kleinert, ein Grimme Preisträger. Zu Produzenten, die dieses Jahr gedreht haben zählen van Scoter Film oder auch eine Produktion von Sinisa Toroman, der als komplett Branchenfremder einen Spielfilm hier in Mannheim produziert. Dahinter steckt natürlich ein größerer Beratungsbedarf.

regioactive.de: Was finden Produzenten in der Rhein-Neckar Region, das sie woanders vielleicht nicht finden?

Michael Ackermann: Dani Levy hat ein urbanes Setting gesucht. Da die Fördermittel aus Baden-Württemberg kommen, fiel die Wahl auf Mannheim. Mannheim ist die urbanste Stadt Baden-Württembergs, da kann auch Stuttgart nicht mithalten. Wir haben in der Region im Grunde alles außer hohen Bergen und Meer: Sowohl der Kraichgau als auch die Pfalz bieten Landstriche, die an die Toskana erinnern. Als Zentren gibt es Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg, die jeweils ihre Vorzüge haben: Mannheim ist urban, industriell, lebendig und vor allem zukunftsorientiert, Heidelberg ist dagegen eine typische Studentenstadt, ein bisschen romantisch und verträumt und dank der Touristen auch sehr international. Ich denke diese Mischung macht unsere Region sehr attraktiv.

regioactive.de: Das Spotlight Festival, das deutschsprachige Werbespots in den Mittelpunkt stellt, hat ja mal in Mannheim stattgefunden, warum hat sich das geändert?

Michael Ackermann: Als der Vertrag auslief haben sich Spotlight und die Stadt entschieden, ihn nicht zu verlängern. Ich habe den Veranstaltern damals gesagt, dass wir es begrüßen würden, wenn sie in Mannheim ein Produktionsbüro eröffnen. Das ist nicht passiert, sie haben nicht einmal versucht, sich in der Stadt oder der Region zu verankern. Wir haben uns bemüht, das Festival durch das Spotlight Forum in Kooperation mit der IHK ein bisschen mehr in der Stadt zu verwurzeln. Aus Sicht der FilmCommission wäre das für die Profis und die Werbebranche wichtiger als die Abendveranstaltung gewesen. Dieses Format haben sie nach Stuttgart mitgenommen. Aber immerhin hatten wir bei der letzten Veranstaltung mit Milan Kappen einen Studentenpreisgewinner, der aus der Region stammt.

Der dritte Teil behandelt das BermudaSHORTS Festival und die Stärke der Region im Bereich des Kurzfilms.

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regioactive.de: Was verbirgt sich hinter dem Titel BermudaSHORTS?

Michael Ackermann: BermudaSHORTS ist ein Festival, das die Stadt Mannheim, das heißt das Kulturamts und der Bereich Internationales, gemeinsam mit seinen Partnerstädten veranstaltet. Die Idee, ein Kurzfilmfestival mit allen Partnerstädten zu veranstalten entstand vor einigen Jahren auf einer gemeinsamen Konferenz. Wir wollten die Städtepartnerschaft von der bilateralen auf eine multilaterale Ebene bringen. Der Kurzfilm ist besonders in Deutschland ein Nachwuchsmedium und gibt insofern die Jugendkultur, die Ideen der Jugend und die Jugendsprache wieder. Das Festival fand erstmals 2012 statt und lieferte interessante Einblicke in die Geschichten der Filmemacher, in ihr Land und ihr Denken.

regioactive.de: Was ist das Ziel des Festivals?

Michael Ackermann: Wir wollen die Menschen zusammenbringen, ein multilaterales Netzwerk auf einer kulturellen Ebene knüpfen und damit für Mannheim und die Region werben. In diesem Jahr nehmen zehn Partnerstädte teil, jede Partnerstadt kuratiert ihre eigenen Filme und schickt ihre Filmemacher dann nach Mannheim. Wir veranstalten drei Tage lang Workshops zu filmspezifischen Themen und bemühen uns, die Filmemacher miteinander zu vernetzen. Diesmal rechnen wir mit etwa 30 Filmen, die im Cineplexx gezeigt werden. Das ist durchaus erfolgreich: Ich weiß von einigen Teilnehmern der letzten Jahre, die noch immer miteinander in Kontakt stehen. Wir hätten es sogar fast geschafft, gemeinsame Projekte mit Akteuren aus den verschiedenen Städten zu initiieren. Es gab aber Einladungen nach Haifa oder Chisinau, der Clipaward hatte eine Sondersektion über Haifa und das Baltikum und wurde auch dorthin eingeladen. Unser Wunsch wäre es aber, tatsächlich ein multilaterales Projekt anzustoßen.

regioactive.de: Wie finanziert sich das BermudaSHORTS Festival?

Michael Ackermann: Das Festival finanziert sich über die Stadt, die Drittmitteleinnahmen sind eher marginal. Wir haben natürlich Sponsoren und Medienpartner, das Cineplexx sponsert uns beispielsweise, indem wir Rabatte bekommen. Außerdem wollen wir diesmal verstärkt Werbung machen und das Festival ins Stadtbild hineintragen, damit die Bürger wissen, dass hier ein internationales Kurzfilmfestival mit den Partnerstädten stattfindet.

regioactive.de: Gibt es schon Themen für die diesjährigen Workshops oder sind sie noch in der Planung?

Michael Ackermann: Es wird ein interessantes Programm. So werden Filmemacher aus Haifa 2 Workshops geben. Animation wird ein Thema sein. Des Weiteren möchten wir einen Workshop zum Thema Corporate Videos machen und auf die Bedürfnisse von Firmen sowie die Kommunikation zwischen Firmen, Agenturen und Filmschaffenden eingehen. Einen Workshop werden Andrew Van Scoter und Daniel Morawek halten, die Mannheim – Der Film gedreht haben, meiner Meinung nach ein sehr interessantes neues Geschäftsmodell.

regioactive.de: Inwiefern?

Michael Ackermann: Mannheim – Der Film ist ja eigentlich nur zum Teil ein Stadtportrait. Der Film ist ein bisschen an Woody Allens Mannhattan angelehnt, insofern ist es schon ein richtiger Film – nur eben auf die regionalen Bedürfnisse zugeschnitten. Ich bin sehr gespannt ob dieser Film bei uns funktioniert und besonders darauf, ob er auch überregional ankommt. Des Weiteren möchten wir einen Workshop zum Thema Corporate Videos machen und auf die Bedürfnisse von Firmen sowie die Kommunikation zwischen Firmen, Agenturen und Filmschaffenden eingehen.

regioactive.de: Was können die Zuschauer vom BermudaSHORTS Festival erwarten? Warum lohnt es sich, dafür ins Kino zu gehen?

Michael Ackermann: Überraschungen! Die Filme sind besonders deshalb spannend, weil wir kein Thema vorgegeben haben. Vom Musikvideo, über sozialkritische Filme, Dokumentationen oder Komödien bis hin zum animierten Film kann wirklich alles dabei sein. Das Spannende an einem Kurzfilm ist meiner Meinung nach, dass man nur wenige Minuten Zeit hat, um sich auszudrücken und eine Geschichte zu erzählen. Auch dieses Jahr sind einige Meisterwerke dabei, auch wenn die Filme ein wenig schwermütiger wirken. Vielleicht ist das ein Abbild der Stimmung unserer Gesellschaft.

regioactive.de: Mannheim hat ja einen gewissen Fokus auf Kurzfilmen, es gibt den Clip Award oder den Goldenen Hirsch. Wäre es lohnenswert sich diesbezüglich gegenüber anderen Playern im Geschäft etwas abzusetzen – als so etwas wie eine Kurzfilmregion?

Michael Ackermann: Das sind wir ja eigentlich schon. Wir haben Girls Go Movie, den Clip Award, den Goldenen Hirsch oder das internationale Filmfestival Lameko in Landau. In Karlsruhe gibt es außerdem die Independent Days, ein sehr großes und äußerst erfolgreiches Festival. Der Hirsch ist glaube ich das größte regional aufgestellte Kurzfilmfestival, ein Festival das in dieser Häufigkeit ausschließlich mit regionalen Filmen betrieben wird, ist beinahe ein Unikat. Unsere Region ist diesbezüglich also sehr lebhaft. Die Bandbreite unserer Filme reicht vom Trash, über Kinderfilme, die tatsächlich auch von Kindern gemacht werden, bis hin zu Hochschulfilmen. Wir verfügen also über eine hohe Quantität an Filmen, vor allem im semiprofessionellen Bereich. Mit der Qualität, die eine Großstadt mit Filmhochschulen bietet, können wir aber nicht mithalten. Dennoch hat sich durch die Förderung der letzten Jahre einiges verbessert. Beim letztjährigen Spotlight Filmfestival hat ein studentischer Filmemacher aus Wiesloch-Walldorf den Juryaward gewonnen. Man sieht also, dass unsere Nachwuchsförderung Früchte trägt. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, jungen Filmemachern das nötige Rüstzeug zu vermitteln, um sich an einer Filmhochschule bewerben zu können.

BermudaSHORTS 2015

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