Alexa Feser (Pressebild 2015)

Alexa Feser (Pressebild 2015) © Mathias Bothor

Bodenständig und fokussiert: Mit ihrem zweiten Album "Gold von Morgen" haben sich für Alexa Feser viele Türen geöffnet. Eine davon führt sie direkt zum Vorentscheid des Eurovision Songcontests am 5. März. Wir haben uns mit der 35-Jährigen Singer-Songwriterin unterhalten.

regioactive.de: Alexa, du bist schon lange keine Newcomerin mehr und hast es oft versucht, im Business Fuß zu fassen. Als Jugendliche war das wahrscheinlich etwas einfacher, einem so intensiven Hobby nachzugehen. Kam bei dir irgendwann der Punkt, an dem du dich zwischen deiner Musik und einem "normalen" Berufsleben entscheiden musstest?

Alexa Feser: Ich habe das schon immer gemacht und es gab nie einen Punkt, an dem ich gedacht habe damit aufzuhören. Ich habe nie ein Studium oder eine Ausbildung beendet, weil ich immer parallel gejobbt habe, um mir die Musik finanzieren zu können und auch Zeit dafür zu haben. Ich habe überlegt, nochmal ein Studium anzufangen, das mich geistig ein bisschen fordert und mir später ermöglicht, Geld zu verdienen. Aber das habe ich verworfen: Musik hat für mich einen viel zu großen Stellenwert in meinem Leben.

"Verbissenheit tut der Musik nicht gut"

regioactive.de: Viele versuchen den Spagat zwischen Musik und Job zu schaffen, was nicht immer leicht ist – vor allem wenn man professionelle Ziele anstrebt. Ist es nicht viel mehr ein "Entweder...oder" als ein "Sowohl...als auch", wenn man es eben kein intensives Hobby bleiben soll?

Alexa Feser: Das habe ich zunächst auch gedacht, dass man da verbissener und fokussierter sein muss. Ich brauche aber auch die Phasen, in denen ich loslasse und das alles nicht so ernst nehme. Diese Verbissenheit tut der Musik nicht gut, erst recht nicht, wenn Leidenschaft und Spaß fehlen. Als Kind denkst du auch nicht darüber nach, später damit Geld zu verdienen.

regioactive.de: Was ist das für ein Gefühl, dass sich diese Arbeit, der Spaß und die Leidenschaft, die du aufbringst, jetzt endlich auszahlen?

Alexa Feser: Das ist jetzt eine Glückssituation. Talent ist sicherlich vorhanden bei mir, aber viele andere haben das auch. Es hat viel mit Glück zu tun. Dafür bin ich sehr dankbar, bleibe aber immer realistisch. Es ist wirklich toll, was gerade passiert. Aber wenn es mal wieder nicht so läuft, muss ich das auch annehmen. Das bedeutet nicht, dass ich schlecht bin oder nicht mehr gewollt werde. Es kann sich ja auch der Zeitgeist verändert haben.

"Von der Musik leben zu können ist wie ein Sechser im Lotto"

regioactive.de: Es kann ja keiner in die Glaskugel schauen...

Alexa Feser: Genau. Wie die Menschen reagieren, weiß niemand. Sonst würde es ein Rezept für die ideale Karriere geben. Es muss irgendwas sein, was die Leute spüren und anziehend finden. Man kann es nicht planen oder errechnen. Aber das ist auch gut so.

regioactive.de: Deshalb kann es aber auch sehr schnell wieder vorbei sein

Alexa Feser: Von der Musik leben zu können ist wie ein Sechser im Lotto. Ungefähr 1% oder noch weniger aller Musiker können das wirklich. Das ist dann schon ein Spezialfall. Ich habe mich damit arrangiert, dass, wenn es nicht klappt beziehungsweise ich nicht davon leben kann, das der Normalfall ist. Damit müssen andere Musiker auch klar kommen. Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Plattenvertrag auch deshalb bekommen habe, weil ich die Sache nicht so verbissen sehe.

regioactive.de: Ich gebe dir recht: Liebe und Leidenschaft sollten an erster Stelle stehen. Man macht das ja auch für sich, um sich auszudrücken. Dennoch ist es nicht leicht als Musiker.

Alexa Feser: Das stimmt. Ich sehe Streaming-Dienste sehr kritisch. Das Modell an sich ist wirklich toll, aber nicht, wenn man bedenkt, wie die Künstler da vergütet werden. Es ist einfach eine zeitintensive Sache, auch für die Songschreiber. Da steckt viel Mühe und Geld dahinter. Es ist falsch, wenn man immer nur denkt, der Künstler kann von Applaus und Liebe leben. Die Menschen sollten das, was sie lieben, auch unterstützen und Veröffentlichungen kaufen und Konzerte besuchen.

"Das Wichtigste ist, glaubhaft und authentisch zu sein"

regioactive.de: Du bist 34 Jahre alt. Entgegen des Verjüngungstrends in der Branche, zeigt das, dass es eigentlich keine Altersgrenze gibt, richtig?

Alexa Feser: Ich bin sogar kürzlich 35 Jahre alt geworden (lacht). Ich denke, die Menschen sehnen sich viel mehr nach einer authentischen Stimme, die Emotionen transportiert. Es ist jetzt die Zeit für diejenigen angebrochen, die was zu sagen haben und authentisch sind. Aber es muss eine gewisse Lebenserfahrung vorhanden sein. Und du musst auch mal schwierige Zeiten gehabt haben, um so ein Album schreiben zu können.

regioactive.de: Das ist also deine Lebensgeschichte, die du auf "Gold von morgen" erzählst.

Alex Feser: Das, was ich geschrieben habe, ist ein Abbild dessen, was ich in den letzten Jahren erlebt habe. Ich glaube, dass die Generation in meinem Alter endlich eine Stimme gefunden hat, die davon erzählt, wie man sich in dieser Lebensphase als Mittdreißiger fühlt und nach sich selbst sucht. Es geht ums Loslassen und Glück finden. Zu wem gehöre ich? Wo gehöre ich hin? Es ist von Vorteil, ein paar Jahre mehr mitzubringen, um einfach glaubhafter zu sein. Das ist das Wichtigste in der Musik, glaubhaft und authentisch zu sein. Nicht das Alter.

"Es geht um Musik und Emotionen"

regioactive.de: Du nimmst am 5. März beim Vorentscheid für den Eurovision Songcontest teil. Wie kam es dazu?

Alexa Feser: Da wurde ich schlicht und einfach von der ARD gefragt und habe ja gesagt. Ganz easy. (lacht)

regioactive.de: Wie schätzt du deine Chancen ein? Laing sind beispielsweise auch dabei.

Alexa Feser: Ich betrachte das nicht als Wettbewerb. Das machen die Medien daraus, aber ich selbst empfinde das nicht so. Jeder ist froh, mitmachen zu dürfen. Es geht nicht darum, wer am Ende gewinnt, sondern um Musik und Emotionen. Das ist ja kein Marathon oder ein Weitsprungwettbewerb.

regioactive.de: Ich wünsche dir auf alle Fälle viel Erfolg weiterhin. Vielen Dank für das Gespräch, Alexa.

Alexa Feser – "Gold von Morgen"-Tour 2015

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