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The Subways (live beim Southside Festival 2014) © Achim Casper

Seit über einem Jahrzehnt gehören The Subways zu den energiegeladensten Live-Bands der internationalen Rock-Szene. Anfang Februar packen die Brüder Billy Lunn und Josh Morgan sowie Bassistin Charlotte Cooper erneut ihre Koffer. Zwei Monate wird das Trio dann wieder in ganz Europa unterwegs sein. Mit im Gepäck haben sie ihr neues selbstbetiteltes Studioalbum. Wir sprachen mit Charlotte Cooper über Vorfreude auf die Tour, Ironman-Wettbewerbe und das Abschwören vom Alkohol.

regioactive.de: Charlotte, in wenigen Tagen verabschiedet ihr euch mit The Subways wieder mal für einen längeren Zeitraum von Zuhause. Ihr habt zu Beginn eurer Karriere immer betont, dass euch das Leben "on the road" mit am wichtigsten ist. Ist das immer noch so?

Charlotte Cooper: Absolut. Das Touren hat immer noch was Magisches. Vor allem, wenn, wie jetzt gerade, auch noch ein neues Album mit am Start ist, können wir es gar nicht abwarten, in den Bus zu steigen. Dieser Drang, auf die Bühne zu wollen, um das, was man in monatelanger Kleinstarbeit im Stillen geschaffen hat, mit den Leuten zu teilen, ist nach wie vor immens.

regioactive.de: Geht das den anderen auch so?

Charlotte Cooper: Auf jeden Fall! Beide haben schon Hummeln im Hintern, wenn sie an die bevorstehenden Wochen denken. Ich glaube auch nicht, dass sich dieses Gefühl jemals ändern wird. Platten aufzunehmen ist eine tolle Sache. Keine Frage, Interviews geben und Promo-Pläne abarbeiten sind Dinge, die uns auch Spaß machen. Aber das Livespielen ist immer noch die Krönung des Ganzen. Diese Energie, die Musik, die Fans: Das kann man mit nichts vergleichen.

"Wir sind ja noch jung"

regioactive.de: Ihr brennt auf der Bühne immer ein unvergleichliches Feuerwerk ab. Es wird gehüpft, gerannt und zum Feiern animiert. Wie sieht es nach einer Show eigentlich Backstage bei euch aus? Steht da immer ein Sauerstoffzelt?

Charlotte Cooper: (lacht) Nein, leider nicht. Da warten immer nur jede Menge Handtücher und reichlich Flüssiges auf uns. Das reicht aber auch. Unsere Shows sind zwar extrem schweißtreibend und anstrengend, aber wir sind ja auch noch jung. In zehn Jahren sieht das aber bestimmt anders aus. Dann werden Handtücher und Wasserflaschen bestimmt nicht mehr ausreichen, um uns nach einer Show wieder aufzupäppeln.

regioactive.de: Sondern?

Charlotte Cooper: Eine Massagebank? Infusionen (lacht)? Keine Ahnung. Aber im Ernst: Wir haben in den letzten zehn Jahren auch gelernt, dass man seinem Körper auch mal was Gutes gönnen sollte, wenn man noch Lust auf weitere zehn oder zwanzig Jahre im Rock-Business verspürt. Man kann nicht immer nur Vollgas geben. Man muss auch mal ne Pause einlegen und dafür sorgen, dass sich der Körper von den Strapazen erholt. Das haben wir in den ersten Jahren ziemlich vernachlässigt. Damals ging es nur ums Feiern, ums Muszieren, darum, sich mit den Leuten in andere Sphären zu beamen. Das kann man eine Zeitlang auch so machen. Irgendwann legt der Körper aber den Rückwärtsgang ein.

"Ironman-Wettbewerbe sind wie exzessive Festivalshows"

regioactive.de: Wie kriegt man den Motor dann wieder in Gang?

Charlotte Cooper: Nun, ich beispielsweise habe irgendwann das Laufen für mich entdeckt. Das lädt den Akku wieder auf und macht den Kopf frei.

regioactive.de: "Laufen" ist etwas untertrieben, oder? Ich habe gelesen, dass du sogar an Ironman-Wettbewerben teilnimmst.

Charlotte Cooper: Ja, das stimmt. Die Kombination aus Laufen, Schwimmen und Radfahren macht mir unheimlich viel Spaß. Man kommt halt auf verschiedenen Ebenen an Punkte, wo man sich überwinden muss. Dieses Gefühl ist der Wahnsinn. Wenn man dann im Ziel ist und sich bewusst wird, was man gerade geleistet hat, haut es einen regelrecht aus den Socken. Das ist Adrenalin pur, in etwa vergleichbar mit einer exzessiven Festival-Show (lacht).

regioactive.de: Stehen Bill und Josh während deiner Wettkämpfe begeisternd klatschend am Straßenrand?

Charlotte Cooper: (lacht) Oh, nein. Die amüsieren sich eher darüber. Mit Sport haben die beiden nicht sonderlich viel am Hut. Das juckt mich aber nicht. Jeder beschäftigt sich mit seinen eigenen Möglichkeiten, wenn es darum geht, eine Balance zwischen In- und Output zu finden. Billy hat beispielsweise dem Alkohol abgeschworen. Ein ganz toller Schritt, wie ich finde.

"Musik setzt die größten Kräfte frei"

regioactive.de: Auf dem neuen Album gibt es sogar einen Song, der sich explizit mit dieser Kehrtwendung beschäftigt.

Charlotte Cooper: Ja, der Song "My Heart Is Pumping To Brand New Beat" ist für Billy ein ganz besonderer Song. Er schrieb ihn, kurz nachdem er das erste Mal nach seinem Abstinenz-Entschluss mit seiner Frau in einem Club war. Es geht darum, dass die Musik letztlich die größten Kräfte freisetzt. Für ihn war das zunächst ziemlich verwirrend. Plötzlich erlebte er all diese Menschen in dem Club und die Musik auf einer völlig neuen Ebene. Er sog alles viel bewusster auf, als noch zu Zeiten, in denen Alkohol ein ständiger Begleiter war.

regioactive.de: Das aktuelle Album wartet auch noch mit anderen Überraschungen auf. Es ist beispielsweise das erste Album, das ihr komplett in Eigenregie aus dem Boden gestampft habt. Wie kam es zu der Entscheidung?

Charlotte Cooper: Billy hatte in der Vergangenheit schon oft den Wunsch geäußert, irgendwann einmal selbst in Aktion zu treten. Diesmal hat einfach alles gepasst. Es fühlte sich irgendwie richtig an. Die Zeit war reif dafür. Wir haben in den letzten Jahren mit tollen Produzenten gearbeitet, von denen wir, insbesondere Billy, viel gelernt haben. Und jetzt war es einfach mal an der Zeit, all das Wissen in die Tat umzusetzen.

"Die Reaktionen auf die neuen Songs sind fantastisch"

regioactive.de: Das klingt nach einer Band, die mehr denn je weiß, was sie will.

Charlotte Cooper: Ja, wir strotzen gerade nur so vor Selbstbewusstsein, Energie und Tatendrang. Die ersten sechs Songs des Albums stehen Pre-Order-Fans ja schon seit einigen Wochen zur Verfügung. Und die Reaktionen sind fantastisch. Das bestärkt uns natürlich in dem Glauben, alles richtig gemacht zu haben. Ich denke, dass wir mittlerweile erwachsener und auch reifer geworden sind. Wir feiern zwar immer noch für unser Leben gern, aber wir blicken auch nach vorne, lassen uns nicht mehr nur vom Moment beeinflussen, sondern haben mehr das Ganze vor Augen. Da steckt natürlich eine Entwicklung dahinter, auf die wir alle unheimlich stolz sind. Das hört man dem neuen Album auch an, wie ich finde.

regioactive.de: Das stimmt. Ich würde sogar so weit gehen, euer neues Album als das bisher stimmigste eurer Karriere zu bezeichnen. Klingt für mich wie eine Art "Greatest Hits"-Album mit komplett neuen Songs.

Charlotte Cooper: Das freut mich natürlich; denn genau das war unser Ziel. Wir wollten ein Album produzieren, das den kompletten bisherigen Band-Katalog vereint. Es sollte eine Platte für alle Fans werden; die alten und die neuen. Die ganze musikalische Bandgeschichte auf einem Album. Klingt doch genial, oder?

regioactive.de: Absolut. Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg auf eurer Tour!

The Subways live 2015

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