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Status Quo (live in Hamburg, 2011) © Falk Simon

Status Quo zählen zu den großen Überlebenden der 1960er Jahre. Wir sprachen mit Gründungsmitglied Francis Rossi über seine erste Tour, Konzerterlebnisse in Europa und warum er nackt auf dem Cover des aktuellen Status-Quo-Albums zu sehen ist.

regioactive.de: Mr. Rossi, Sie sind schon so lange mit Status Quo im Musikgeschäft aktiv und haben so viele Tourneen absolviert. Erinnern Sie sich an ihre erste Tour?

Francis Rossi: Ja! (lacht) Wir gingen auf Tour mit Gene Pitney, Simon Dupree and the Big Sound, Love Affair, Don Partridge und anderen. Damals gab es sogenannte "package tours", alle Bands spielten nur maximal eine Viertelstunde. Wir sind mit einem uralten Bus durch die Gegend gefahren, es gab keine Monitore auf der Bühne, keine Soundanlagen. Nichts war mit heute vergleichbar, es war eine vollständig andere Welt. Aber es war eine große Tour und wir waren so glücklich, endlich Teil des Musikgeschäfts zu sein.

"Alles ist heute sehr viel professioneller"

regioactive.de: Was ist der größte Unterschied im Vergleich zu damals?

Francis Rossi: Alles ist heute sehr viel professioneller. Viele in meinem Alter vermissen gewisse Aspekte der damaligen Zeit, aber Rock’n’Roll wurde damals nicht sonderlich ernst genommen. Heute ist die Musik erwachsen geworden und wird von Budgets und Buchhaltern bestimmt. Aber Musik ist Kunst und daher ist das Zusammenspiel nicht unproblematisch. Es ist logisch, dass es so kam, aber manche vermissen die alten Zeiten, obwohl die Shows nicht pünktlich anfingen und die Bedingungen häufig schlecht waren.

regioactive.de: Wenn ein Künstler heute fünf Minuten zu spät beginnt, buhen und pfeifen die Zuschauer.

Francis Rossi: Und das sollten sie! Wenn man sich das Hype Park Konzert der Rolling Stones aus dem Jahr 1969 ansieht, das kurz nach dem Tod von Brian Jones stattfand, stellt man fest, dass sich das Publikum sehr zurückhaltend verhält. Dreißig Jahre später sind die Zuschauer komplett ausgeflippt. Irgendetwas hatte sich grundlegend verändert, nicht nur musikalisch, sondern auch gesellschaftlich. Ich bin mir aber nicht sicher, was es ist. Ich vermisse einige Dinge von damals, aber es war damals nicht besser. Die technischen Möglichkeiten, die Studios, die Hallen sind heutzutage so viel besser! Außer in England!

"Wir Engländer müssen wieder lernen, uns zu beschweren"

regioactive.de: Wirklich?

Francis Rossi: Es ist die Wahrheit! Wir Briten fühlen uns als etwas Besseres und wir interessieren uns nicht für die Künstler und die Zuschauer. Man vergleiche das mit den Franzosen. Sie haben die besten Hallen in Europa und die besten Straßen. Früher hatten sie die schlechtesten. Damals haben wir es vermieden, Konzerte in Frankreich zu spielen, nachdem wir in Deutschland waren. Die Straßen dort waren wunderbar, alles funktionierte mit großer Effizienz – und dann kamen wir nach Frankreich, wo alles furchtbar war. Die Briten fühlen sich aber immer noch großartig, aber unsere Hallen sind schlecht. Ich habe verschiedentlich darauf hingewiesen – und mir eine Menge Ärger eingehandelt, aber es stimmt. Wir müssen wieder lernen, uns zu beschweren.

regioactive.de: Es gab aber eine Zeit in den 1970ern, als sich die Briten auch beschwert und viel gestreikt haben.

Francis Rossi: Ich vermute aber, dass sie nicht für die richtigen Dinge gestreikt haben. Damals forderten manche einen Job auf Lebenszeit. Aber das ist unmöglich. Wir können nicht wissen, ob ein Unternehmen Bestand hat, egal welches Unternehmen es ist. Margaret Thatcher wurde gewählt, weil viele das Gefühl hatten, dass irgendjemand diese Drecksarbeit erledigen musste. Niemand mochte sie für das, was sie tat, aber wenn die Menschen heute erleben würden, was in Großbritannien in den 1970ern los war, würden sie es für komplett inakzeptabel halten: Unsere Autos waren schlecht, es gab dauernd Streiks in allen Branchen. Jeder streikte. Irgendwann musste das aufhören. Auf der anderen Seite ging die Gegenreaktion wohl etwas zu weit.

"Die deutschen Zuschauer lieben dich auf ewig"

regioactive.de: Wie unterscheidet sich das Publikum in England von dem in anderen europäischen Ländern?

Francis Rossi: Die Londoner Zuschauer sind etwas eingebildet. London besitzt einen großen, weltbekannten Namen. So gut wie alles macht dort Station. Grundsätzlich finde ich es aber gar nicht leicht zu unterscheiden, woher ein Status Quo-Fan stammt. Die Spanier lieben einfach die Band und sie erwarten nicht, dass du einen bestimmten Hit spielst. Sie lieben einfach alles. Die Franzosen holen sich ein Glas Wein und dann schauen sie sich die Show an. Und wenn sie ein Lied lieben, bedeutet das nicht, dass sie das nächste Lied auch mögen werden. Wenn die Deutschen dich lieben, dann lieben sie dich auf alle Zeit.

regioactive.de: Stimmt es, dass die deutschen Zuschauer besonders loyal sind?

Francis Rossi: Das stimmt. Wenn die Deutschen dich einmal ins Herz geschlossen haben, lassen sie dich nie wieder los. Darin ähneln sie den Briten. Überhaupt sind sich Deutsche und Briten sehr ähnlich. In Großbritannien weist man das weit von sich, aber die Deutschen sehen das wohl ähnlich. In England kommt man einfach nicht über die beiden Weltkriege und die Fußballmatches hinweg, während die Deutschen damit abgeschlossen haben.

regioactive.de: Das neue Status Quo-Album "Aquostic – Stripped Bare" ist rein akustisch. Sie haben erklärt, Sie seien ursprünglich gar nicht begeistert von der Idee gewesen. Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?

Francis Rossi: Die Idee stammte vom Musikchef der BBC, der sie unserem Manager unterbreitete. Ich war nicht begeistert. Jahre später nahmen wir "Down Down" für einen Werbeclip in Australien auf, darunter auch eine akustische Version. Und wir dachten alle: "Das ist richtig gut". Unser Manager ermutigte uns, weiterzumachen und wir probierten weitere Songs aus. Plötzlich hatten wir immer mehr Spaß an der Sache. In den akustischen Versionen stechen die Melodien richtig heraus. Auch Hörer, die Status Quo gar nicht mögen, waren begeistert. Das ist ein gutes Zeichen.

"Mich hat noch nie jemand nach dem Coverfoto gefragt – bis jetzt"

regioactive.de: Wer hatte die Idee, dass sie nackt für das Coverfoto posieren?

Francis Rossi: Wiederum unser Manager. Und natürlich war meine erste Reaktion: "Fuck off!" Aber dann änderte ich meine Meinung. Übrigens bin ich in all den Jahren nie danach gefragt worden, wer das Coverbild geschossen hat. Aber diesmal war Bryan Adams dafür verantwortlich und auf einmal will das jeder wissen. Das zeigt, wie das heutige Popgeschäft funktioniert. Es reicht nicht, ein neues Album zu haben, man benötigt noch einen zusätzlichen Anreiz, damit die Leute aufmerksam werden.

regioactive.de: Was können die Zuschauer auf der aktuellen Deutschlandtour erwarten?

Francis Rossi: Auf dieser Tour spielen wir eine normale elektrische Show. Im nächsten Jahr werden wir vielleicht mit einem akustischen Programm auf Tour gehen und wenn das in Großbritannien Erfolg hat, werden wir die Tour möglicherweise auf Deutschland und andere Länder ausweiten. Wenn wir das machen, müssen wir es richtig machen – wie beim Konzert für die BBC – und nicht am falschen Ende sparen. Es werden 15 Musiker auf der Bühne sein. Ein teures Vergnügen, aber es geht nicht anders.

"Wir wollten, dass Rock'n'Roll Bestand hat"

regioactive.de: Hätte der junge Francis Rossi es für möglich gehalten, dass Status Quo Jahrzehnte später immer noch existieren?

Francis Rossi: Auf keinen Fall. Wir dachten an drei oder fünf Jahre. John Lennon oder Mick Jagger sahen das nicht anders. Für junge Leute sind fünf Jahre ein langer Zeitraum. Wir hatten aber den Ehrgeiz, die ältere Generation zu übertrumpfen. Sie glaubten, Rock’n’Roll würde niemals bestehen können, weil es Schrott sei. Wir wollten ihnen das Gegenteil beweisen.

regioactive.de: Das ist ihnen gelungen. Herzlichen Dank für das Interview!

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