Danko Jones sind regelrechte Arbeiterbienen, die ohne große kommerziellen Erfolge weltweit Bekanntheit erlangten. Einen "Überhit" wollten sie auch nie - lest bei uns nach, wieso.

Danko Jones sind regelrechte Arbeiterbienen, die ohne große kommerziellen Erfolge weltweit Bekanntheit erlangten. Einen "Überhit" wollten sie auch nie - lest bei uns nach, wieso. © Dean Karr

Seit über 16 Jahren präsentieren sich Danko Jones nun schon als Rock'n'Roll-Weltenbummler ersten Ranges. Lediglich Frank Turner dürfte den reiselustigen Kanadiern in punkto Live-Erfahrung noch um eine Nasenspitze voraus sein, ansonsten dürfte kaum ein Club von Tokio bis L.A. nicht wenigstens schon einmal seinen Backstagebereich für die Mannen aus Toronto hergerichtet haben. Wir trafen Frontmann und Namensgeber Danko Jones zum Interview.

regioactive.de: Hi Danko, du kommst gerade vom Wacken Open Air. Wie war's?

Danko Jones: Es war grandios. Ich liebe dieses Festival. Es gibt nichts Vergleichbares.

Was macht das Wacken so besonders?

Es ist das Gesamtpaket. Alles passt einfach. Die Leute sind nett, das Billing ist jedes Jahr fantastisch und man hat dort diesen riesigen Metal-Markt, wo man sich mit allem eindecken kann, was auch nur im Entferntesten mit dem Genre zu tun hat.

"Es gibt nichts, wohinter man sich verstecken kann"

Ihr wart diesmal nicht als komplette Band zugegen. Stattdessen hast du eine Stunde lang über Kiss geredet. Ich glaube, deine letzte Spoken Words-Performance lag vor deinem gestrigen Auftritt acht Jahre zurück. Wie war das für dich?

Oh, ich war ziemlich nervös (lacht). Wie du schon sagtest, ich habe so etwas in dieser Form schon ewig nicht mehr gemacht. Aber als die Anfrage kam, konnte ich einfach nicht widerstehen. Ich meine, ich beschäftige mich schon seit meiner Kindheit mit Kiss. Es war wirklich cool.

Wie haben die Leute denn reagiert?

Absolut super. Die Stimmung war toll. Sicherlich waren auch einige 19-Jährige dabei, die sich mehr auf Machine Head und Konsorten gefreut haben als auf einen Typen wie mich, der eine Stunde lang über eine Band spricht, die sie wahrscheinlich nicht einmal kennen (lacht). Aber, so what? Die Performance selbst war schon eine besondere Erfahrung. Es gibt keine Band und keinen Sound. Es gibt nichts, wohinter man sich verstecken kann. Da sind nur dieses eine Mikrofon, tausend Metal-Fans vor der Bühne und man selbst. Da herrschen schon andere Vibes.

Wäre das Wacken Open Air nicht die ideale Gelegenheit gewesen, um die Songs des neuen Albums Rock And Roll Is Black And Blue schon einmal vorab auf Herz und Nieren zu überprüfen?

Oh, glaube mir, wir werden in diesem Jahr noch eine Menge Gelegenheiten dazu haben (lacht).

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"Mit Below The Belt haben wir die Basis des Danko Jones-Sound geschaffen"

Lass uns über das neue Album reden. Für mich klingt es wie Below The Belt Part 2. Wie siehst du das?

Das freut mich, denn genau das war es, was wir wollten. Ich denke, dass wir damals mit Below The Belt die Basis des ultimativen Danko Jones-Sounds geschaffen haben. Diesen Spirit wollten wir unbedingt fortsetzen. Es sind zwölf Songs, die nach vorne gehen. Purer Rock'n'Roll, mal härter, mal softer. Mal schneller, mal langsamer. Aber im Grunde genommen geht jeder Song schnurstracks auf die 12. Genau das wollten wir.

Besonders beeindruckt hat mich Atom Willards Schlagzeug-Arbeit, die die dem Grundsound der Band nochmal einen besonderen Schub verpasst hat. Empfindest du das ähnlich?

Ja, absolut. Es gibt eine Menge brillanter Fill-Ins und Breaks von Atom, die seinesgleichen suchen. Wir haben in der Vergangenheit ziemlich viel Stress mit unseren Drummern gehabt. Ich hoffe, dass diese Odyssee nun endlich ein Ende hat.

In diesem Jahr überschlagen sich die Ereignisse im Hause Danko Jones ja nur so. Vor einigen Wochen kam erst die DVD "Bring On The Mountain" heraus, nun kommt das neue Album und kurz danach kann man auch deine Biografie "Too Much Trouble" käuflich erwerben. Welches dieser drei "Babys" liegt dir persönlich am meisten am Herzen?

Da muss ich nicht lange überlegen: Ganz klar das Album. Es gibt für mich nichts Wichtigeres. Die DVD ist toll, keine Frage. Sie ist auch wichtig, denn sie zeigt alles, worauf es uns seit 16 Jahren ankommt. Auch das Buch ist eine schöne Sache. Aber nichts, absolut gar nichts, kommt an den Stellenwert eines neuen Albums heran. Ich bin da sehr klassisch geprägt. Ich fand Alben immer spannender als Singles. Vor allem, als es noch keine CDs gab. Die Aufmachung, das Bootleg: Hinter jedem Album steckt eine komplette Geschichte. Nehmen wir doch mal als Beispiel Kiss. Wenn ich irgendwann einmal zurückblicke, werde ich mich an Titel wie Destroyer oder Alive erinnern und weniger an Songtitel wie Detroit Rock City oder Deuce.

"Ich bin Musiker durch und durch"

Wie sieht es mit der Biografie aus? Was können deine Fans erwarten?

Dieses Buch erzählt die Geschichte von Danko Jones. Wir sind schon so lange unterwegs und wir haben schon mit unzähligen Bands getourt. All diese Leute werden dort zu Wort kommen. Von Lemmy Kilmister über Turbonegro bis hin zu Sepultura. Die Liste ist endlos. Es ist keine Biografie im herkömmlichen Sinne. Stuart Berman, der das Buch verfasst hat, hat über siebzig Leute zu Wort kommen lassen. Das Ganze wird im Stil von Legs McNeil gehalten. Viele Zitate und weniger fließender Text.

Ihr bezeichnet euch auf der Rückseite der DVD als "the hardest-working band in rock and roll". Würdest du dir manchmal wünschen, einen Hit aus dem Ärmel schütteln zu können, damit ihr auch mal ein halbes Jahr zur Ruhe kommen könnt?

Oh nein. Unsere Alben tragen nicht umsonst Titel wie Sleep Is The Enemy oder We Sweat Blood (lacht). Morgens aufwachen, Musik machen und abends hundemüde in die Koje fallen: Das ist einfach unser Ding. Wir kennen es nicht anders. So haben wir angefangen und so läuft unser Alltag auch heute noch ab. Ich bin Musiker durch und durch. Das ist nicht nur mein Job. Ich lebe Musik. Wir brauchen keinen Hit. Das war nie unsere Herangehensweise, wenn wir uns mit neuen Songs beschäftigt haben. Ich glaube, sobald man anfängt sich über solche Sachen Gedanken zu machen, wird man falsch.

Wir haben uns alles hart erarbeitet. Darauf sind wir sehr stolz. Wir sind den klassischen Weg gegangen. Als wir anfingen haben wir vor zehn oder zwanzig Leuten gespielt. Mittlerweile spielen wir die großen Festivals und sind das halbe Jahr auf Tour. Ich weiß nicht, ob ich heute noch hier sitzen würde, wenn wir auf Born A Lion einen Über-Hit gehabt hätten. Wahrscheinlich wären wir, wie viele andere Bands, einfach nur verheizt worden. So wie es ist, ist es wunderbar. Außerdem bin ich froh, dass wir nicht allzu viel Zeit ohne Musik verbringen. Denn wenn ich mir vorstellen müsste, nach jeder Tour wieder monatelang Zuhause rumzuhocken, würde ich wahrscheinlich Depressionen bekommen.

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