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Tatjana Glahn, Sebastian Weber
Bio
„Sicher“, erklärt Sebastian Weber, ein breites Grinsen auf den blassen Zügen, „THE MEAN 13 wären wohl eine Herzensangelegenheit...“. „...wenn dein Herz nicht schon längst die Würmer zerfressen hätten“, führt Tatjana Glahn den Satz ihres Kompagnons zu Ende. Auch die weibliche Hälfte des Duos grinst wie ein Honigkuchenpferd, was – bedenkt man die mimischen Optionen, die jemandem in ihrer Lebenslage verbleiben – keine wirkliche Überraschung ist.
Auch wenn der Piano-Pop der beiden frisch und unverbraucht daher kommt, sind THE MEAN 13 doch alles andere als Neulinge: Dem Entschluss, ein gemeinsames Projekt aus der Taufe zu heben, Ergebnis einer weinseligen Gewitternacht, gingen in ihrem Falle zwei ganze Leben voraus. „Das war vor gut 128 Jahren“, klärt Weber den staunenden Schreiber dieser Zeilen auf. „Kinder, wie die Zeit vergeht...“. Glahn nimmt einen beiläufigen Zug aus ihrer knöchernen Zigarettenspitze, und sogleich quellen dünne Rauchschwaden unter dem roten Cocktailkleid der Sängerin hervor. „117“, hustet sie. „Aber ich höre immer wieder, ich würde kein Jahr älter als 98 aussehen“.
Getroffen hat sich das ungleiche Duo bei einem Töpferkurs in Skulling, „einer provinziellen Ruhestätte für Arschlöcher und Kommunisten“, wie Weber schnodderig konstatiert.
Die Rollen könnten bei THE MEAN 13 nicht offensichtlicher verteilt sein: Er, Typ ‚heruntergekommener Dandy’, kehrt gerne den Rockstar heraus, während seine Mitstreiterin in ihrer modrigen Eleganz den schillernden Gegenpol gibt.
Ihre Jahre im Diesseits findet Glahn inzwischen kaum noch erwähnenswert: „Ich war ein Snob und er ein Idiot – mehr gibt es da nicht zu sagen. Es hat ein Jahrhundert gedauert, bis wir in der Lage waren, ein Album wie ‚A Coffin To Go’ aufzunehmen. Früher drehten sich unsere Leben eher um pseudoliterarische Teegesellschaften und das Auspeitschen von Küchenpersonal...“. „Die moderne Aufnahmetechnik hat uns viele Türen geöffnet“, stimmt Weber zu, jetzt ganz in seinem Element. „1879 hätte ich einen Song wie ‚Paranoid And Thirsty’ wohl noch mit dem Jagdhorn in einen Phonographen tröten müssen...“.
Für die Zukunft hat sich das kreative Gespann viel vorgenommen: „Wir planen eine Welttournee und wollen noch mindestens ein weiteres Album machen“, kündigen beide wie aus einem Munde an – ein Versprechen, und irgendwie auch eine Drohung. Auf die verhaltene Frage, wann man denn mit alledem rechnen dürfe, erntet der Autor jedoch klapperndes Schulterzucken.
Was bedeutet schon Zeit, wenn man wie THE MEAN 13 nicht weniger als die Ewigkeit vor sich hat?
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