ein tiefer blick hinter die kulissen Dúné zu Gast in Potsdam: Backstage mit der Band
Nena hören und auch noch Spaß dabei haben., © Marcel Benoit

Das Corpus Delicti an seinem angestammten Platz.
Foto: Marcel BenoitVom Soundcheck abgesehen, stand der Nachmittag vor allem im Zeichen der Aufarbeitung des vorausgegangenen Tages beziehungsweise der entsprechenden Nacht. Für die meisten Bandmitglieder bedeutete das, dass sie sich ein gemütliches Plätzchen suchten, sich Gitarre, Laptop oder den Liebsten schnappten und sich erst einmal ausruhten. Nun gibt es sicherlich unendlich viele Möglichkeiten, wie man sich ganz individuell entspannen kann. Dass dazu allerdings auch die enthusiastische Begleitung von NDW-Schinken mit virtuosem Luftgitarrenspiel und Gesang gehört, hätte man vermutlich nicht unbedingt erwartet.

Hochmotiviert: Mattias beim Schneiden der Videos.
Foto: Marcel BenoitDoch nicht die ganze Band konnte einfach nur herumgammeln: Danny, praktischerweise Gitarrist, verbrachte den Nachmittag vor allem damit, seinen dick angeschwollenen Mittelfinger zu kühlen - auch das ein Ergebnis der letzten Nacht. In jugendlichem Übermut hatte er wohl herausfinden wollen, ob sich sein Äußeres durch die goldenen Handschuhe von Julia, Bassfrau des Support-Acts Fertig, Los!, noch weiter verschönern ließe. Im Nachhinein betrachtet war es wohl keine gute Idee, die Wirkung seiner frisch ergatterten Accessoires mittels bestimmter Gesten in Richtung seiner Bandkollegen zu testen. Das Ergebnis dieser Aktion war dann schließlich der besagte lädierte Finger.

Gut vorbereitet: Ole präsentiert sich schon vor der Show in Stimmung.
Foto: Marcel BenoitNicht viel besser erging es übrigens den Handschuhen, von deren Schicksal die eigentliche Besitzerin im Videotagebuch von Fertig, Los! ergreifend berichtet. Auch Dúné führen auf ihrer Website einen Vlog, in dem sie einen Einblick in das Bandleben geben. Nicht nur für die Fans eine nette Sache, aber eben auch eine Menge Arbeit, die Mattias und Cille mit der Bearbeitung des Materials vom Vortag hatten. Die Aufnahmen von Mattias' tapferen aber nicht besonders erfolgreichen Versuchen, ein Radiointerview auf Deutsch zu absolvieren, sorgten aber immerhin für mehr Heiterkeit als die Beschädigungen an Fingern und Handschuhen.

Mattias auf der Bühne.
Foto: Marcel BenoitSechs der sieben jungen Dänen haben ihrer alten Heimat mittlerweile den Rücken gekehrt und leben nun in Berlin. Die Station in Potsdam bot deshalb eine willkommene Gelegenheit für Bekannte und Freunde aus der nahen Hauptstadt, den tourenden Musikern einen Besuch abzustatten. Nach dem Essen platzierte sich daher ein Teil der Band gemeinsam mit den inzwischen eingetroffenen Gästen rund um den Kühlschrank, um sich dort in taktisch günstiger Position langsam auf das Konzert einzustimmen. Frontmann Mattias verfolgte unterdessen seine eigene Taktik zur Vorbereitung auf die Show und legte sich erst einmal schlafen.

Grauenhafte Musik? Drummer Malte nimmt es zumindest äußerlich gelassen.
Foto: Marcel BenoitAm Konzert selbst gab es, außer vielleicht die nicht ganz so hohe Zuschauerzahl, weder für die Band noch für die Fans irgendetwas auszusetzen. Nun gut, eine Show von Dúné ist nichts für jemanden, der es vorzieht, dass sich die Musiker ohne großes Drumherum nur auf das Spielen ihrer Instrumente konzentrieren. Vielmehr geht die Band mit einem scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Energie auf der Bühne zu Werke. Das Publikum in Potsdam ließ sich davon von Anfang an bis in die letzten Reihen mitreißen und zeigte sich dann auch ziemlich beglückt, als schließlich die letzten Akkorde des fulminanten Go Go Valentina verklungen waren. Trotz großer Erschöpfung, gönnten sich Bassist Piotrek und Mattias keine Erholung, sondern stellten sich im Anschluss an das Konzert noch für Fotos und zum Smalltalk zur Verfügung.
Für den Folgetag sah der Tourplan keinen Auftritt, sondern nur die Fahrt nach Österreich vor, und bot damit also die Aussicht auf Erholung. Die Abfahrt des Nightliners war erst für den frühen Morgen angesetzt und, da es den Gästen aus Berlin inzwischen auch an einer Möglichkeit zur Heimfahrt fehlte, fiel die Entscheidung leicht, nach getaner Arbeit noch etwas zu unternehmen. Fragte sich nur, was. Die Möglichkeiten an einem Wochentag zu fortgeschrittener Stunde in einer eher abgelegenen Ecke Potsdams schienen nicht besonders üppig zu sein.

Piotrek zeigt sich dagegen nur mäßig begeistert.
Foto: Marcel BenoitGlücklicherweise fand in unmittelbarer Nähe der Location eine Party statt. Allerdings schien recht offensichtlich, dass die illustre Runde auf der Suche nach ein wenig Zerstreuung eher weniger deren Zielgruppe entsprach. Schließlich fiel die Entscheidung zu Gunsten des geringsten Aufwands. Angekommen bewiesen die verbliebenen Bandmitglieder überwiegend eine enorme Anpassungsfähigkeit und feierten mitunter recht ausgelassen. Einzig Piotrek behielt einen kühlen Kopf und konnte dem Spektakel nur wenig abgewinnen. Kopfschüttelnd und schockiert nahm er zur Kenntnis, dass es offenkundig Menschen gibt, die nicht nur freiwillig Partys besuchen, auf denen die Backstreet Boys und Dr. Alban gespielt werden, sondern, am allerschlimmsten, dass solche Leute derartige Veranstaltungen auch noch völlig ernst nehmen würden.
Dass sich auch Piotrek wenigstens noch ein bisschen amüsieren durfte, bevor Dúné ihren Weg in Richtung Alpen antraten, ist dem Verhalten eines anderen Gastes und dem folgenden Polizeieinsatz zu verdanken. Als der ehrenwerte Herr physisch sein Unverständnis darüber zum Ausdruck brachte, nicht mehr länger willkommen zu sein, zerstörte er - natürlich versehentlich - die halbe Bar, woraufhin dann auch bald die Lichter angingen. Letztlich also für alle Beteiligten ein gänzlich gelungener Abend
Setlist: Intro - Time to Leave - Heiress of Valentina - Heat - A Blast Beat - Bloodlines - Stages - Let Go of Your Love - Everybody Fights the Lust - Remember - No Speed - Final Party of the 21st Century - John Wayne vs. Mary Chain - Get It Get It - Revolution - Victim of the City - Dry Lips - To Metropolis
Zugaben: Please Bring Me Back - 80 Years - Go Go Valentina
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