"death to infidels"-tour in ludwigshafen
Konzertbericht: Manowar rockten die Friedrich-Ebert-Halle
Review/Bericht vom 26.01.2010 | Autor: Fabian Rieche / Fotos: René Peschel
Tags: Manowar Holy Hell Metalforce
Review/Bericht vom 26.01.2010 | Autor: Fabian Rieche / Fotos: René Peschel
Tags: Manowar Holy Hell Metalforce
Auch wenn der Schriftzug auf der Standarte zum neuerlichen musikalischen Schlachtenzug der selbsternannten "Kings of Metal" in heutigen Zeiten ein wenig fehlinterpretiert werden könnte, verstand der gestandene Manowar-Veteran darunter selbstverständlich ein weiteres pompöses Heldenepos schwer-metallischer Form. Kein Wunder! Vom Fassstechen über einen Einzug per Motorrad bis hin zum kompletten Wikingerschiff war bisher so ziemlich jedes Showelement vertreten. Sogar Stinkbomben.
Doch bis die vier alten Herren die Bühne enterten, gab es erst einmal die halbstündige Einstimmung der deutlich jünger geratenen Waffenbrüder von Metalforce (dem einen oder anderen sicher noch als Majesty bekannt). Das württembergische Quintett im ledernen Stützkorsett bot pünktlich die erwartete Kost: retrospektiver Metal im traditionellen Sinne! Auch wenn die Publikumsreaktionen anfangs ein wenig verhalten ausfielen, brachen Titel wie Freedom Warriors mit sympathisch klischeebeladenen Mitgröhlrefrains à la "Knights hear the call, it is deep inside us all! We are fighting for glory and steel! We will ride till the dawn, we are children of the storm!" schnell das Eis. Hörbar und optisch eindeutig von ihren Idolen beeinflusst, hatte man fast das Gefühl, eine intonierte Blaupause von Manowar vor sich zu haben; etwas geradlinig zwar, aber als Anheizer absolut geeignet. Es versprach, ein guter Abend für alle Krieger des "wahren Metal" zu werden. Allerdings galt es, auch die zweite Vorband im Bunde unbeschadet zu überstehen. Und das gestaltete sich deutlich schwieriger, denn Holy Hell wollten so gar nicht zünden. Weiblicher Gesang in einer von Männern dominierten Szene ist ohnehin immer so eine Sache, aber wenn ein komplettes Geschlecht entweder auf das leicht bekleidete Accessoire des muskelbepackten, barbrüstigen Schwarzenegger zu "Conan"-Zeiten reduziert oder zu brünstigen Walküren/Amazonen stilisiert wird, sollte Frau wenigstens einigermaßen singen können, um sich dieser Kategorisierung erfolgreich zu entziehen. Und das war bei Holy Hell bedauerlicherweise nicht der Fall. Überhaupt wirkte die Dame am Mikrofon derart abwesend, dass man sich unwillkürlich fragte, ob sie nicht ein wenig zu sehr am Löschblatt gelutscht hatte. Dafür aber ließ wenigstens der verbissene Gesichtsausdruck des Gitarristen darauf schließen, dass zumindest er sich durchgehend im höchsten Maße konzentrierte – oder vor dem Konzert eine Pulle Rizinusöl geext hatte. Vom Keyboarder will ich gar nicht erst anfangen, denn wer geschlagene fünfundvierzig Minuten lang mit gichtartig verkrümmter Hand sein Instrument hiebweise malträtiert, ist bereits gestraft genug. Zum großen Pianisten schafft er es wohl nur dann noch, wenn er sich die "Power Metal-Keyboardklaue" patentieren lässt. Dummerweise konnte man sich diesem musikalischen Dilemma auch nicht mit einer beherzten Flucht zum Bierstand entziehen, denn die tadellose Organisation hatte für minimalste Wartezeiten gesorgt; so fand man sich nach nicht einmal zwei Minuten wieder vor der Bühne, um der schier unaussprechlichen Negativleistung von Holy Hell durch steigenden Pegel Tribut zu zollen. Das Resümee war schließlich allgemein erschreckend einstimmig: Hätte man sich "Holy Fäkalwort" genannt, wäre das nicht nur passender zum Geräuschmatsch, sondern dem ahnungslosen Hörer gegenüber auch deutlich zuvorkommender gewesen.Glücklicherweise hatte man seitens Manowar mitgedacht und gönnte den geschundenen Gehörgängen der Konzertbesucher eine dreiviertel Stunde Pause, um hinter zugezogenem Vorhang Umbauarbeiten für das große Finale des Abends durchzuführen. In eben dieser drehte sich das Kopfkino natürlich unablässig darum, was anhand jener stattlichen Wartezeit und bei einem Eintrittspreis von immerhin 70 Euro geboten würde; mal abgesehen von Eigenwerbung zur bald erscheinenden Asgard-Saga in Kooperation mit Wolfgang Hohlbein. Endlich war es dann soweit! "Ladies & Gentlemen, from the United States of America... All Hail: MANOWAR!" Der Vorhang fiel, die Lautstärke stieg und … Wusstet ihr, dass Eric Adams klein ist? Das war mein erster Gedanke – und gleichzeitig mein einziger, denn mehr gab es nicht zu sehen. Da stand der Mann in seinem typischen Leibchen, mit imaginär wallendem Brusthaar, und schrie sich die Seele aus dem Leib. Daneben Joey Joey DeMaio an seinem Bass, im Hintergrund ein Schlagzeug. Das war's. Immerhin hatte Gitarrist Logan ein Pony dabei – aber auch das lediglich als Frisur. Manowar mal familiär, mal ohne großes Theater, quasi zum Anfassen, fast wie eine ganz gewöhnliche Rockband! Der Fokus lag auf der Musik, nicht auf der Show. Prinzipiell eine gute Sache, aber da war neben dem obligatorischen Basssolo schließlich noch DeKetchups hochtrabend angekündigte Rede auf die "Metalbruderschaft." Die Faust pathetisch gen Himmel recken, sich etwas von gemeinschaftlicher Stärke erzählen lassen, nur durch den persönlichen Musikgeschmack seine eigene kleine Legende sein... Pustekuchen! Joey DeMaio dürstete es nach Bier, Brüsten und grundsätzlich Sexualität im plumpesten Sinne; und die Ansprache war großartig, weil treffend und ohne die üblichen Peinlichkeiten, bei denen uns Richard sonst im Grabe rotiert! Statt ewig schwülstig auf das Publikum einzusalbadern, gab es ein paar markige Sätze, bei denen es jedem gewissenhaften Jugendschützer die Zehennägel hochgerollt hätte. DAS ist verdammt noch mal Heavy Metal! Mit dieser geschickten Überleitung zurück zur klanglichen Komponente:
Über Handwerk und Technik muss man bei einer derart renommierten Kapelle wohl kaum streiten, deshalb ein genereller Kritikpunkt: Die Setliste bot viel zu wenige Klassiker der Bandgeschichte – wie kann man beispielsweise einen Titel aus dem Liverepertoire streichen, der stets so gut funktionierte wie Hail and Kill?! Dem bunt gemischten Auditorium merkte man die Enttäuschung trotzdem bloß partiell an. Der eine Teil freute sich sichtlich über Manowars gesteigerten Mut zum moderneren Liedgut, der andere hingegen reagierte ausschließlich auf die spärlich gesäten Hymnen der Bandhistorie (Kings of Metal, The Gods made Heavy Metal). Naja, das stampfende Warriors of the World united versöhnte wohl sinngemäß beide Parteien einigermaßen, und dass ich nach Black Winds, Fire and Steel am Ende des knapp zweistündigen Konzerts einen schmerzend angeschwollenen Stiernacken und eine verknotete, von Bier verklebte Haarmatte vorweisen konnte, beweist wohl überdeutlich, dass es trotz allem ein grandioser Abend gewesen sein muss. Einziger Wermutstropfen bleibt der horrende Eintrittspreis für die spezielle, überaus imposant inszenierte "Ohne Show"-Show, die von der sonst so treuen Anhängerschaft mit einer mit 1500 wackeren Metaljüngern in ihrer Kapazität gerade mal zu 50% ausgelasteten Ebert-Halle honoriert wurde.
Die komplette Fotogalerie von Manowar live aus der Friedrich-Ebert-Halle findet ihr hier!
Call To Arms | Hand Of Doom | Kings Of Metal | God Or Man | Swords In The Wind | Joey Solo | Die For Metal | Die With Honor | Let The Gods Decide | The Sons Of 0din | The Gods Made Heavy Metal | Sleipnir | Loki | Thunder In The Sky | Warriors Of The World | House Of Death | Black Wind
Fabian Rieche / Fotos: René Peschel
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