corpus delicti im karlstorbahnhof Fotos und Bericht aus Heidelberg: Slut und Juli Zeh live
Slut und Juli Zeh: Corpus Delicti - Eine Schallnovelle (live in Heidelberg, 2009) Foto: Marcel Benoit, © regioactive.de
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Slut und Juli Zeh: Corpus Delicti - Eine Schallnovelle (live in Heidelberg, 2009)
Foto: Marcel Benoit
Foto: regioactive.deEin solches Unterfangen, erst recht, wenn man es ernst damit meint und sich nicht nur darauf beschränkt, die bereits bewährten Zutaten einfach zu addieren, birgt zweifellos ein gewisses Risiko. Die an dem Projekt beteiligten Künstler scheuten dieses jedoch nicht, sondern waren vielmehr dazu bereit, gravierende Konzessionen gegenüber ihrem sonstigen Wirken einzugehen. Dementsprechend wenig hatte der Abend mit einem gewöhnlichen Slut-Konzert gemein, doch auch für solche Fans, die darauf instinktiv erst einmal mit einem Reflex des Bedauerns reagieren, verließen den Karlstorbahnhof am Ende mehr als versöhnt. Denn das Konzept geht auf: Nicht nur die Texte selbst, sondern auch die etwas düstere Handlung von Corpus Delicti, geben – trotz der notwendigen Kürzungen und Modifikationen gegenüber des Romans – locker genug her, um auch live den Mittelpunkt des Programms zu bilden.
Der Musik, ganz besonders in der Form, wie sie normalerweise auf Slut-Konzerten zu hören ist, bleibt da nur die zweite Reihe. Das wird allerdings weit weniger als ein Verlust wahrgenommen als man vielleicht vermuten könnte, im Gegenteil, denn auf diese Weise fügt sie sich harmonisch in das Gesamtbild aus Klängen, Texten, Visuals und den Darbietungen des Sextetts auf der Bühne ein.
Das ist übrigens weitestgehend sehr überzeugend, auch wenn sich ein klein wenig Kritik äußern lässt. So ist es durchaus ein erfreuliches Erlebnis, Chris Neuburger zur Abwechselung nicht nur singen und an seinen Instrumenten, sondern vor allem sprechen zu hören. Gleiches gilt für Juli Zehs vorsichtige Ausflüge ins Gesangsfach. Ein kleiner Wermutstropfen ist einzig, dass sich das Geschehen relativ stark auf diese beiden Protagonisten konzentriert, wobei präziser ausgedrückt das eigentliche Problem darin liegt, dass die gerade nicht im Vordergrund stehenden Bandmitglieder bisweilen ziemlich untätig und ein bisschen verloren auf der Bühne herumsitzen. Das mag auf manchen Zuschauer, der normalerweise eher selten im Theater, dafür aber umso häufiger auf Konzerten zu finden ist, ein wenig irritierend gewirkt haben; an dem positiven Gesamteindruck, den – und das ist wohl die größte Leistung der Künstler – das erwartungsgemäß sehr heterogen zusammengesetzte Publikum von diesem Abend hatte, änderte das allerdings nichts.
